Eschweiler/Aachen - Neuer Kommandeur: Michael Hochwart leitet die Heeresschule

Neuer Kommandeur: Michael Hochwart leitet die Heeresschule

Von: Rudolf Müller
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Gestatten, Oberst Michael Hochwart, neuer Bundeswehr-Schulkommandeur in Aachen und Eschweiler. Foto: Rudolf Müller
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Hightech, die im Schadensfall schnellstens instandgesetzt werden muss: Auf dem Donnerberg zeigt die Bundeswehr unseren Lesern im Rahmen von Führungen immer mal wieder gerne, was Spezialisten hier lernen. Im Bild ein Teil der Kanzel eines Leopardpanzers. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler/Aachen. Der Mann ist beruflich ganz schön rumgekommen: Vom heimischen Pforzheim über Bremen, München, Hamburg und Bad Reichenhall nach Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas, zurück nach Unna, dann nach Hamburg, Bonn, Sigmaringen, Leipzig und zurück nach Kansas, um von dort via Bonn und Koblenz nach Aachen zu gelangen.

Und im Kosovo war er „zwischendurch“ ebenso wie im afghanischen Feyzabad. Hier wie dort holte er sich militärische Auszeichnungen von Bundeswehr und Nato.

Jetzt ist Michael Hochwart nicht nur Diplom-Kaufmann, sondern auch Oberst, ist 52 Jahre alt und Vater von fünf Kindern. Noch wohnt er mit Familie bei Rheinbach. MItte des Jahres, wenn seine älteste Tochter ihr Abi hinter sich hat, wollen die Hochwarts umziehen: in den Raum Aachen. Denn hier liegt für die kommenden Jahre Michael Hochwarts beruflicher Mittelpunkt: Seit dem 1. Januar ist er der neue Schulkommandeur TSL/FSHT. Die militärische Kurzformel steht für Technische Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik. Standorte: Aachen und Eschweiler.

Standorte, die Hochwart auch vom Strukturwandel der Bundeswehr und der damit einhergehenden Verkleinerung nicht gefährdet, ja kaum betroffen sieht: Die Schule ist bundesweit einzigartig. „Hier geht es nicht um ein paar Hörsäle oder ähnliches, die ich an fast jedem beliebigen Standort bauen kann“, sagt Hochwart. „Hier steckt eine Unmenge Material drin, das nicht so ohne weiteres verlagerbar ist.“ Und ohne die Schule wären Einsätze der Bundeswehr– ob in Afghanistan oder sonst wo auf der Welt – völlig undenkbar.

„Wir legen Wert darauf, das stets neueste und beste Gerät zu verwenden. Das aber geht nur, wenn auch die Instandsetzer stets auf dem neuesten Stand sind“, betont Hochwart. Das geht so weit, dass Instandsetzungs-Ausbilder wie auch deren „Azubis“ selbst heute bereits in die Unternehmen geschickt werden, die das jeweilige Gerät fertigen, um mit Datum der Auslieferung wartungsbereit zu sein. In der Aachener bzw. Eschweiler Schule werden Instandsetzungsspezialisten weit über das Maß hinaus ausgebildet, das eine Ausbildung zum Gesellen oder Meister umfasst.

Ein Fahrzeug auseinandernehmen und wieder zusammenbauen kann jeder Automechaniker – aber nicht unter Einsatzbedingungen zwischen dem afghanischen Feyzabad und der chinesischen Grenze“, betont Oberst Hochwart. „Bei 30 Grad Minus und ohne DIN-genormte Grube.“ Die Instandsetzungstrupps machen das Unmögliche wahr: mit kreativen Lösungen machen sie teils unter Gefechtsbedingungen defekte Fahrzeuge provisorisch fit, um sie und ihe Besatzungen zurück ins Feldlager – in Sicherheit – holen zu können. Ob Fahrzeugtechnik oder Radarsysteme, ob Leopardpanzer oder Feldhaubitze 2000 – für jedes System gibt es Speziallehrgänge, die die allgemeinen (darunter zivil anerkannte Berufsabschlüsse) ergänzen. Und ständig kommen neue hinzu.

