Eschweiler/Stolberg - Neun Senioren ziehen in eine neue Wohngemeinschaft

Neun Senioren ziehen in eine neue Wohngemeinschaft

Von: Jessica Küppers
Letzte Aktualisierung:
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Monika Boden-Marin hat ein WG-Konzept als Alternative zum Altenheim für Senioren in Eschweiler entwickelt. Foto: Jessica Küppers

Eschweiler/Stolberg. Einen Putzplan gibt es nicht, aber sonst ist in der Senioren-WG alles so wie in jeder anderen Wohngemeinschaft auch. Es gibt ab und zu mal Knatsch, weil jemand die ganzen Weihnachtsleckereien aufgegessen hat oder zu laut Musik hört.

Nur eben mit Fachkräften, die Aufgaben wie Waschen, Kochen und Pflegen übernehmen.

Monika Boden-Marin ist selbst gelernte Altenpflegerin und hat dieses Konzept als Alternative zum Altenheim entwickelt. Mittlerweile hat sie vier solcher WGs. Mit einer Wohngemeinschaft zieht sie bald von Stolberg nach Eschweiler in die Eduard-Mörike-Straße. Insgesamt elf Patienten sollen ab dem 17. Dezember in ihre neuen WG-Zimmer einziehen. „Wir wollten unbedingt vor Weihnachten hier sein“, sagt sie. Bis dahin ist aber noch viel zu tun.

Die Küche ist noch nicht fertig, die Türen sind noch nicht montiert und in einigen Zimmern fehlt noch Farbe an der Wand. „Das machen viele Verwandte selbst“, erzählt die Altenpflegerin. Jedes Zimmer bekommt so eine persönliche Note und darf auch mit den eigenen Möbeln eingerichtet werden. Die jüngste Bewohnerin, eine 52-jährige Frau, hat ihr Zimmer blau gestrichen. „Wie ihre Augen“, sagt Boden-Marin lächelnd. In der neuen WG sollen sich die Patienten wie zu Hause fühlen.

Eine von ihnen ist Seniorin Klasina Catharina Kerkhoven. Sie hat bereits sechs Jahre WG-Erfahrung mit acht anderen Rentnern und packt schon fleißig Kisten. „Ich sortiere Fotos aus, die ich nicht mehr haben will“, erklärt sie. Drei fertige Umzugskartons stehen schon bereit. Auch ihren Holztisch, die Schränke und vier Stühle will sie in das neue Zuhause mitnehmen. Ihr altes Zimmer wird sie nicht besonders vermissen: „Das Wohnen hier ist nichts“, sagt sie. Das liege auch daran, dass die Wände feucht sind und ihr die Gegend in Stolberg nicht so gut gefällt. Ob sie sich auf den Umzug freut? „Mal abwarten, ich habe das Zimmer noch nicht gesehen“, sagt sie. Ihre Tochter habe ihr neues Zimmer ausgesucht und gestrichen.

So geht es vielen Patienten. Um trotzdem möglichst viele Wünsche der WG-Bewohner bei der Gestaltung berücksichtigen zu können, haben die Pfleger im Vorfeld gemeinsam mit den Bewohnern überlegt, wie das neue Zuhause aussehen könnte. So wurde beispielsweise für jeden Patienten ein eigenes Waschbecken im Zimmer eingebaut und eine Raucherecke im großen Garten eingerichtet. Auch der grüne Anstrich des Hauses ist kein Zufall. Dadurch sollen die Senioren leichter zurückfinden, wenn sie die Nachbarschaft erkunden. Über die Nähe zur benachbarten katholischen Grundschule freut sich eine Patientin besonders. „Sie hat sich extra ein Zimmer Richtung Schule ausgesucht“, sagt Boden-Marin. In Zukunft plant sie auch eine Kooperation, damit „Jung und Alt zusammen kommen und die Hemmschwelle sinkt“.

Mittelpunkt soll – wie in den meisten WGs – die Küche werden. Dort kommen alle zusammen. „Viele kennen das noch von früher, dass in der Küche immer was los ist“, erzählt die Altenpflegerin. Wer möchte, darf zum Beispiel Kartoffeln für das Mittagessen schälen oder beim Zusammenlegen der Wäsche helfen. Wer sich nicht mehr so gut bewegen kann, darf sich dazusetzen und einfach nur zuschauen. Damit das möglich ist, haben die Initiatoren des Projektes bei der Planung darauf geachtet, dass die Gemeinschaftsküche der WG groß genug für alle Senioren ist. Außerdem rieche es da immer gut und man sei nicht alleine, sagt Boden-Marin.

Das macht sich auch in Notsituationen bemerkbar. „Letztens ist eine Patienten gestürzt“, erzählt sie. Eine Seniorin im Nachbarzimmer hörte ihr Rufen, hat eine Decke über sie gelegt und mit ihr gewartet, bis eine Pflegekraft kam, um sie wieder hochzuheben. Gerade diese Gemeinschaft unterscheide eine Wohngemeinschaft von einem Zimmer im Altenheim, sagt sie nicht ohne Stolz.

Und wer so zusammenhält, kann auch kleine Kabbeleien im Alltag leichter ertragen. „Alle sind froh, dass man sich hat“, sagt Boden-Marin. Wie in einer richtigen Familie eben.

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