Neujahrsempfang des Hauses St. Josef

Von: Andreas Röchter
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Aufmerksam: Zahlreiche Zuhörer während des Neujahrsempfangs des Hauses St. Josef. Foto: Andreas Röchter
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Die „Haltung“ entscheidet über den Zugang zu seinem Gegenüber: Diplom-Sozialarbeiterin Heidi Neumann-Wirsig referierte.

Eschweiler. Die „Haltung“ eines Menschen zu seinen Mitmenschen und seiner sonstigen Umgebung bestimmt in vielen Fällen, ob ein funktionierendes Verhältnis zwischen Personen entstehen kann. Nicht zuletzt im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, deren bisheriger Lebenslauf nicht komplikationslos vonstatten ging, ist eine positive „Gesinnung“ unabdingbar.

Während des Neujahrsempfangs des Hauses St. Josef für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe stand das Schlagwort „Haltung“ nun im Mittelpunkt. Referentin Heidi Neumann-Wirsig von der Gesellschaft für Organisationsberatung, Training und Supervision (BTS) zeigte den zahlreichen Zuhörern während ihres Vortrags, wie durch eine positive Grundhaltung dem Mitmenschen gegenüber Problemstellungen beseitigt und Lösungswege gefunden werden können.

Zuversichtlich

Zunächst ergriff jedoch Dr. Andreas Frick, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul, als Vertreter des Einrichtungsträgers das Wort: „Wir gehen gut um mit Kindern und Jugendlichen“, blickte er selbstbewusst und zuversichtlich auf das Jahr 2014. Ohne dabei die Realität aus den Augen zu verlieren. „Dies wird auch in Zukunft notwendig sein.

Denn die Not mancher Kinder und Jugendlicher auch dieser Stadt macht teilweise sprachlos“, so der Geistliche. Es sei erschütternd, was noch getan werden müsse. „Deshalb lautet unsere Aufgabe nach wie vor, Mitverantwortung zu tragen und Menschen perspektivisch, also auch über das Jahr 2014 hinaus, zu fördern“, schloss Dr. Andreas Frick.

Wolfgang Gerhards, Leiter des Hauses St. Josef, sieht seine Aufgabe und die seiner Mitstreiter darin, „unsere Kinder und Jugendlichen im Spiel zu halten“. Dies sei eine täglich wiederkehrende Herausforderung, da die Problemlagen für Familien immer vielfältiger würden. Doch wie bereits im Vorjahr, als der Pädagoge auf die „Perlen des Alltags“ des Jahres 2012 zurückblickte, konzentrierte sich Wolfgang Gerhards in erster Linie auf das, was im vergangenen Jahr gelungen sei.

Und dies war eine ganze Menge: „Ich habe die Mitarbeiter und Bewohner des Hauses im Vorfeld des Neujahrsempfangs gebeten, positive Ereignisse des Vorjahres zu dokumentieren und fand im Handumdrehen zehn vollgeschriebene DIN-A4-Seiten auf meinem Schreibtisch.“

Die (unvollständige) Liste in Stichworten: Die gelungene Integration ehemaliger Bewohner in den selbstständigen Alltag außerhalb der Einrichtung, der Abschied von Praktikanten, denen die Bewohner ein Dankeschön für das an ihnen gezeigte Interesse mit auf den Weg gaben, das Laufprojekt, die Notschlafstelle, das Glücksgefühl, wenn bei einem Bewohner plötzlich „der Knoten platzt“, das Trommelprojekt, Familienfreizeiten, gelungene Rückführungen in Familien, ein bewilligter Asylantrag samt Arbeitserlaubnis für einen minderjährigen Flüchtling, der in seiner Heimat Folter erlebte, Spenden für das therapeutische Reiten in Kooperation mit dem Lohner Hof, die Rückkehr von Mitarbeitern nach langwierigen Krankheiten sowie gelungene Kooperationen mit Partnern...

„Wunderbare Beispiele“, nahm Referentin Heidi Neumann-Wirsig zu Beginn ihres Vortrags den von Wolfgang Gerhards zugespielten Ball auf und benannte mit theoretischen und methodischen Kenntnissen zwei von drei Säulen der Professionalität im Umgang mit den jungen Klienten der Kinder- und Jugendhilfe. „Aber erst die Haltung zum Mitmenschen als dritte Säule macht den Unterschied“, so die Diplom-Sozialarbeiterin der Mannheimer BTS-Gesellschaft.

Jeder Mensch hat Ressourcen

Jeder Mensch habe Ressourcen, um mit bestimmten Lebenssituationen umgehen zu können. Entscheidend sei, im Gespräch Neugier an der Person gegenüber zu zeigen. „Kinder spüren, wenn Interesse an ihnen vorhanden ist“, so die Supervisorin. Respekt und die Kultur des offenen Nachfragens seien weitere zu beachtende Komponenten.

„Dabei gilt es, das Wort Warum zu vermeiden, weil dieses zu Rechtfertigungen einlädt und oft in die Sackgasse Darum führt.“ Ein häufiger Verzicht auf die Idee Richtig/Falsch sowie des „Besserwissens“ versprächen ebenfalls Erfolge. „Letztgenannte Punkte sind nicht immer umsetzbar, denn natürlich müssen auch Grenzen gesetzt und Stellung bezogen werden“, räumte Heidi Neumann-Wirsig ein.

Klar unterstrich die gelernte Erzieherin jedoch, dass das „Widerstand brechen“ nicht in das Repertoire eines Pädagogen gehöre. Sehr wohl Teil des Repertoires sei dagegen die professionelle Neutralität gegenüber bestimmten Beziehungseinladungen. „Ein Pädagoge soll nicht die Mutter- oder Vaterrolle einnehmen.

Diese Positionen sind besetzt!“ Darüber hinaus sei oft nicht die Frage nach dem Problem sonden nach dem gewünschten Ergebnis zielführend. „Lösungsorientierung und Arbeit mit Kindern passen gut zusammen. Kinder wollen schlicht und einfach heraus aus dem Problem“, betonte Heidi Neumann-Wirsig abschließend.

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