Neues Leben an der Dürener Straße 25

Von: Tobias Röber
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Mit Blick auf die Kirchturmspitze von St. Peter und Paul: Die Sanierung des Gebäudes Dürener Straße 25 ist sehr gut gelungen. Unter anderem wurden neue Balkone angebracht. Der Kirschenhof daneben befindet sich hingegen (noch) nicht in einem so guten Zustand. Foto: Tobias Röber
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Auf Einladung unter anderem von Mitbesitzer Stephan Lehnen und Hermann Gödde (v.l.) von der Stadt Eschweiler konnte das denkmalgeschützte Gebäude am SOnntag besichtigt werden. Zahlreiche Bürger nahmen das Angebot wahr. Foto: Tobias Röber
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Im Rahmen des Denkmalschutzes wurden die Bodenfliesen von Villeroy und Boch erhalten. Sie sind auch als Mettlacher Platten bekannt.
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Der goldene Schriftzug bleibt und trotz Kernsanierung prägt die einstige Adler-Apotheke auch weiterhin das Stadtbild.

Eschweiler. Eingefleischten Eschweilern Indestädtern ist es ein Begriff, es prägt das Stadtbild und nach Jahren des Leerstands wird in das denkmalgeschützte Gebäude Dürener Straße 25 – besser bekannt als ehemalige Adler-Apotheke – wieder Leben einziehen. Am Sonntag konnten Interessierte das Objekt im Rahmen des Tags des Denkmals besichtigen.

Das Haus Dürener Straße 25 wurde von vornherein als Apotheke gebaut und im Jahr 1881 fertiggestellt. Bauherr war der Apotheker Laurenz Heimbach. Er hatte die Adler-Apotheke (noch im Vorgängerbau) 1957 eröffnet. Von 1896 an führte sein Schwiegersohn Amédée Lobry den Apothekenbetrieb weiter. Auf den 1964 verstorbenen Heinz Lobry folgte dessen Witwe Martha Lobry, ebenfalls Apothekerin. Im Jahr 1975 kaufte Wolfgang Schmidt die Adler-Apotheke, die Mitte 2012 endgültig ihre Türen schloss.

Die mit spätklassizistischen Details geschmückte Fassade des Hauses war eine der höchsten an der Dürener Straße, wie auf alten Fotos zu erkennen ist. Zu den Besonderheiten des Hauses zählt, dass es als erstes in Eschweiler mit einem Wasserklosett ausgestattet war. Dies beweist der Plan von 1907, der dem Bauamt anlässlich des Anschlusses des Hauses an die Kanalisation eingereicht wurde.

Auch soll es in dem Haus bereits eine Zentralheizung gegeben haben, und auch die Beleuchtung wurde für die damalige Zeit modern – nämlich mit Gas – ausgeführt. Das zeigen die Gasrohre, die sich noch in den Stuckrosetten im Erd- und im ersten Obergeschoss befinden. Den offenbar gehobenen Stand des Bauherrn dokumentieren weitere Details. So verfügte die Apotheke über ein eigenes Briefpapier und bereits 1907 über einen eigenen Telefonanschluss mit zweistelliger Telefonnummer. Die baulichen Details sind allesamt dem Formenkreis des Klassizismus entlehnt: Beispiele sind die Stuckrosetten mit Ranken und Fruchtkörben, die mehrfarbigen keramischen Fußbodenplatten mit Bordüren und Palmetten im Erdgeschoss, die Haustür mit Kassetten, Klötzchenfries und einer Säule als Schlagleiste.

All das wurde bei der aufwendigen Sanierung erhalten, wie Stephan Lehnen als Vertreter der Investorengemeinschaft am Sonntag betonte. Natürlich immer in Absprache mit den Denkmalschutzbehörden. Ein Jahr lang wurde das Haus saniert. Im Erdgeschoss sind Büroräume entstanden, in den Etagen darüber Wohnungen. Die neuen Besitzer entschieden sich für eine Kernsanierung: Neue Fenster wurden eingesetzt, sämtliche Leitungen erneuert, das Dach gedämmt und das Haus Dürener Straße 25 verfügt nun über eine Gasetagenheizung. Zudem wurden auf der Rückseite Balkone angebracht, über einen gläsernen Aufzug kann man im Innern auch bequem die oberen Stockwerke erreichen.

Aber zurück zur ehemaligen Adler-Apotheke, deren Schriftzug übrigens auch künftig an der Hausfassade in goldenen Lettern prangen wird. Das Urkataster von 1820/21 und der Übersichtsplan von 1862 zeigen, dass es auf dem Grundstück Dürener Straße 25 zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits eine Bebauung gab. Diese stammte vermutlich aus der Phase des Wiederaufbaus nach den Stadtbränden des 17. Jahrhunderts.

Bis zum 19. Jahrhundert bildeten die Grundstücksgrenzen an der nördlichen Seite der Dürener Straße die Grenze des Stadtkerns. Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Gebiet nördlich der Dürener Straße erschlossen.

Dazu wurden an eben dieser Seite zwei Schneisen durch die Bebauung geschlagen. Für den Neubau der Parkstraße wurden Grundstücksflächen des Kirschenhofs, heute Dürener Straße 27, in Anspruch genommen und Gebäudeteile abgerissen. Weiter östlich wurde auf Kosten des damaligen Hauses Dürener Straße 41 die Kolpingstraße angelegt.

„Gemeinsam Denkmale erhalten“

Die Bebauung des neu erschlossenen Gebietes erfolgte schrittweise im Verlauf der folgenden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Der Ausbau des westlichen Abschnitts der Peter-Paul-Straße ermöglichte für die Dürener Straße 25 nach einer Ergänzung des Grundstücks die Bebauung der Grundstücksrückseite. 1969 wurde hier von der Witwe Martha Lobry, die mit einem Enkel von Laurenz Heimbach verheiratet war, die Errichtung eines zweigeschossigen Wohnhauses beantragt. 1974 wurde zunächst ein eingeschossiges Wohnhaus gebaut. Erst 1998 wurde das Haus zu dem heutigen dreigeschossigen Mehrfamilienhaus aufgestockt.

Der Tag des Denkmals findet seit 1993 jedes Jahr am zweiten Sonntag im September statt und wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert, jedoch lokal in den einzelnen Bundesländern organisiert. In diesem Jahr lautete das Motto: „Gemeinsam Denkmale erhalten“. Ein Motto, das die neuen Eigentümer des Hauses Dürener Straße 25 perfekt umgesetzt haben.

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