Neue Vorwürfe gegen Schlachthof: „Katastrophale Zustände“

Von: Patrick Nowicki
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Sieht sich neuen Vorwürfen ausgesetzt: der Eschweiler Schlachthof. Das Veterinäramt findet bei verdeckten Ermittlungen keine Hinweise auf Tierschutz-Verstöße. Foto: Patrick Nowicki
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Etwa 40 Rinder werden jeden Freitag in Eschweiler geschlachtet. Die Genehmigung ist unbefristet. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Nachdem der Schlachthof in Eschweiler wegen finanziellen Schwierigkeiten in die Insolvenz gefallen ist, droht nun weiteres Ungemach: Eine Anwohnerin beschuldigt das Unternehmen, dass dort „katastrophale Zustände“ herrschen und „Misshandlungen der Tiere“ stattfinden sollen.

Im Internet rief sie zu einer Petition unter dem Titel „Einhaltung der Tierschutz-Schlachtverordnung (EG Nr.1099/2009) im Schlachthof Eschweiler“ auf. Das zuständige Veterinäramt der Städteregion bestätigt diesen Verdacht jedoch nicht.

Bis Freitag schlossen sich 612 Menschen der Petition an. Sie wurde inzwischen geschlossen. „Unser Ziel, 500 Stimmen zu erreichen, ist sogar übertroffen worden“, schreibt die Initiatorin dort. Dies ermögliche ihr nun, diese Petition bei Bürgermeister Rudi Bertram einzureichen, in der Hoffnung, dass der Schlachthof kontrolliert werde. Für die Überwachung des Schlachthofs ist das Veterinäramt der Städteregion Aachen zuständig.

Deren Sprecher Detlef Funken bestätigte, dass man eine Meldung erhalten habe. „Wir gehen natürlich jedem Hinweis seriös nach“, sagt er. Bei einer unangekündigten Kontrolle und verdeckten Beobachtung vor wenigen Wochen sei den Mitarbeitern des Veterinäramtes jedoch kein Verstoß aufgefallen. Aktuell werden laut Veterinäramt immer freitags etwa 40 Rinder an der Indestraße geschlachtet.

Die Tiere werden am Donnerstagabend zwischen 18 und 22 Uhr angeliefert und verbringen die Nacht in einem Stall auf dem Schlachthofgelände. Vor und bei den Schlachtungen ist ein Tierarzt anwesend, der die Einhaltung der Gesetze und Verordnungen kontrolliert.

Bis Ende 2018 soll der Schlachthof saniert werden. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) einigte sich mit dem Insolvenzverwalter auf einen entsprechenden Plan. „Sämtliche Details sind geklärt“, teilt Lanuv-Sprecher Peter Schütz mit. Daran gekoppelt ist auch die unbefristete Schlachtgenehmigung für Rinder. Sollte die Sanierung – unter anderem muss das Dach erneuert werden – bis Ende 2018 nicht erfolgen, erlischt die Genehmigung.

Der Schlachthof Eschweiler ist einer der wenigen kleineren in Nordrhein-Westfalen. Der Landtag verabschiedete im vergangenen Jahr eine Initiative, kleinere und mittlere Schlachthöfe zu stärken. „Grundsätzlich ist es unter Nachhaltigkeitsaspekten zu begrüßen, wenn die Tiere und später das Fleisch nicht lange transportiert werden müssen“, meint Peter Schütz. Allerdings falle es kleineren Betrieben nicht immer leicht, alle Bestimmungen jederzeit zu erfüllen.

Vor drei Jahren war der Eschweiler Schlachthof noch in die Schlagzeilen geraten, weil ihm unzulässige Verfahren vorgeworfen wurden. Bei der Untersuchung war auch das Lanuv eingeschaltet worden, dass nur in Ausnahmefällen tätig wird und die Überwachung eigentlich den Veterinärämtern überlässt. Dies hat sogar dazu geführt, dass er auf behördliche Anordnung geschlossen wurde. Zu Spitzenzeiten wurden über 250 Schweine und 50 Rinder Woche für Woche in dem Betrieb an der Indestraße geschlachtet. Dies ist jedoch inzwischen Jahre her.

Die Beschuldigungen von vermeintlichen Anwohnern im Internet rufen in jedem Fall die Behörden wieder auf den Plan. So will! jemand beobachtet haben, dass ein Viehtransporter dermaßen scharf abgebremst haben soll, dass die Rinder durch den Transporter geflogen sein sollen. „Das Schreien der armen Tiere war schrecklich“, heißt es. Die weiteren Vorwürfe: Tiere würden beim Abladen geschlagen, nachts seien Schreie zu vernehmen. Vom Schlachthofbetreiber war am Freitag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bei der Städteregion ist man bemüht, die Wogen in Eschweiler zu glätten. Der Schlachthof liege mitten in einem Wohngebiet. „Es ist durchaus denkbar, dass es abends zu für Schlachthöfe typischen Geräuschen kommt, die zunächst einmal für Menschen verstörend klingen“, sagt Detlef Funken. Er bestreitet auch nicht, dass es lauter werden könne.

„Andere Schlachtunternehmen liegen nicht so nah an der Wohnbebauung, da werden solche Dinge nicht so deutlich wahrgenommen“, meint Funken. Bei einem konkreten Verdacht, dass die Vorgänge nicht den Vorschriften des Tierschutzes entsprechen, bittet er, sich direkt an das Veterinäramt der Städteregion Aachen zu wenden: Telefon 0241/51980. Fotos und Videos seien bei der Klärung der Vorfälle hilfreich.

Ruhig wird es ohnehin um den Eschweiler Schlachthof nicht werden. „Dieses ist der erste Schritt. Wir werden weiterhin Beweise sammeln“, kündigt die Initiatorin der Petition im Internet an. In den nächsten Tagen wird Bürgermeister Rudi Bertram das Schriftstück erhalten, zudem wurden Unterschriften gesammelt.

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