Hohe Qualität halten

Dass in Zeiten strukturellen Wandels erstmals ein Betriebswirt statt eines Ingenieurs die Leitung der Schule übernimmt, hält Hochwart für „Zufall“. „Maßstab für die Schule ist der Output, das, was bei der Truppe ankommt. Die Schule ist gut. Die Kameraden sind hoch zufrieden mit dem, was wir hier ausbilden! Und die Einsatzbereitschaft unseres Geräts im jeweiligen Einsatzland ist durch die Bank hoch!“ Was sicher nicht zuletzt daran liegt, dass nahezu jeder zweite Ausbilder der Schule selbst Einsatzerfahrung hat und auch weiterhin regelmäßig in Einsätze geht. Wie Instandsetzer hierzulande darauf vorbereitet werden, fern der Heimat unter extremen Bedingungen zu arbeiten, das zeigt die Bundeswehr regelmäßig bei ihren öffentlichen Biwaks in der Lützow-Kaserne.

„Mein Ziel ist es, die hohe Qualität der Ausbildung hier zu halten“, sagt Michael Hochwart. Bislang deutet nichts darauf hin, dass das nicht zu schaffen sei: Der Wegfall der Wehrpflicht trifft die Schule kaum, da hier ohnehin nur Zeit- und Berufssoldaten zu Gesellen und Meistern ausgebildet werden. Die allerdings werden weniger: „60 Prozent unserer Zeit- und Berufssoldaten kamen bislang aus der Wehrpflicht“, weiß Hochwart. Er selbst gehört dazu. Allerdings: Noch ist die Situation in Sachen Nachwuchs so, dass auf jede Offiziersstelle gleich mehrere geeignete Bewerber kommen. Der befürchtete Bruch in Quantität wie Qualität ist ausgeblieben. Auch die Abbrecherquote von 30 Prozent sieht Hochwart nicht als dramatisch an: „Ich halte es für besser, jemand orientiert sich anders, wenn er in diesem doch besonderen Beruf feststellt, ,das ist nicht meine Welt‘. Damit ist beiden Seiten geholfen.“

Seit dem 7. Januar pendelt Michael Hochwart zwischen Rheinbach und Aachen hin und her. Am Montag, 21. Januar, wird er ganz offiziell mit der Leitung der TSL/FSHT beauftragt: durch Brigadegeneral Heinrich Fischer, den Kommandeur Heeresschulen, im Rahmen eines feierlichen Appells.

Hamburg, Kansas, Reichenhall

Bis dahin war es ein langer Weg, der ihn mehrfach quer durch die Republik führte: 1959 im badischen Pforzheim geboren, trat Michael Hochwart 1959 in die Bundeswehr ein, begann 1980 seine Offizierausbildung an der Nachschubschule des Heeres in Bremen-Grohn und nahm 1981 ein Studium der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Bundeswehr-Hochschule in München auf. 1985 wurde er Zugführer im Nachschubbataillon Sonderwaffen 320 in Herborn-Seelbach, 1989 Umschlagstaffelführer der Nachschubkompanie 160 in Wentorf und 1990 Kompaniechef des 2. Sanitätsbataillons 3 in Hamburg-Harburg. 1993 begann seine Generalstabsaausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, 1995 wurde er G4-Stabsoffizier Logistik im Stab der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall.

Zwei Jahre später folgte der Umzug über den Großen Teich: Hochwart wurde Lehrgangsteilnehmer am US Army Command and General Staff College in Fort Leavenworth, Kansas/USA. 1998 kehrte er als Kommandeur des Nachschubbataillons 7 in Unna nach Deutschland zurück. 2001 folgte eine Verwendung als Dozent Truppenführung und Tutor an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg; ein Jahr drauf wurde er Referent im Führungsstab des Heeres II 3 im Bonner Bundesverteidigungsministerium.

2004 folgte seine Berufung zum G-Stabsoffizier Logistik im Stab der 10. Panzerdivision in Leipzig; 2005 wurde er Chef des Stabes der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig. 2008 folgte ein Studium an der School for Advanced Military Studies in Fort Leavenworth, 2009 wurde er dort bereits Dozent. 2010 übernahm er eine Referatsleitung im Führungsstab des Heeres II 3 im Bonner Bundesverteidigungsministerium, wurde dort 2012 Referatsleiter im Stab In H II 3 und im selben Jahr Unterabteilungsleiter Logistik im Kommando Heer in Koblenz.

Manko: keine Berge

Und seit dem 1. Januar nun ist er Schulkommandeur der Technischen Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik in Aachen und Eschweiler und General Heereslogistikgruppen.

„Als die freudige Nachricht kam, hab‘ ich keine Nanosekunde gezögert!“, sagt Michael Hochwart. Obschon der passionierte Bergsteiger und Ski-Bergsteiger hier nicht gerade in alpiner Umgebung ist. Sein zweites Hobby ist Musik, vornehmlich klassische, aber auch Jazz. Da dürfte er im Raum Aachen durchaus gut aufgehoben sein.

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