Neujahrsempfang: Perlen des Alltags überstrahlen die Sorgen

Von: Andreas Röchter
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Zahlreiche Gäste aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen folgten der Einladung zum Neujahrsempfang des Hauses St. Josef. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Resonanz war groß! Zahlreiche Gäste, darunter Vertreter der Politik, der Wirtschaft sowie der Jugendämter der Städteregion Aachen und darüber hinaus, nahmen die Einladung zum Neujahrsempfang des Hauses St. Josef für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe an, der ausnahmsweise nicht in der Einrichtung selbst, sondern im Jugendzentrum St. Peter und Paul stattfand. „Dies zeigt, mit wie vielen Partnern wir inzwischen auf den unterschiedlichsten Ebenen zusammenarbeiten“, betonte Wolfgang Gerhards, Leiter des Hauses St. Josef.

Vor dessen Ausführungen hatte Manfred Esser als Vertreter des Einrichtungsträgers, der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, die Gäste begrüßt und dabei einen Blick in die fernere Vergangenheit geworfen. „Viele können sich wohl nicht mehr vorstellen, wie es kurz nach dem Krieg im Haus St. Josef aussah.“ Vor allem die Versorgung mit dem Nötigsten habe im Vordergrund gestanden.

„Die Arbeit unter diesen Voraussetzungen ist mit der heutigen in keinster Weise zu vergleichen“, stellte er fest. Neue Konzepte und veränderte Perspektiven stünden heute im Vordergrund. „Die Verantwortlichen des Trägers seien bereit, die neuen Wege mitzugehen. „Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen, die im Haus St. Josef betreut werden, ausreichend Kraft mitzugeben, ihr Leben eigenverantwortlich zu meistern.“

Vor einem sehr persönlichen Rückblick auf das Jahr 2012 benannte Wolfgang Gerhards einige „Meilensteine“ der zurückliegenden Monate: Die Gründung einer Gruppe für Kinder im Alter von zwei bis sieben Jahren, das Festhalten an der Notschlafstelle, trotz unregelmäßiger Auslastung sowie die Entstehung eines von den Mitgliedern des Jugendparlaments entworfenen Kalenders.

„Persönlich musste ich zwischenzeitlich feststellen, dass innerhalb meiner Tätigkeit im Spannungsfeld zwischen Pädagogik und Finanzen das Pendel immer mehr in Richtung Wirtschaftlichkeit ausschlägt.“ Sich von diesen negativen Gedanken zu lösen, sei schwierig.

Doch es helfe, sich gerade an kleinen Dingen, die zu Perlen des Alltags werden könnten, zu orientieren. „Wir haben es immer häufiger mit sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu tun. Einer dieser Flüchtlinge, der aus der Elfenbeinküste stammt, hat während eines Berufspraktikums einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass er bereits jetzt einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechatroniker sicher hat.

Auch andere Bewohner stehen in Ausbildungen, Ehemalige haben eigene Wohnungen bezogen, stehen auf eigenen Füßen. So hat uns ein ehemaliger Bewohner vor einigen Monaten verlassen, um in Heidelberg zu studieren. Diese Perlen des Alltags müssen gesucht werden. Aber wenn man sie gefunden hat, strahlen sie und unterstreichen, dass die Erziehungshilfe ihre Wirkung zeigt“, unterstrich der Einrichtungsleiter.

An diese Aussage knüpfte der Erziehungswissenschaftler Dr. Klaus Esser, Autor des Buches „Was wirkt in der Erziehungshilfe? Wirkfaktoren in Heimerziehung und anderen Hilfearten“, in seinem Referat an. „Es ist eine komplexe Aufgabe, konkrete Ergebnisse der Erziehungshilfe nachzuweisen“, so der Diplom-Heilpädagoge. Klar sei, dass planmäßige Hilfen Wirkung zeigten. „Symptome werden reduziert, Schulleistungen verbessert, Ausbildungsziele häufiger erreicht.“

Doch nicht jedes Kind passe zu jedem Zeitpunkt in jede Gruppe. „Deshalb ist die genaue Begutachtung der Ausgangsposition von großer Bedeutung“, erläuterte der Leiter des „Bethanien Kinder- und Jugenddorfes Schwalmtal“. Es gelte, auch die Stärken der Kinder und Jugendlichen zu beachten, ihnen Bindungen und klare Strukturen anzubieten, das Thema „Trauma“ zu berücksichtigen sowie fachpädagogische Angebote wie Musik und Sport zu unterbreiten.

„Ein weiterer Wirkungsfaktor ist, dem Kind oder dem Jugendlichen den Grund des Aufenthalts in der Einrichtung verständlich zu machen.“ Ebenso solle der Kontakt zu ehemaligen Bewohnern aufrecht gehalten werden. „Deren Rückmeldungen stärker zu berücksichtigen, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.“

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