Nichtraucherschutzgesetz: Bei Verstoß drohen bis zu 2500 Euro Strafe

Von: Sonja Essers
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Hindernisse für Raucher: Wirte und Karnevalisten blicken gespannt auf die erste Session, in der das Nichtraucherschutzgesetz gilt. Foto: imago/Michael Westermann

Eschweiler. Ottmar Krauthausen ist in diesen Tagen alles andere als entspannt. Der Pächter der Weisweiler Festhalle blickt mit gemischten Gefühlen auf die anstehende Karnevalssession. Schließlich ist es die erste nach Inkrafttreten des neuen Nichtraucherschutzgesetzes.

Nicht nur Wirte, sondern auch Vereinsvertreter stehen dem Gesetz, das am 1. Mai in Nordrhein-Westfalen in Kraft getreten ist, skeptisch gegenüber. Schließlich weiß keiner, welche Auswirkungen dieses auf die bevorstehenden Veranstaltungen haben wird.

Keine Raucherpausen geplant

„Sorgen haben wir auf jeden Fall“, sagt Peter Zinner, 1. Vorsitzender der KG Onjekauchde Röhe. Mit gleich zwei Veranstaltungen startet der Verein in dieser Woche in die neue Session. Wie die Gäste mit dem Rauchverbot umgehen werden, bleibt offen. Raucherpausen will die KG jedoch nicht einplanen. Trotzdem sei man sich bewusst, dass es während der Veranstaltungen unruhig werden könne, da immer wieder Gäste den Raum verlassen.

Aber was ist zu tun, wenn jemand gegen das Rauchverbot verstößt? „Eine Karnevalsveranstaltung ist keine Kinderkommunion. Dort wird schon das eine oder andere getrunken“, sagt Ottmar Krauthausen. Am Samstag erwartet er rund 800 Besucher, alle im Blick zu behalten, sei so gut wie unmöglich. Zwar weisen Verbotsschilder überall in der Halle auf das Gesetz hin, was jedoch in den Umkleiden und Toiletten passiere, könne nicht überblickt werden, sagt er. „Wenn sich dort jemand eine Zigarette anmacht, dann bekomme ich das doch gar nicht mit.“ Auch Zinner hat diesbezüglich Bedenken. „Wenn eine Gruppe, die alkoholisiert ist, beginnt zu rauchen, gehe ich dann in Uniform dorthin und fange an mich mit ihnen rumzuzanken? Kann das Gesetz das von mir verlangen?“

Ordnungsamtsleiter Edmund Müller hat zwar keine Befürchtungen, dass im großen Stil gegen das Gesetz verstoßen wird, wenn jedoch Hinweise eingehen, werde man nicht erst verwarnen, sondern sofort ein Bußgeldverfahren einleiten. Und das kann richtig teuer werden – sowohl für den Wirt, als auch für den Gast. Die Strafen für die Gastronomen können sich auf bis zu 2500 Euro belaufen. Der Raucher selbst muss mit etwa 100 Euro Strafe rechnen.

Damit sich seine Gäste die Zigarette trotzdem schmecken lassen können, hat Krauthausen so einiges auf sich genommen. Ein Zelt vor der Festhalle soll die Raucher vor eventueller Kälte und Regen schützen. Zudem bleibe so die Treppe vor der Halle frei, da diese als Fluchtweg diene und nicht belegt sein dürfe. Außerdem hat Krauthausen einen Sicherheitsdienst bestellt, der darauf achtet, dass die Gäste keine Gläser mit nach draußen nehmen. Damit trotzdem weiter getrunken werden kann, stehen den Besuchern vor der Halle Pappbecher zur Verfügung, in die sie ihre Getränke umfüllen können. Trotz guter Vorbereitung hat der Gastronom gemischte Gefühle. „Bei solchen Veranstaltungen muss ich damit rechnen, dass bis zu 200 Menschen vor der Türe stehen.“ Ärger mit der Nachbarschaft habe es bisher zwar noch nicht gegeben, doch ob die das mitmachen werden, sei eine andere Frage, meint er.

