„Neue Höfe Dürwiß“: Einzigartiges Bauvorhaben nimmt Gestalt an

Von: Rudolf Müller
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Noch blüht der Klatschmohn auf einem Teil des Baugebiets. Die ersten Baustraßen werden allerdings schon angelegt: Hier, zwischen Sebastianus- und Friedrich-Ebert-Straße – entstehen die „Neuen Höfe Dürwiß“, ein bislang deutschlandweit einzigartiges Siedlungsprojekt. Foto: Rudolf Müller
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Haben sicher nicht auf Sand gebaut: Klaus Dosch, Erik Schöddert, Rudi Bertram, Jens Bröker und Stephan Baldin (von links). Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Künftigen Generationen in der Region den heutigen Lebensstandard erhalten – und das mit Rücksicht auf immer knapper werdende Ressourcen, das hat sich die Aachener Kathy-Beys-Stiftung auf die Fahnen geschrieben. Gute zehn Millionen Euro hat die private Stiftungen in den letzten Jahren in dieses Ziel investiert.

„Das hier ist eines der tollsten, schönsten Projekte, die wir haben!“, schwärmt Stiftungsvorstand Stephan Baldin, „das ist zukunftspraktischer Strukturwandel!“, und meint damit ein Vorhaben, das bundesweit seinesgleichen sucht: das Projekt „Neue Höfe Dürwiß“.

Hier - auf einem 37.000 Quadratmeter großen Areal am östlichen Ortsrand zwischen Friedrich-Ebert- und Sebastianusstraße – plant die Stiftung gemeinsam mit der Stadt Eschweiler und Grundstücks-Miteigner RWE eine Siedlung, die höchsten Anforderungen an Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung genügt.

Fast alle Grundstücke vergeben

Ein wesentliches Ziel ist dabei die Reduzierung des Verbrauchs an Rohstoffen und Energie um einen Faktor 2, sprich: auf die Hälfte des sonst beim Bau und Betrieb eines Hauses üblichen Verbrauchs. Dabei wird die Gesamtmenge an Rohstoffen und Energie betrachtet, die von der Herstellung der Baustoffe über den Bau und Betrieb des Hauses bis zum Abriss und zur Entsorgung anfallen, betont die Stadt: „Von einer solchen Bauweise soll nicht nur die Umwelt profitieren. Die Raumaufteilung der zukunftssicheren Gebäude soll mit möglichst geringem Aufwand veränderbar sein und so eine flexible Bewohnbarkeit in jeder Lebenssituation bieten.“

Ein Konzept, das viele überzeugt: „Viel schneller als erwartet“, so Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde, seien inzwischen 51 der 53 Grundstücke vergeben. Und zwar erst, nachdem Bauherren und Architekten einer Jury einen Vorentwurf präsentierten, der deutlich machte, wie eng man sich an dem Vorgabenkatalog in Sachen Bauweise, Materialien, Gestaltung etc. zu orientieren gedenke. Dass die so abgesegneten Pläne auch tatsächlich eingehalten werden, das sollen Überprüfungen nach Fertigstellung belegen. Vom Erfolg ist nicht nur Gödde überzeugt, vor dessen geistigem Auge schon jetzt das Projekt „Neue Höfe II“ aufflackert.

Spürbare Begeisterung

Zunächst aber muss aus dem Pilotprojekt Realität werden. Und das ist seit Freitag in Arbeit. Bürgermeister Rudi Bertram, Stiftungsvorstand Stephan Baldin und sein Kollege Klaus Dosch, RWE-Flächenmanagementleiter Erik Schöddert und Jens Bröker, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Indeland, taten am Freitag den symbolischen ersten Spatenstich für das Vorhaben.

Ein Vorhaben, von dem auch Bröker in höchsten Tönen schwärmt: „Konzepte und Papier sind das eine. Wenn dann aber tatsächlich ein Bagger anrollt, ist das schon etwas anderes, Was hier passiert, das ist spektakulär! Die Siedlung, die wir hier bauen, ist einzigartig in ganz Deutschland. Das ist so, als ob Ihr Auto plötzlich nur noch halb soviel Sprit verbraucht. Lassen Sie uns gemeinsam diese Art zu bauen weithin populär machen!“

Auch Erik Schöddert, seit Jahren für das RWE mit Flächenmanagement befasst, ist begeistert: „Für uns bedeutet dies eine konsequente Fortsetzung der bisherigen Innovationen in unserer Wohnflächenentwicklung. Auch wir betreten mit diesem Projekt Neuland. Und wir sind gerne dabei: Das Ganze ist hochinteressant!“ Auch Boris Linden, stellvertretender Geschäftsführer der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR), ist am Freitag nach Dürwiß gekommen.

Aus gutem Grund: Das Baugebiet „Neue Höfe Dürwiß“ gehört gemeinsam mit dem ebenfalls ressourcenschonend geplanten Wohngebiet „Inden Seeviertel“ und einem in Inden geplanten Musterhaus für Ressourcenschutz zu einem Gesamtprojekt der Entwicklungsgesellschaft Indeland, das kürzlich im Rahmen eines Ideenwettbewerbs der IRR unter 75 Projektideen zu einem offiziellen IRR-Modellprojekt gekürt wurde. Bereits vor einigen Jahren wurde „Inden Seeviertel“ als Projekt der ab 2017 in NRW stattfindenden „Klima-Expo“ ausgezeichnet. Auch für die „Neuen Höfe Dürwiß“ wurde ein Antrag zum „Klima-Expo“-Projekt gestellt.

In Dürwiß wird seit Freitag fleißig gearbeitet: Die Arbeiten für den Grundausbau des künftigen Wohngebiets sollen im Frühjahr kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Bereits bei den Baustraßen legen die Planer besonderen Wert auf ressourceneffiziente Bauweise: Der Straßenunterbau wird mit Recyclingmaterial gefertigt, die späteren verkehrsberuhigten Erschließungsstraße sollen aus langlebigem, wartungsarmen Pflaster hergestellt werden. Beiderseits der Straßen gruppieren sich Wohnhäuser unterschiedlichster Bauformen – von überwiegend zweigeschossigen freistehenden Einfamilienhäusern und Doppelhäusern bis hin zu dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern in einem kleinstädtisch wirkenden Quartier, das von Wohnhöfen und einem zentralen Platz geprägt ist.

Bürgermeister Rudi Bertram war von Anfang an – wie alle anderen Beteiligten – vom Konzept der „Neuen Höfe“ überzeugt. Dabei habe es anfangs geheißen: „Die spinnen, die im Rathaus!“

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