Ömmesönz-Laden: Gebraucht, aber eben nicht verbraucht

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
12979166.jpg
Die Leiterin der Abfallberatung, Regina Brück, und der Abteolungsleiter Kundenservice, Hermann-Josef Ostlender, schauen sich das Angebot im Ömmesönz-Laden am Langwahn an, der von den beiden Abfallberaterinnen Heike Stiller und Nicoll Parthey in den vergangenen Tagen liebevoll gestaltet wurde. Foto: Patrick Nowicki
Aufmacher B3
Die Leiterin der Abfallberatung, Regina Brück, und der Abteilungsleiter Kundenservice, Hermann-Josef Ostlender, schauen sich das Angebot im Ömmesönz-Laden am Langwahn an, der von den beiden Abfallberaterinnen Heike Stiller und Nicoll Parthey in den vergangenen Tagen liebevoll gestaltet wurde. Foto: Patrick Nowicki
12979171.jpg
Am Mittwoch öffnet Carola Hübbers den Ömmesönz-Laden zum ersten Mal offiziell. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Altes Spielzeug, der ausrangierte Kassettenrekorder, die dekorative Vase aus der Vorsaison, der ausgelesene Roman und die nie mehr gehörte CD – vieles landet in der Mülltonne, obwohl es durchaus Menschen gibt, die daran noch Freude haben.

Die AWA (Abfallwirtschaft Stadt und Kreis Aachen) und die Awo (Arbeiterwohlfahrt) sagen der Wegwerfmentalität nun mit einem besonderen Projekt den Kampf an: Der Ömmesönz-Laden (Mundart: „ömmesönz“ bedeutet „umsonst“) am Langwahn. Dort kann man seit Freitag an zwei Tagen in der Woche nicht nur maximal drei Dinge zum Nulltarif mitnehmen, sondern auch so manches „Schätzchen“ spenden, was andere noch nutzen können, man selbst aber nicht mehr benötigt.

Vor allem in Großstädten bestehen bereits zahlreiche dieser „Reused“-Initiativen, in der Städteregion ist sie einmalig. Das Motto lautet: Weitergeben statt wegwerfen, weiternutzen statt neu kaufen. Eine ähnliche Tauschbörse befand sich bereits in der „Wunderkiste“ am Talbahnhof. Die traurige Geschichte ist bekannt: Das Holzhaus, in dem man zum Nulltarif Sachen ablegen und nehmen konnte, brannte mehrmals ab.

Am Ende mussten sich Helfer sogar beschimpfen lassen. Die AWA zog die Reißleine, ohne allerdings die Überzeugung zu verlieren, dass eine solche Tauschgelegenheit in Eschweiler funktionieren kann. Vor allem dem Geschäftsführer der AWA, Ulrich Koch, ist dies eine Herzensangelegenheit.

Für mindestens ein Jahr

Am Langwahn wurden AWA und Awo fündig: In Haus Nummer 86 befindet sich nun für mindestens ein Jahr der Ömmesönz-Laden. Betrieben wird er von ehrenamtlichen Helfern. Donna Mochalowa und Carola Hübbers öffnen mittwochs von 9 bis 12 Uhr und freitags von 15 bis 18 Uhr die Türen. Wer etwas abgeben möchte, dem rät Regina Brück, Leiterin der AWA-Abfallberatung, bei offenen Fragen vorher anzurufen, schließlich gelten klare Regeln.

Vor allem sollte man zum Hörer greifen, wenn man größere Mengen spenden möchte. „Wir wollen nicht in Konkurrenz zu anderen Angeboten treten“, sagt Brück. Lebensmittel sind deswegen ebenso tabu wie größere Möbelstücke und Bekleidung. Auch aus diesem Grund sitzt die Awo mit im Boot, denn sie unterhält in der Talstraße eine Möbel- und Kleiderkammer. Auf keinen Fall sollte man Dinge einfach vor die Tür stellen.

Hermann-Josef Ostlender, AWA-Abteilungsleiter Kundenservice, nennt den Ömmesönz-Laden ein Pilotprojekt. Man wolle schauen, wie und ob es funktioniert. Entscheidend wird vor allem sein, dass ständig neue Dinge im Laden abgegeben werden. Auch werden weitere Ehrenamtler gesucht, denn die Öffnungszeiten sollen erweitert werden. „Dies ist allerdings davon abhängig, ob sich Menschen bereiterklären, uns bei dem Vorhaben zu unterstützen“, sagt Regina Brück. Ihr ist wichtig, dass sich das Angebot nicht ausschließlich an Bedürftige richtet. Im Zentrum stehen die Müllvermeidung und das Schonen der Ressourcen – und diese seien für alle Menschen wichtig. Nach wie vor ist das Müllaufkommen in der Stadt Eschweiler sehr hoch.

Der Laden am Langwahn soll darüber hinaus zum Treffpunkt werden, denn zahlreiche andere Projekte wollen AWA und Awo dort umsetzen. Das „Repair-Café“ soll voraussichtlich im Oktober starten. An einem Samstag im Monat steht ein Fachmann bereit, um bei kleineren Reparaturen an defekten Elektrogeräten zu helfen. Auch dies soll verhindern, dass sie im Mülleimer landen. Darüber hinaus sollen in dem Ladenlokal, wo sich vor einigen Monaten noch ein Nagelstudio befand, Schulungen stattfinden. „Wir planen, Erzieherinnen einzuladen, um mit ihnen Wege an die Hand zu geben, Kindern früh die Mülltrennung und das Recycling nahe zu bringen“, sagt Regina Brück. Plastisches Beispiel, das bei Kindern sehr gut ankommt, ist die Wurmwerkstatt, die erklärt, wie aus Biomüll ein wertvoller Kompost entsteht.

Bei der Eröffnung am Freitag wies AWA-Geschäftsführer Ulrich Koch auf den sozialen Aspekt des Ömesönz-Ladens: „Wir müssen das kritisieren, aber es ist so, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht.“ Mit dem neuen Angebot wolle man also nicht nur die Abfallvermeidung anregen, sondern Menschen helfen. Sollte das Experiment in Eschweiler gelingen, so werde man die Idee auch in andere Städte tragen.

Der Awo-Kreisvorsitzende Hans-Peter Göbbels schlug in die gleiche Kerbe : „Wir erfahren das auch an anderer Stelle, dass es immer mehr Menschen gibt, die auf unser Möbellager, auf unsere Kleiderkammer und jetzt auch auf den Ömmesönz-Laden angewiesen sind.“ Dies mache das neue Angebot umso wertvoller. Zuvor hatten die beiden Abfallberaterinnen Heike Stiller und Nicoll Parthey den Ömesönz-Laden liebevoll gestaltet. Der offizielle Startschuss erfolgt am kommenden Mittwoch, denn dann öffnet der Laden zum ersten Mal seine Pforten. Carola Hübbers, die bisher für die Awo ehrenamtlich auch in der Kleiderkammer gearbeitet hat, freut sich schon auf die ersten Besucher.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert