Nersingers neues Vatikan-Werk: Da bleibt keine Frage offen

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Im Vatikan fotografiert, direkt vor dem Petersdom: das neue Buch von Ulrich Nersinger über den Päpstlichen Hof.

Eschweiler. Wenn der Papst eine Messe in seiner Privatkapelle feiert - hat er dann ein Pallium umgelegt? Trugen die Päpste im 16. Jahrhundert unter der Albe nur ein Schultertuch oder auch ein Fanon? In welchen Kirchen gibt es ein Tintinabulum? Und was ist das überhaupt? Einen gibt es, der kann auf alle diese Fragen Antwort geben: Der Eschweiler Historiker und Autor Ulrich Nersinger.

Sein Wissen macht der Vatikanspezialist seit vielen Jahren in Aufsätzen und Fachbüchern öffentlich. Seit sieben Jahren arbeitet er an einer umfangreichen Darstellung der „Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof”. Der 1. Band, 536 Seiten stark und 267 Bildern illustriert, ist jetzt im Handel. „Mindestens ein weiterer Band” werde folgen, sagt Nersinger.

Wie jeder fürstliche, königliche, kaiserliche Hof hat auch der Päpstliche Hof - der seit den Reformen durch Papst Paul VI. „Päpstliches Haus” genannt wird - seine Etikette, seine speziellen Riten und altüberlieferten Symbole.

Der Päpstliche Hof, schwärmt Nersinger, sei einzigartig auf der Welt, kein anderer Hof habe ein höheres Alter und Ansehen, kein anderer Hof habe Europa in historischer und kultureller Dimension mehr geprägt. Und doch sind Riten, Symbole, Kleidung, sind auch die Ämter, Titel und Orden längst nicht so bekannt wie jede an weltlichen Höfen. Wer sich darüber informieren will, kommt an dem Vatikankenner aus Eschweiler nicht vorbei.

Das wissen zum Beispiel auch Filmregisseure. Etwa Marcus O. Rosenmüller, der 2009 für seinen Film über „Gottes mächtige Dienerin” Schwester Pascalina, die Privatsekretärin von Papst Pius XII., den Eschweiler Autor als historischen Berater hinzuzog. Ulrich Nersinger arbeitete das Drehbuch durch, besprach mit den Schauspielern und dem Regisseur die einzelnen Szenen, achtete akribisch darauf, dass alle Details stimmen: Wie beugt ein Kardinal seine Kniee vor dem Papst? Der Ringkuss - wie muss er aussehen? Nersinger weiß da wirklich alles.

Mit hunderten Details schildert der Vatikanexperte nun im 1. Band von „Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof”, wie Päpste im Konklave gewählt werden, wie das neue Oberhaupt der Katholischen Kirche dann sein Amt antritt und welche besonderen Insignien er trägt.

Ausführlich wird auf die Gottesdienste eingegangen, die der Papstes in der Ewigen Stadt feiert. Eingehend widmet sich Nersinger in einem geschichtlichen Überblick der Zusammensetzung und den Aufgaben des „Päpstlichen Hauses”, vom Kardinalskollegium über die „Wirklichen Geheimen Kammerherren” und die „Überzähligen Geheimen Geistlichen Kammerherren” bis hin zum Speisenvorkoster.

Er bietet Informationen zum ehemaligen päpstlichen Adel, zu den Ordensverleihungen durch den Papst, den Erhebungen von Gotteshäusern zu päpstlichen Basiliken und der Ernennung „Päpstlicher Hoflieferanten”. Auch Abhandlungen zu den Hymnen, Märschen und Fahnen des Papstes finden sich im 1. Kapitel über den Päpstlichen Hof, das mit fast 200 Seiten fast schon ein eigenes Buch im Buch ausmacht.

Umfangreich ist auch das Kapitel über die feierliche Papstmesse. Ulrich Nersinger schildert die Vorbereitungen und den Ablauf, er weiß die Bekleidung aller Teilnehmer, ihre Reihenfolge im Ehrenzug, er kann solche Details Seite um Seite ausbreiten, kommt dabei auf die Geschichte des Fußkusses und was Martin Luther von dieser Zeremonie gehalten hat (nämlich gar nichts) und wie sich dieser Fußkuss biblisch begründen lässt.

Bei so viel Detailwissen wundert es nicht, dass ein weiterer Band des Werkes in Arbeit ist. Darin will Nersinger unter anderem schildern, wie Seligsprechungen und Heiligsprechungen ablaufen, einschließlich der Neuerungen, die Papst Benedikt XVI. eingeführt hat.
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