Eschweiler - Oliver Liebchen folgt auf Stefan Kämmerling

Oliver Liebchen folgt auf Stefan Kämmerling

Von: Patrick Nowicki
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Neuer Stadtverbandsvorsitzender der SPD: Oliver Liebchen wurde jetzt gewählt. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Delegiertenkonferenz der SPD im Stadtverband wählte ihn mit 67 Ja- und sechs Neinstimmen zum neuen Vorsitzenden: Oliver Liebchen. 700 Mitglieder zählt der SPD-Stadtverband, 100 davon sind unter 35 Jahre alt.

Der 33-jährige Sozialdemokrat trat damit die Nachfolge von Stefan Kämmerling an. In dessen Abgeordnetenbüro arbeitet er hauptberuflich. Warum dies in seinen Augen nicht zu Interessens-konflikten führt, wie er den Rechtsruck und die Chancen der Landes- und Bundes-SPD bei den kommenden Wahlen beurteilt, berichtet er im Interview.

Herr Liebchen, ab wann haben Sie mit dem Vorsitz des SPD-Stadtverbands geliebäugelt?

Liebchen: Zunächst gar nicht. Als Stefan Kämmerling ankündigte, dieses Amt niederzulegen, kam eine Personalfindungsrunde zusammen. Zwei Ortsvereine haben mich dann als Kandidaten vorgeschlagen. Nach einer kurzen Bedenkzeit habe ich dann zugestimmt.

Können Sie die Beweggründe des Rückzugs von Stefan Kämmerling nachvollziehen?

Liebchen: Ich arbeite ja mit ihm eng zusammen und kenne deswegen die zeitlichen Probleme, die dadurch entstanden sind, dass Stefan Kämmerling nicht nur Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter ist, sondern auch andere Funktionen in der Partei übernimmt. Immer häufiger kam es zu Terminüberschneidungen. Da ist ist es nur konsequent, wenn man dann sagt, ich gebe etwas in andere Hände, wenn die Zeit nicht mehr reicht.

Sie sprechen die Zusammenarbeit an: Sie sind in seinem Büro angestellt. Kommt es da nicht zwangsläufig zu Interessenskonflikten?

Liebchen: Die sehe ich nicht. Wir kennen uns seit vielen Jahren und arbeiten vertrauensvoll miteinander. Die Konstellation kann ein Vorteil sein, weil ich auch durch meine berufliche Tätigkeit viele Handlungsträger kenne.

Dennoch könnte jemand auf die Idee kommen, den klassischen Klüngel dahinter zu sehen…

Liebchen: Das ist noch nicht bis zu mir vorgedrungen. Ich sehe das aber auch nicht so. Selbst Oppositionspolitiker haben mir zu meiner Wahl gratuliert.

Sie haben über 90 Prozent der Stimmen erreicht – sind Sie damit zufrieden?

Liebchen: Ich habe schon mit Gegenstimmen gerechnet. Die SPD hat in Eschweiler immerhin 700 Mitglieder. Dass es dann ein so klares Votum war, hat mich natürlich gefreut.

Wo wollen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit setzen?

Liebchen: Es gab in der Vergangenheit immer die Phalanx Partei-Fraktion-Bürgermeister. Diese Verbindung will ich stärken, denn dieser Schulterschluss ist wichtig. Von der Arbeit in den Ortsvereinen profitiert die Ratsfraktion. Zudem möchte ich die Dialogkampagnen fortsetzen und die Bürger immer wieder bei bestimmten Themen mit ins Boot holen.

In Ihrer Zeit fallen die nächste Bundestags- und Landtagswahl, wo die Trends im Moment nicht für die SPD sprechen. Haben Sie nicht die Sorge, als Stadtverbandschef Niederlagen verkünden zu müssen?

Liebchen: Die SPD hat in den Wahlen immer über dem Trend gelegen. Unser Ziel muss es sein, die Ergebnisse der vergangenen Wahlen zu wiederholen und zu verbessern. Ich bin optimistisch, dass dies klappt, denn die Voraussetzungen können für uns in Eschweiler besser nicht sein.

Was macht Sie da so zuversichtlich?

Liebchen: In den Ortsvereinen wird gute Arbeit geleistet. Man sieht das zum Beispiel bei den Ortsbegehungen, bei denen Bürger uns ihre Probleme schildern. Auch wenn dieser Satz nicht von mir stammt: So machen wir Betroffene zu Beteiligten. Dies ist Grundlage der Politik.

Sorgen Sie sich angesichts der jüngsten Ereignisse, dass es zu einem Rechtsruck auch in Eschweiler kommt?

Liebchen: Ich habe immer gesagt, dass auch in Eschweiler manche unterschwellig Vorurteile gegen Menschen anderer Herkunft haben. Auch in der Zeit, als in Stolberg die NPD Kundgebungen veranstaltete. Man sollte nicht so naiv sein zu denken, dass es dies in Eschweiler nicht gibt.

Wie wollen Sie dem begegnen?

Liebchen: Wir müssen auf die Straße gehen und Aufklärung leisten. Man muss die Rechtspopulisten in die Diskussionsrunden ziehen und ihre Argumente entlarven. Wozu das führt, hat man ja jetzt gesehen: Herr Gauland hat gezeigt, dass er kein Rechtskonservativer, sondern ein Rassist ist. Wir müssen uns mit den Parolen auseinandersetzen.

Dies hat Ihre Partei nicht immer so gesehen. War es ein Fehler, die AfD anfangs zu ignorieren?

Liebchen: Ja, ich sehe das als Fehler an. Aber vielleicht hat man gewartet, bis man einen Lösungsvorschlag in der Flüchtlingspolitik anbieten kann.

Sehen Sie es als problematisch an, dass sich Jugendliche weniger in Parteien engagieren?

Liebchen: Junge Menschen sind nicht unpolitisch, aber sie engagieren sich immer bei bestimmten Projekten, zu bestimmten Anlässen. Das Verbindliche einer Partei scheuen einige. Sicherlich hängt Parteien das Klischee an, etwas angestaubt zu sein. Dies mag manchmal auch in meiner Partei zutreffen.

Wie wollen Sie denn junge Leute gewinnen?

Liebchen: Wir haben schon eine aktive Juso-Gruppe in Eschweiler. Es ist aber selten so, dass sich junge Leute einfach bei uns anmelden, sondern dass wir sie gezielt ansprechen, wenn wir spüren, das könnte passen. Wir haben einige Beispiele in unseren Reihen, wo dies zum Erfolg geführt hat.

Wollen Sie irgendwann einmal Nachfolger von Bürgermeister Rudi Bertram werden?

Liebchen: Das wurde ich unmittelbar nach meiner Wahl zum Stadtverbandsvorsitzenden mehrmals gefragt. Ich schiele aber nicht auf solche Ämter. Nein, diesen Job möchte ich nicht machen.

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