Eschweiler - „Null-Fehler“: Horst Schroth begeistert mit seinem Programm

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„Null-Fehler“: Horst Schroth begeistert mit seinem Programm

Von: jw
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Horst Schroth begeisterte mit seinem Programm „Null-Fehler“ den gefüllten Talbahnhof am Mittwochabend. Er regte die Zuschauer dazu an, mitzumachen, berichtete vom Lehrersein und erzählte dutzend andere Anekdoten. Foto: Jacqueline Winkler

Eschweiler. Ganz unauffällig kam ein Mann telefonierend in den Talbahnhof. Er redete schnell, war aufgeregt und schon fast außer sich. Außerdem redete der Mann im „Lehrerton“, so nannte er die etwas herablassende und strenge Art. Er stellte sich dem Publikum als Olaf Laux vor – Lehrer für Deutsch und Geschichte, Oberstudienrat und natürlich verbeamtet. Doch bevor er das tat, erklärte er zunächst seine Diskussion.

Laux telefonierte mit der Schulleiterin der Schule, an der er angestellt ist. Es ging um einen Vater, der in der Kantine Gummibärchen verteilt hatte und um eine besorgte „Helikoptermutter“, die sich über die muslimischen Mitschüler Sorgen macht, da in Gummibärchen Gelatine enthalten sei und somit ja auch Schweinefleisch. „Und ich soll‘s wieder rausreißen“, regte er sich vor dem komplett gefüllten Saal des Talbahnhofs auf.

Bevor die Show anfangen konnte, musste sich Olaf Laux erst einmal sortieren: Er war noch aufgebracht, da auf der Landstraße vor ihm einer rausgezogen und dabei nur „zwei km/h“ gefahren sei. Als er sich gesammelt hatte, stellte er sich vor und sprach Leute im Publikum an, die zufällig auch Lehrer waren – und ab da an Ansprechpartner und Teil der ganzen Show.

Olaf Laux hat schon vor 20 Jahren so einen Informationsabend veranstaltet und sein altes Thesenpapier von damals mitgebracht, um dieses dem Publikum vorzustellen und mit ihm darüber zu diskutieren. Er wollte das Thesenpapier eigentlich für das ganze Publikum kopiert haben, jedoch habe seine Kollegin Katja im Lehrerzimmer mal wieder den Kopierer kaputt gemacht. „Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause“, versuchte der Oberstudienrat das Publikum dann zum Schweigen zu bringen – bevor er das Thesenpapier vorlese, erwarte er absolute Ruhe: „Das geht alles von ihrer Zeit ab“, drohte er dem Publikum. Auf dem Papier standen zehn brisante Thesen, zum Beispiel: „Lehrer sind der letzte Arsch“, „Lehrer wissen alles besser und können nichts“, oder auch „Lehrer sind nicht therapierbar“. Nachdem er alle Punkte vorgelesen hatte, wollte er diese mit den Zuschauern systematisch besprechen.

Gemeine Lehrer-Witze

Olaf beschwerte sich darüber, dass Lehrer für alles verantwortlich gemacht werden und ganz unten an der gesellschaftlichen Leiter stehen. „Olaf, weißt du warum Lehrer kein AIDS haben?“ – „Weil sie keine Freunde haben!“ Mit diesen Witzen und anderen habe er jeden Tag zu kämpfen.

Immer wieder schweifte der enthusiastische Lehrer ab und erzählt zum Beispiel von seiner Frau, die er in einer Wohngemeinschaft kennengelernt habe, in der sie mit bis zu elf Leuten gewohnt hätten. „Rein, raus, rein, raus – das hatte nichts mehr mit katholischer Theologie zu tun“, witzelte er. Seine Frau habe früher immer seinen VW- Käfer geklaut, den sie dann mit einem leeren Tank und kaputt irgendwo hat stehen lassen. So musste er immer wieder neue Reparaturen veranlassen und bezahlen. Als er schon dreimal die Kupplung erneuern musste, habe seine Frau nur gesagt: „Was guckst du mich so an? Ich benutz‘ die gar nicht!“

Später hätten sie sich in Hamburg ein Reiheneckhaus gekauft. Mit dem jungen Paar, das bald nebenan einzog, hätten sie einige Schwierigkeiten gehabt. Sie waren freundlich, hilfsbereit, aber „laut, laut, laut, laut“, erinnert sich Herr Laux. „Musik laut, Fernsehen laut und Sex laut!“ Besonders der Sex sei so laut gewesen, dass man kaum habe schlafen können – außerdem hätten sie immer wieder das Bett gegen die Wand geschlagen. „Sonntagsnachmittag um 16 Uhr waren sie so dermaßen laut, dass ich schon Lust hatte auf eine Zigarette“, erzählte Olaf. „Und ich rauche noch nicht mal.“ Seine Frau und er hätten dann überlegt, wie sie dem Paar beibringen könnten, dass sie leiser sein sollen. Einen anonymen Brief zu schreiben hielten beide nicht für angebracht. Olaf kam dann nachts eine geniale Idee: Er öffnete seine WLAN-Einstellungen am Computer und änderte den Namen seines Netzwerkes in: „wirkönneneuchfickenhören“. Drei Tage später hörten sie nichts mehr von den Nachbarn und drei Wochen seien sie sogar ausgezogen. Olaf ließ den Namen trotzdem stehen – damit die neuen Nachbarn gleich Bescheid wüssten.

Olaf erzählte auch von seinen Schülern und davon, wie er den Unterricht gestaltet. Einmal machte er mit einer Klasse ein Rollenspiel zu dem Thema: „Wer wohnt in Hamburg?“ Die Schüler schlüpften in verschiedene Rollen mit verschiedenen Dialekten und starteten dann eine Diskussion. Diese eskalierte jedoch total, so dass später der Musikraum geputzt und renoviert werden musste.

Ernste Worte zum Abschluss

Olaf Laux begeisterte sein Publikum mit seiner lustigen, aber kritischen Art. Er brachte das Publikum zum Lachen und bezog immer wieder Lehrer und andere Zuschauer mit ein. Am Ende der Vorstellung richtete er noch ein paar ernstere Worte an das Publikum und erklärte, dass es heutzutage um die soziale und emotionale Intelligenz gehe. Außerdem müsse man auf Kinder eingehen und ihnen beibringen, Konflikte mit Worten zu lösen. „Ich will einer gewesen sein, an den sich die Schüler später gerne erinnern und bei dem sie auch etwas gelernt und mitgenommen haben“, sagte er. Bei diesen letzten Worten packt er seine Sachen e ein und wurde ein wenig sentimental: „Die Schule ist das Leben und bereitet nicht darauf vor.“

Für seinen Auftritt im Talbahnhof erntete Horst Schroth langen Applaus. Er hat mit seinem Programm „Null-Fehler“ und seinen leidenschaftlichen Erzählungen das Publikum in seinem Bann gerissen und unterhielt es über zwei Stunden. Mit seinen Anekdoten, der schnellen Redeweise und dem immer wiederkehrenden Abweichen vom eigentlichen Thema brachte er das Publikum zum Lachen und so war der Abend für alle ein voller Erfolg.

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