Eschweiler - Ohne Brille geht im Kraftwerk nichts mehr

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Ohne Brille geht im Kraftwerk nichts mehr

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
Sicherheitsschuhe sind Pflicht
Sicherheitsschuhe sind Pflicht, auch für Besuchergruppen wie diese: Wer das Kraftwerk betreten will, muss zudem einen Helm und eine Schutzbrille tragen. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Manchmal gleichen die Kesselhäuser des Weisweiler Kraftwerks einem Bienenstock. Bei Revisionen tummeln sich dort hunderte Arbeiter. Doch für alle gelten die gleichen Bestimmungen: Sie müssen Schutzhelm sowie Sicherheitsschuhe tragen. Seit dem 1. Januar ist auch eine Brille Pflicht.

Bei der Arbeitssicherheit geht die RWE Power AG kein Risiko ein, um die Mitarbeiter zu schützen. Aber auch aus Imagepflege, denn Unfälle schaden dem Ruf des Unternehmens.

Test am Terminal

In Weisweiler herrschen strikte Vorschriften, was die Sicherheitsaspekte betrifft. Auch Partnerfirmen müssen sie einhalten und dürfen ihre Angestellten erst dann aufs Gelände schicken, wenn ein Test im Info-Center am Kraftwerkseingang bestanden wurde. Dieser gilt dann für ein Jahr. Acht Terminals stehen dort bereit. Scheitert jemand zwei Mal, dann muss er sich einen Tag gedulden. Aufs Gelände darf er in jedem Fall nicht, denn das Kraftwerk hat ein hohes Ziel: „Wir wollen die Unfallrate unter vier Vorfälle in einer Million Arbeitsstunden drücken”, sagt Sicherheitsingenieur Marc Zewe. Diese Zahl zu erreichen, ist nicht so einfach, denn im Schnitt werden bei zwei Revisionen im Jahr 2,5 Millionen Arbeitsstunden am Weisweiler Standort absolviert. Dies bedeutet, maximal zehn Unfälle im Jahr sind das Ziel.

Aktuell liegt die Quote knapp unter fünf. In der vorigen Woche gab es einen Unfall, jemand hatte sich einen Finger eingequetscht, der dabei gebrochen. Nichts gravierendes, aber eben schlecht für die Statistik. Nach einem solchen Vorfall hält Marc Zewe ein Sicherheitsgespräch mit den Betroffenen, um die Ursachen zu erforschen. „In über 90 Prozent ist Fehlverhalten die Ursache eines Unfalls”, verweist er auf internationale Berichte. Darum werden die eigenen Mitarbeiter regelmäßig geschult. Und kontrolliert: Leitende RWE-Angestellte müssen Sicherheitsbegehungen absolvieren. Dabei werden Mängel protokolliert und bei besonderen Vergehen auch bestraft. Wer sich nämlich nicht an die Regeln hält, kann auch des Kraftwerks verwiesen werden. „Einmal mussten wir eine Partnerfirma ausschließen.” Ihre Mitarbeiter waren häufig negativ aufgefallen.

Was für die Angestellten gilt, ist erst recht für Besuchergruppen Pflicht. Sie können den vorgegebenen Besuchsweg nur mit Helm, Brille, Hörschutz und Sicherheitsschuhen abschreiten. Insgesamt 200 000 Euro investierte das Unternehmen in die PSA-Anlagen. PSA steht für „Persönliche Schutz-Ausrüstung”.

Den Sicherheitsbestimmungen ausweichen kann niemand. Gelbe Piktogramme auf dem Boden markieren, ab wann die gesamte Ausrüstung zu tragen ist. Natürlich gelten auch spezielle Vorschriften, so muss man sich selbstverständlich gesondert absichern, wenn man in großer Höhe arbeitet. Dennoch fallen auch dort Arbeiter auf, weil sie etwas nicht beachten. „Meistens wissen die Angesprochenen sofort, was sie vergessen haben”, so Zewe. Kontrolle ist auch hier besser, wenn das Kraftwerk sicherer werden soll.

Alte Hasen und ganz Junge besonders gefährdet

Seit den 70er Jahren habe sich die Arbeitssicherheit stetig verbessert, ist Ingenieur Marc Zewe überzeugt. Sämtliche Arbeitsabläufe werden im Kraftwerk untersucht, um Unfälle zu vermeiden.

Ganz ausschließen kann man sie jedoch nicht. „Zwei Gruppen sind besonders gefährdet”, so Zewe, „die alten Hasen und die Jungen.” Erstere seien in der Routine so gefangen, dass sie Gefahren unterschätzen. Zweitere würden die Unfallpotenziale noch nicht kennen.

Schwerere Unfälle habe es in Weisweiler seit längerem zum Glück nicht mehr gegeben, so Zewe. Im Jahr 2010 gab es in sämtlichen RWE-Kraftwerken keinen einzigen tödlichen Vorfall. In diesem Jahr musste ein Mitarbeiter sein Leben bei einem Arbeitsunfall lassen.
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