Neun neue Proberäume für Bands an der Schnellengasse

Von: Rudolf Müller
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Kneipenschilder in der Schnellengasse. Drei neue sind in den vergangenen Monaten hinzugekommen. Demnächst soll auch das des früheren Glory‘s wieder dazuzählen. Foto: Rudolf Müller
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In der einstigen Disco sind nur noch Restarbeiten zu erledigen. Foto: Rudolf Müller
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Und auch der einst beliebte Pflaumenbaum wartet auf seine Wiedereröffnung. In den Obergeschossen entstehen zurzeit Apartments und Büros. Foto: Rudolf Müller
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Im Keller und im Erdgeschoss sind bereits neun Band-Probenräume entstanden. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Eine leichte Geburt war es nicht. Immerhin hat‘s über zwei Jahre gedauert, bis Max Kriegers jüngstes „Kind“ das Licht der Welt erblickte. Zwei Jahre, „in denen meine Aufgaben als Kulturmanager selbstverständlich immer Vorrang hatten vor diesem Projekt“, betont Krieger. Jetzt ist es endlich soweit.

An der Schnellengasse hat Krieger neun bestens ausgestattete Proberäume für Bands der quicklebendigen Eschweiler Musikszene geschaffen.

Wo heute Musiker in die Saiten greifen und auf Trommelfelle hauen, ohne dass Nachbarn tinnitusgefährdet sind, da war einst der Keller des Hotels St. Peter, in dem sich noch in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mehr oder minder florierende Jazzkneipen befanden. Im Erdgeschoss lockte Rudi Drehsens Discothek „Glory‘s“ samt überdachtem Garten, Palm Beach Café und Glory‘s Café, später Pflaumenbaum, Publikum aus einem Umkreis von 50 und mehr Kilometern nach Eschweiler.

Beste Akustik

Sieben Probenräume hat Krieger im Keller entstehen lassen, zwei weitere im Erdgeschoss. Alle mit Ausgang auf einen eigenen Parkplatz an der Grabenstraße, alle von Akustikexperten konzipiert und so isoliert, dass auch mehrere Bands samt Bläsergruppen gleichzeitig ihre Anlagen hochfahren können, ohne sich gegenseitig akustisch ins Gehege zu kommen.

Vier der Räume – alle zwischen 15 und 25 Quadratmeter groß - sind bereits vermietet: an Chain of Fools, Saturday Night Fish Fry, Last Child Waiting und Animal Brothers. Krieger ist sich sicher, dass auch die übrigen Räume bald Nutzer finden. „Interessenten gab es schon genug, nur sind die wegen Verzögerungen beim Ausbau wieder abgesprungen“, sagt der Kulturmanager, der den Umbau der einstigen Top-Disco als Teil des seit Jahren verfolgten Gesamtprojekts „Wiederbelebung Schnellengasse“ sieht. „Früher hat der Marktplatz von der Schnellengasse profitiert – warum soll der Funke jetzt nicht einmal in umgekehrter Richtung überspringen?“

Konzerte und Tanzkurse

Restaurants rund um den Markt – davon gibt‘s immer mehr. Kneipen und Veranstaltungsräume in der Schnellengasse – daran wird gearbeitet. Mit einigem Erfolg: Den Umzug des Schneckes von der Grabenstraße ins frühere Anno Tobac am Kopf der Gasse sieht Krieger als wertvolle Entwicklung. Ebenso wie die (Wieder-) Eröffnung von Gaststätten, teils unter neuem Namen: Chaplin, Paletto, Don Pancho. Das einstige Glory‘s soll sich in wenigen Wochen dazugesellen: als Multifunktionsraum, in dem Veranstaltungen wie Blues meets Rock und das Eupener Gegenstück Spirit of 66 ebenso ihren Platz haben wie Tanzkurse für die reiferen Generationen und Partys an den Wochenenden. „Wenn alles klappt, können dort zum Eschweiler Music Festival schon die Aftershowparty mit Albert Hammond und Konzerte der Kneipenrallye stattfinden“, hofft Krieger auf einen Probelauf Mitte August. Bis auf einige Äußerlichkeiten ist die Multifunktionsdisco fertig.

Drei mögliche Betreiber hat er auch schon an der Hand, sagt Krieger, nachdem der urprünglich „ausgeguckte“ Gastronom aus familiären Gründen absagen musste. „Aber mit der Wahl des Richtigen lasse ich mir Zeit. Da müssen Ideen entwickelt und Konzepte abgestimmt werden.“ Vor allem Krieger Wert darauf, dass auch der frühere Glory‘s-Betreiber Rudi Drehsen in die Planung einzelner Partys beratend einbezogen werde – „um ein wenig Flair aus der Glanzzeit des Glory‘s in die Jetztzeit herüberzuretten“.

Auch in den Obergeschossen des einstigen Hotels St. Peter regieren derzeit die Handwerker: Hier entstehen Büros und Apartments. Und bis Ende des Jahres, so hofft Max Krieger, könnte auch der frühere „Pflaumenbaum“ im Erdgeschoss neu konzessioniert werden. „Aber das gehe ich ganz ruhig an“, sagt der Kulturmanager, der seine Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der Schnellengasse nicht zuletzt an die bevorstehende Sanierung der nördlichen Innenstadt knüpft. Eine neu gestaltete Dürener Straße auf der einen und ein aufgefrischter Marktplatz mit einer attraktiven Treppenanlage auf der anderen Seite – warum soll da nicht auch die Gasse von profitieren?

Gemeinsame Jazz-Rallye

„Ich hoffe, von den umfangreichen Arbeiten am früheren Glory‘s und den neuen Möglichkeiten, die das Haus künftig bietet, geht eine Initialzündung für die gesamte Gasse aus“, betont Krieger. Und weil er weiß, dass Gemeinsamkeit stark macht, hat er auch schon Visionen von gemeinsamen Aktionen der Gassenwirte: „Warum im Sommer oder Herbst nicht ein Jazz-Festival veranstalten? Die ,Jazz-Rallye Schnellengasse‘! Mit einer Band in jeder Kneipe und der ganzen Schnellengasse voller Live-Musik! Wenn in der Gasse alle am selben Strang zögen, könnten wir zum Beispiel regelmäßig die ,Jazz- Rallye Schnellengasse‘ mit renommierten Live-Bands in allen Kneipen zu einem Markenzeichen machen.“

Es sei kein Problem, sagt der rührige Kulturmanager, dazu auch bekannte Größen der Jazzszene hierher zu holen. Und dafür sogar Zuschüsse zu erhalten. Entsprechende Kontakte hat Max Krieger mehr als genug.

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