„Alles halb so wild“

„Alles halb so wild“, sagt Dieter Woche, Bezirksbundesmeister der Schützen. Die verschiedenen Schützenbruderschaften mussten sich als erste dem Gesetz beugen und stellten fest, dass es ohne weiteres klappte. „Auch wir haben uns am Anfang viele Gedanken darüber gemacht, aber es gab keine Probleme“, sagt Woche und fügt hinzu: „Wenn wir es geschafft haben, dann werden die Karnevalsvereine es auch hinbekommen.“ Das klingt erstmal positiv, doch auch die Veranstaltungen der Schützen hatten einen bitteren Beigeschmack: Die Besucherzahlen sanken im Schnitt um 10 bis 20 Prozent. Ob dies ausschließlich am Nichtraucherschutzgesetz lag, ist schwer zu sagen. Dass es jedoch Schützen gab, die auf Grund des Gesetzes fernblieben, ist sicher.

Von unbegründeter Panik hält Komitee-Präsident Norbert Weiland nichts. „Wir müssen einfach abwarten, denn wir können sowieso nichts dagegen tun“, sagt er und ergänzt: „Man muss versuchen, mit den Programmpunkten zu überzeugen.“ Doch auch hier hat Krauthausen, der nicht nur Pächter der Weisweiler Festhalle, sondern auch Ehrenvorsitzender der KG Lätitia Blauen Funken Weisweiler ist, Bedenken. Schließlich solle das Rauchverbot nicht dazu führen, dass der Saal bei bekannten Gruppen voll sei, jedoch leerer werde, sobald eigene Kräfte auf die Bühne kommen.

Das befürchtet Franz-Josef Dittrich, Vorsitzender der KG Blaue Funken Artillerie Eschweiler. „Je nachdem, was man für eine Auftrittsnummer hat, wird der eine oder andere den Saal verlassen.“ Eine Auffassung, die auch von Michael Henkel unterstützt wird. Mit Guido Streußer tritt er in der Karnevalssession als „Labbes und Drickes“ auf. Er ist sich sicher: „Gerade für Redner kann das Rauchverbot problematisch werden, und als junger Redner hat man es dann umso schwerer sich durchzusetzen.“ Doch er gewinnt dem Gesetz auch etwas Positives ab. „Man kann das Rauchverbot zu seinem Vorteil nutzen, schließlich sieht man jetzt wieder von der Bühne aus, wer in den Saal kommt.“

Zudem sei die Luft im Saal viel besser, sodass nicht nur das Reden, sondern auch das Singen um einiges einfacher sei, sagt Günter Secker von der Mundartgruppe „Kröetsch“. „Ich glaube, dass es sich ins Positive wandelt. Die Raucher halten sich zurück und gucken sich lieber das Programm an.“

Für diese Einstellung könnte noch ein weiterer Punkt sprechen. Schließlich habe man dafür auch bezahlt und wenn man rausgehe, verpasse man das, wofür man bezahlt hat, meint Zinner. Franz-Josef Dittrich will sich überraschen lassen: „Vielleicht geht es besser als man denkt, aber es geht auf jeden Fall auf Kosten der Gemütlichkeit.“

Etwas bitteres Resümee

Ein etwas bitteres Resümee zieht Ottmar Krauthausen. Schließlich entstehen für ihn durch den Aufbau des Zeltes und die Security zusätzliche Kosten, die er mit dem Verkauf von Getränken decken muss. „Das Rauchverbot kostet die Wirte richtig Geld. An den ersten 600 bis 700 Bier, die ich am Samstag verkaufe, verdiene ich nichts.“ Und diese Mehrkosten auf den Getränkepreis aufschlagen, will Ottmar Krauthausen auch nicht. Beschwerden von der anderen Seite wären ihm dann gewiss.

Mehr Aufwand ist es übrigens auch für die Mitarbeiter an der Garderobe, die immer wieder Jacken und Mäntel ausgeben und in Empfang nehmen müssen – ohne dafür mehrmals zu kassieren.

Eine Lösung präsentiert Norbert Weiland noch: mit dem Rauchen aufhören. Ob es jedoch wirklich für viele Karnevalisten „Bye bye my Love“ heißt, bleibt abzuwarten.

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