Eschweiler - Neues Gesetz bringt Geld: „Kibiz ist ein absoluter Gewinn“

Neues Gesetz bringt Geld: „Kibiz ist ein absoluter Gewinn“

Von: Sonja Essers
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In den Kitas gibt es für die Mitarbeiter viel zu tun. Natürlich auch rund ums Mittagessen. Gut, dass es künftig mehr Geld vom Land gibt. Foto: epd

Eschweiler. Mit dem neuen Kinderbildungsgesetz NRW (Kibiz), das am 1. August in Kraft tritt, kommen neue Aufgaben auf die Verantwortlichen zu. Das Positive: Musste die Stadt bislang Geld zuschießen, kommt das Geld jetzt komplett vom Land NRW. 290.000 Euro fließen künftig jährlich in die Förderung der Kinder und neues Personal. Fünf Jahre lang ist dieser Zuschuss gesichert.

Grundsätzlich könne man die Änderungen im Kibiz in drei Bereiche unterteilen, meint Edith Platau, Fachberaterin der „Betreuungseinrichtungen für Kinder & Jugendliche der Stadt Eschweiler, Anstalt des öffentlichen Rechts – BKJ“: Organisation, Inhalt und Finanzierung.

Im inhaltlichen Bereich gibt es vor allem Änderungen in der Sprachförderung. Mussten die Kinder bisher die Delfin-4-Prüfung, einen Sprachtest, der in NRW für Vierjährige verbindlich war, ablegen, so entfällt dieser ab dem neuen Kindergartenjahr. Kritiker dieses Tests gab es in all den Jahren genügend.

Das Ende der Sprachförderung ist das allerdings nicht. Die Stadt Eschweiler erhält in den kommenden fünf Jahren dafür vom Land NRW jährlich 90.000 Euro. Bisher gab es vom Land NRW pro Teilnehmer 350 Euro. Kosten für die Stadt entstanden nicht. Die 90.000 Euro sollen nun an 14 Einrichtungen (siehe Box) verteilt werden. Gefördert werden die Einrichtungen nach der Anzahl der Familien, deren Muttersprache nicht vorrangig deutsch ist.

Dies ist vor allem in der Stadtmitte der Fall. Das BKJ-Familienzentrum Jahnstraße führt die Rangliste an. Es wird von 57 Kindern besucht, dessen Muttersprache nicht vorrangig deutsch ist. Es folgen der evangelische Kindergarten Kinderburg mit 43 sowie das Familienzentrum St. Theresia mit 42 Kindern. Die Einrichtungen in Dürwiß (Käte Strobel), Hehlrath (St. Josef), Hastenrath (St. Wendelinus) und St. Jöris werden nur von jeweils einem Kind besucht, dessen Muttersprache nicht vorrangig deutsch ist. Die Zahl Neu-Lohn: Null!

Neu ist auch das Programm Plus Kita. Derzeit unterstützen das Land NRW und die Stadt Eschweiler Einrichtungen in sozialen Brennpunkten. Der Rat der Stadt legte fest, welche Einrichtungen unterstützt werden sollten. Nach Aussagen des Jugendamtes der Stadt Eschweiler kam diesen dann ein Prozentsatz an Fördergeldern vom Land NRW zu. Diese wiederrum waren jedoch nicht einheitlich und richteten sich unter anderem nach dem Träger der Einrichtung. Die Stadt stockte das Budget dann auf bis zu 15.000 Euro auf. Geld, das die Stadt jetzt spart.

Plus Kita richtet sich an die Einrichtungen, die zu einem hohen Anteil von Kindern mit hohem Unterstützungsbedarf besucht werden. Dazu zählen Familien, die Sozialhilfe, Hartz IV oder Arbeitslosengeld II beziehen. Für diese Einrichtungen (siehe Box) bekommt die Indestadt in den kommenden fünf Jahren vom Land NRW jährlich 200.000 Euro. Jede Kita erhält 25.000 Euro. Dieses Geld soll für pädagogisches Personal eingesetzt werden.

Dass es jedoch nicht nur daran mangelt, macht Petra Pütz, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Severin Weisweiler, deutlich. Derzeit sind vier pädagogische Mitarbeiter in der Einrichtung beschäftigt. Sobald eine Mitarbeiterin ausfalle, werde es allerdings eng, sagt Pütz. Stressige Situationen seien im Kindergartenalltag keine Seltenheit. Als Beispiel nennt Pütz das Mittagessen. „Es ist ja nicht nur damit getan, das Essen auf den Tisch zu bringen“, sagt die 53-Jährige.

Doch auch in dieser Hinsicht verspricht das Kinderbildungsgesetz Hilfe. Ab dem 1. August erhalten alle 31 Einrichtungen der Indestadt eine jährliche Verfügungspauschale, die sich nach der Anzahl der Gruppen richtet. Eine eingruppige Kita erhält 1000 Euro, eine zweigruppige Einrichtung bekommt 4000 Euro. Ein Kindergarten, in dem es drei Gruppen gibt, erhält 6000 Euro.

