Neues Leben im ehemaligen Kabelwerk

Von: Patrick Nowicki
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Das ehemalige Prysmian-Gelände ist fast vollständig vermarktet, die markante Halle soll abgerissen werden. Foto: Patrick Nowicki
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Nichts Neues gibt es hingegen bei Hertie-Gebäude und Fuchs-Areal.

Eschweiler. Das Prysmian-Gelände, das Hertie-Kaufhaus und das Areal der Fuchs-Mineralölwerke waren einst Zeichen einer florierenden Stadt. Inzwischen stehen sie leer. Ungenutzt. Aber zumindest für den traditionsreichen Industriestandort des ehemaligen Lynen- und späteren Prysmianwerkes an der Dürener Straße scheint Licht am Ende des Tunnels: 70 Prozent der Fläche seien vermarktet, hieß es am Donnerstag im Eschweiler Rathaus.

Die entsprechenden Voraussetzungen für die Umgestaltung und Umwidmung des ehemaligen Kabelwerkes werden derzeit im Regional- und im Stadtrat geschaffen.

Kontakt zu Eigentümern

Eine solch gute Nachricht kann für die anderen beiden Gebiete nicht verkündet werden. Vor allem die Hertie-Immobilie beschäftigt die Stadtverwaltung Woche für Woche. Schon im Januar dieses Jahres hieß es, dass das City-Center verkauft und der Kaufvertrag für die Hertie-Immobilie unterschriftsreif sei. Monate später ruht still der See. Nicht jedoch im Rathaus: „Regelmäßig melden sich potenzielle Investoren bei uns, manche mit fertigen Plänen“, berichtet Bürgermeister Rudi Bertram. Dann knüpfe man den Kontakt zu den beiden Eigentümergesellschaften. Allerdings ist bis jetzt nichts schriftlich fixiert.

Die Hertie-Immobilie wird nach wie vor von CR-Investment-Management mit Sitz in Berlin verwaltet, für das City-Center ist die Estama, ebenfalls in der Hauptstadt ansässig, zuständig. Die beiden Unternehmen wollen nun gemeinsam nach einer Lösung suchen. „Wir wollen beide Immobilien zusammenführen“, sagt Sebastian Mogos-Lindemann, der für CR-Investment-Management zuständige Projektleiter. Dass es einen Interessenten gegeben hat, der bereits mit der Estama einen Vertrag geschlossen hat, habe er aus der Zeitung erfahren. „An uns ist niemand herangetreten“, teilt er mit. Er sei dennoch überzeugt, dass im nächsten halben Jahr eine Lösung gefunden werde. Bisher sind 21 der insgesamt 32 leerstehenden Hertie-Immobilien veräußert. Bei sechs Gebäuden sei man in intensiven Verhandlungen – Eschweiler gehöre allerdings nicht dazu, sagt Mogos-Lindemann.

Alle Beteiligten sind sich einig, dass City-Center und Hertie-Immobilie nur gemeinsam entwickelt werden können. Für Bürgermeister Rudi Bertram steht fest: „Eine Einkaufsmeile wird es dort nicht mehr geben.“ Fachleute hätten bestätigt, dass das Einzelhandelsangebot in der Innenstadt ausreiche. Lediglich im Bereich junge Mode gebe es noch Bedarf. Das Areal soll auch in die Entwicklung der nördlichen Innenstadt eingebunden werden. „Es sind sogar Förderungen möglich, zum Beispiel eine Beteiligung an Abrisskosten“, berichtet Hermann Gödde.

Die Vorstellungen für das Fuchs-Gelände sind klar vom Stadtrat formuliert: keine Nahversorgung, sondern Grundstücke für kleinere Betriebe. Unter bestimmten Voraussetzungen sind dort auch ein Getränke- und Kleinmöbelmarkt denkbar. „Allerdings legen wir Wert darauf, dass dort nichts Innenstadtschädliches hinkommt“, unterstreicht der Technische Beigeordnete Hermann Gödde. Auch dort deutete anfangs viel auf ein gutes und schnelles Ende der Industriebrache hin. Es sollte eine direkte Verbindung von der Jülicher Straße bis nach Valspar, der ehemaligen Merckens-Lackchemie gebaut werden. Entsprechende Verträge waren unterzeichnet. Eine Aachener Beratungsgesellschaft entwickelte das Gelände mit. Seit Anfang des Jahres passiert auf dem Fuchsgelände nichts.

Der Aachener Projektentwickler Michael Klatt sieht das Problem in der unmittelbaren Nachbarschaft. Nach seiner Auskunft sieht sich Valspar nicht mehr an die Verträge gebunden. „Ich habe mehrfach versucht, Kontakt aufzunehmen – vergebens“, sagt Klatt auf Anfrage unserer Zeitung. Die Schwerlaststraße, an der sich Valspar finanziell beteiligen wollte, sei ein Streitpunkt. Um das Gewerbegebiet vernünftig planen zu können, möchte Klatt einen drei Meter breiten Streifen von Valspar erwerben. In seinen Augen besonders ärgerlich: „Es gibt immer wieder Anfragen von Unternehmen, aber wir bauen erst, wenn die nachbarschaftlichen Verhältnisse geklärt sind.“

Die erfreulichste Nachricht, auch in den Augen des Eschweiler Wirtschaftsförderers Dieter Kamps, kommt aus Ost: Das Prysmian-Gelände entwickelt sich zu einem interessanten Industriepark. Dafür zeichnet die Triwo AG aus Trier verantwortlich, die auch das ehemalige Phillips-Gelände in Aachen vermarktet. Nach Informationen unserer Zeitung sind die Mietverträge für viele der Hallen unter Dach und Fach: Eine Autolackiererei zog dort ebenso ein wie ein Schweißtechnik-Unternehmen, das den Standort um ein Ausbildungszentrum ergänzt. Auch ein Online-Handel für Teppiche lässt sich dort nieder. Die Büroeinheiten in der ehemalige Verwaltung sind nahezu vermietet. Es kommt also Leben in die Industriebrache.

Mehr noch: Bei der Stadtverwaltung liegt aktuell ein Abrissantrag für das große Gebäude an der Dürener Straße vor. Dort soll in den nächsten Monaten ein neuer Baumarkt mit zahlreichen Parkplätzen entstehen. Dort, wo sich einst die riesigen Kabelrollen befanden, wird ebenfalls eine große neue errichtet. Allerdings steht der Betreiber noch nicht fest. Die planungsrechtlichen Voraussetzungen sind erfüllt: Der jüngste Planungs-, Bau- und Umweltausschuss brachte die Änderung des Flächennutzungsplans auf den Weg. Da gegen die Änderung des Regionalplanes keine gravierenden Einwände eingereicht wurden, hat sie Bezirksregierung beschlossen, ein vereinfachtes und auch schnelleres Verfahren in Gang zu setzen. „Wir können sehr zeitnah die Baugenehmigung erteilen“, ist sich Gödde sicher.

„Attraktiver Standort“

Wirtschaftsförderung und Industrieansiedlungen erklärt Bürgermeister Rudi Bertram immer wieder zur Chefsache. In Gesprächen mit zahlreichen Projektplanern hat er auch Positives vernommen: „Man hat mir an vielen Stellen gesagt, dass Eschweiler ein attraktiver Standort ist.“ Dies bestreiten auch nicht die an der Entwicklung der Brachen Fuchs, Hertie und Prysmian. Dies ändert jedoch nichts daran, dass es zumindest an der Jülicher Straße und unmittelbar am Rathaus noch gewaltig hakt.

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