Nur Frühschwimmer steigen bei miesem Wetter ins Becken

Von: Stefan Schaum
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Dann eben mit Schirm: Vom Rege
Dann eben mit Schirm: Vom Regenwetter lassen sich diese Senioren den Spaß am Frühschwimmen im Freibad jedenfalls nicht vermiesen. Foto: Stefan Schaum

Eschweiler. Die Frühschwimmer schauen nie zum Himmel hoch. Sie interessiert es nicht, ob da nun dunkle Wolken hängen oder ob die Sonne scheint. Meist sind es Rentner, die selbst bei strömendem Regen mit der Badetasche unterm Arm zum Freibad nach Dürwiß kommen.

Und es sind dieser Tage oft die einzigen, die sich überhaupt ins Becken wagen. „Der Sommer läuft für uns bislang eher mies”, sagt Schwimmmeistergesellin Patricia Bauer. Sie sitzt im kleinen Kontrollturm und schaut auf die paar, die dort unten ihre Bahnen ziehen. Und von draußen klatscht der Wind mal wieder den Regen gegen die Scheibe.

Sie nimmt einen Zettel mit vielen darauf gekritzelten Zahlen zur Hand. Seit Saisonstart am 14. Mai hat sie bis zum Donnerstag rund 6700 Besucher gezählt. „Das ist nicht viel”, sagt die 40-Jährige, die schon 22 Sommer in diesem Bad erlebt hat. Viele bessere waren darunter. Welche, in denen 140.000 Menschen kamen. Klar, es gab auch diesmal schon ein paar gute Tage. Pfingstmontag etwa, pralle Sonne, allein an diesem Tag waren es knapp 2000 Gäste. Und sonst? „An vielen Tagen sind es gerade mal 50 Schwimmer.”

Viele dieser Stammgäste kennt sie längst mit Namen. „Ist wie eine Familie”, sagt sie, „ich weiß genau, wer wohin in Urlaub fährt und welches Enkelkind bald heiratet.” Ist das Wetter mau, bleibt halt Zeit zum kleinen Plausch am Beckenrand. Wobei: Zu tun ist auch jetzt so einiges. All die Dinge, die im Hochbetrieb oft liegenbleiben müssen, werden bei Regen angepackt.

Dann ist die richtige Zeit, um zwischen den Platten Unkraut herauszuzupfen und emporgeschossene Hecken und Sträucher wieder in Form zu bringen. „Es ist ja nicht so, dass wir bei Regen einfach nur rumsitzen.” Das geht schon deshalb nicht, weil die Wasserqualität auch an den Tagen überprüft werden muss, wenn niemand im Becken ist. Drei Mal pro Tag werden der Chlorgehalt und andere Werte bestimmt. Alles wird notiert, Ordnung muss sein.

Für Langeweile sorgt der Regen beim Freibadpersonal also nicht. Für gute Laune aber auch nicht. „Sonnige Tage sind uns ganz klar lieber, auch wenn sie meist stressiger sind”, sagt Patricia Bauer. Wenn ein paar Hundert Schwimmer im Becken sind und die Schwimmmeister sehen, dass alle ihren Spaß haben: „Das freut uns dann auch.”

Bei Karl-Heinz Förster ist das genau anders herum. Er hat mehr Spaß, wenn weniger da sind. Der 66-Jährige bevorzugt für seinen morgendlichen Sport derzeit das Freibad, „denn im Hallenbad knubbelt es sich momentan richtig”. Hier draußen aber hat er Platz und Ruhe. „Ist ja auch nicht kalt”, sagt er, denn das Becken ist beheizt. Im Sportbecken sind es exakt 25,5 Grad Celsius, egal bei welchem Wetter. „Wenn man einmal drin ist, spielt der Regen doch keine Rolle mehr”, sagt Förster.

Es kostet allerdings mehr, das Wasser ständig auf Temperatur zu halten. Deshalb sind kühle, verregnete Sommer doppelt schlecht für die Freibadkasse - es kommen weniger Gäste und die Heizung muss die fehlende Sonne ersetzen. Patricia Bauer hofft, dass es bald aufwärts geht. „Kann ja nur besser werden”, sagt sie und macht, was sie täglich macht: Sie schaut sich im Internet den aktuellen Wettertrend an. „In der kommenden Woche soll es wärmer werden.” Sie hofft es. „Ist doch nix, wenn Sommerferien sind und die Schulkinder nicht ins Freibad kommen können.”
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