Mit dieser Pauschale soll das Personal aufgestockt werden. Dass dies vor allem im Hauswirtschaftsbereich von Nöten sei, wissen Platau und Joußen. „Jede Einrichtung, die 35 Stunden Betreuung in der Woche anbietet, muss auch Essen anbieten“, sagt Edith Platau und fügt hinzu: „Das ist aber auch viel mehr Arbeit und gerade bei U-3-Kindern ist der hauswirtschaftliche Aufwand höher.“ Deshalb sei die Verfügungspauschale mehr als richtig. „Das ist ein absoluter Gewinn“, ist sich Joußen sicher.

Joußen findet: „Das neue Kinderbildungsgesetz ist eine Bereicherung.“ Schließlich sei nicht nur die finanzielle Förderung gewährleistet, sondern auch an der inhaltlichen Präzision der Paragraphen gearbeitet worden.

Das wird auch beim Thema Öffnungszeiten und Schließtage der Einrichtungen deutlich. Dieses ruft immer wieder Diskussionen zwischen Eltern und Erziehern hervor. Zwar sollen die Elternwünsche diesbezüglich weiterhin berücksichtigt werden, jedoch sollten gerade kleine Kinder nicht mehr als neun Stunden am Tag in der Kita verbringen. „Im Kibiz steht nun, dass die Kita die Aufgabe hat, das zu überwachen“, sagt Joußen.

Auch ein weiterer Passus wurde nun verankert. Bereits ein halbes Jahr, bevor der Platz in einer Einrichtung in Anspruch genommen werden soll, muss beim Jugendamt seitens der Familie Bedarf angemeldet werden. Den Verantwortlichen werde so die Arbeit erleichtert. Schließlich bekommen die Träger eine bessere Übersicht und könnten früh genug mit der Planung beginnen.

Um alle Kinder in der Indestadt auch in diesem Jahr entsprechend versorgen zu können, hat die BKJ in ihren Einrichtungen in Weisweiler (Am Driesch), Bergrath (Weierstraße) sowie an der Jahnstraße vier zusätzliche Gruppen eingerichtet. „Wir haben nach wie vor einen hohen Bedarf, auch bei den Kindern, die älter als drei Jahre sind“, sagt Joußen.

Den katholischen Kindergarten St. Severin Weisweiler besuchten im vergangenen Kindergartenjahr 36 Kinder. Davon waren vier Kinder unter zwei Jahre und sechs unter drei Jahre alt. „Gerade die U-2- und U-3-Betreuung ist ein hochwertig zu besetzendes Arbeitsfeld“, sagt Pütz. Schließlich müsse man jedes Kind zu jeder Zeit im Blick haben.

Die inhaltliche Arbeit umfasst zum Beispiel die Angebotsstruktur der Einrichtungen und zielt auf die Inklusion von Kindern mit Behinderung oder einem hohen Förderbedarf ab. Bisher gab es in der Indestadt drei Varianten, mit Inklusion umzugehen. Dazu zählten die Einzelintegration, integrative Gruppen und die heilpädagogischen Einrichtungen.

Das neue Kinderbildungsgesetz sieht jedoch vor, dass alle Einrichtungen Kinder mit Behinderungen oder einem hohen Förderbedarf aufnehmen müssen. Dass dies in der Praxis jedoch gar nicht so einfach umzusetzen sei, weiß Platau. „Nicht jede Einrichtung ist dafür geeignet“, sagt sie und verweist damit vor allem auf die älteren Einrichtungen der Indestadt.

Neu verankert ist auch die sogenannte pädagogische Konzeption. Dazu zählt unter anderem die Eingewöhnungsphase der Kinder in der Einrichtung. Jeder Träger entwickelt dazu ein eigenes Konzept. Diese erfordere besonders bei Kindern unter drei Jahren viel Fingerspitzengefühl, meint Joußen.

Das bestätigt auch Pütz. „Sobald die Kinder auf der Welt sind, müssen wir ein Halt für sie sein. Gerade die ersten drei Lebensjahre sind für die Entwicklung entscheidend.“

Auch das Qualitätsmanagement ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Gesetzes. Dazu zählt die Sicherung, Dokumentation und Evaluierung der Qualität in den einzelnen Einrichtungen. Als Beispiel nennt Platau die Elterngespräche. „Wir müssen uns überlegen, wie oft diese Gespräche stattfinden, wie lange sie dauern und was deren Inhalt ist“, sagt sie und fügt hinzu: „In den meisten Einrichtungen, die ich kenne, wird das aber schon längst so gehandhabt.“ Die Dokumentationen werden auch an die Grundschulen weitergeleitet. Durch einen regelmäßigen Austausch sowie gemeinsamen Fortbildungen soll die Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen gestärkt werden.

Wie wichtig Bildung für die Kinder ist, weiß Petra Pütz. Diesbezüglich passiere gerade in der Kita eine Menge. Auch wenn dies oft nicht wahrgenommen werde. „Wir lernen hier elementare Dinge“, sagt Pütz. Die 53-Jährige macht jedoch regelmäßig die bittere Erfahrung: „Eine Wertschätzung unserer Arbeit ist einfach nicht gegeben.“

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