Langerwehe/Eschweiler - Naturschutz dort, wo sich Windräder drehen sollten

Naturschutz dort, wo sich Windräder drehen sollten

Von: Carsten Rose
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Nisthilfe in mehr als fünf Metern Höhe: Der Verein „Junow“ hat in Langerwehe-Heistern ein Schwalbenhaus aufgestellt.
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Nisthilfe in mehr als fünf Metern Höhe: Der Verein „Junow“ hat in Langerwehe-Heistern ein Schwalbenhaus aufgestellt. Fotos: Müller/Rose (2)

Langerwehe/Eschweiler. Es ist knapp drei Jahre her, als Anne und Walter Müller in Heistern die Befürchtung hatten, von ihrer Terrasse aus im Tal zur Eschweiler Grenze auf Windräder zu starren. Sie wurden nicht gebaut. Nun hat das Ehepaar aber doch einen Mast im Blickfeld – der ist jedoch nur knapp höher als fünf Meter und dient dem Naturschutz. Jetzt haben die beiden mit ihrem Verein „Junow“ ein Schwalbenhaus aufgestellt, dass Platz für gut 50 Nistplätze bietet.

Dieses Schwalbenhaus ist bis dato wohl das aufwendigste Projekt des Vereins, der seit seiner Gründung im Oktober 2015 offiziell in Eschweiler seinen Sitz hat und den Anne Müller als „Dorf-Naturschutzverein“ bezeichnet. „Junow“ steht für „Jagd- und Naturschutzorganisation Wenau“. 50 Mitglieder zählt der Verein, von denen etwa die Hälfte Jäger sind.

Rund 400 Arbeitsstunden haben Ehrenamtliche in das Schwalbenhaus investiert. 1,80 mal 1,80 Meter mal 90 Zentimeter groß ist der Kasten, den die Mitglieder im wöchentlichen „Basteltreff“ gezimmert haben. Er ist auf einem Montagebalken befestigt. Die Kosten der Einkaufspreise in Höhe von circa 2000 Euro hat der Verein über Spenden finanziert. „Man kann sich solch ein Schwalbenhaus auch bauen lassen“, sagt Fred Vonden, „aber dann kostet es auch 8000 Euro. Das ist nicht zu finanzieren.“ Vonden ist selbst Unternehmer und der 1. Vorsitzende des Vereins, mit seinem dienstlichen Kran haben zehn „Naturliebhaber“, wie sie sich selbst nennen, den Kasten auf dem 250 Kilo schweren Balken befestigt. Dieser ist in ein Vier-Tonnen-Fundament eingelassen. „Der Wind ist hier ein Problem . . .“, sagt Anne Müller.

30 der Nisthilfen sind für Mehlschwalben gedacht, acht für Mauersegler, und Fledermäuse haben ihren eigenen Eingang an der Unterseite. „Die Vögel sollen auch noch ihre eigenen Nester bauen, dafür haben wir extra eine Lehm-kuhle angelegt“, erklärt Vonden und ergänzt schmunzelnd: „Und wenn das Haus nicht reicht, bauen wir eben noch eins.“

Abgesehen von diesem Schwalbenhaus hat der Verein gut 100 weitere Nisthilfen auf Privatgrundstücken rund um Wenau installiert, etwa für Steinkäuze. Und die würden auch alle angenommen, sagt Anne Müller. „Das zeigt ja, dass es Bedarf gegeben hat. Und Bürger haben uns dann Fotos von den Vögeln geschickt.“

Des Weiteren stehen auf der Vereins-Agenda: Schutz von Fasan, Hase und Kaninchen; Seuchen und Krankheitsbekämpfung; guten Wildbestand aufrechterhalten; Anlage und Pflege von Wildäckern und -wiesen. Mitglied Stefan Deutz hat zudem in der vergangenen Woche auf Anfrage in einer fünften Klasse der Gesamtschule Stolberg den Vortrag „Wald und Jagd“ gehalten. In zwei Wochen steht für „Junow“ das nächste Projekt an, dann pflanzt der Verein 25 Obstbäume am Wenauer Höfchen in Langerwehe, um Streuobstwiesen instand zu halten. „Weil Jäger eben auch Heger und Pfleger sind“, begründet Anne Müller mit einem geflügelten Wort die Motivation des Vereins, „ein Projekt nach dem anderem im Dorf“ zu realisieren. Jedes Jahr soll eine neue Streuobstwiese entstehen.

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