Nachteule erzählt von Karl und Mord

Von: kaba
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„Signierte Bücher sind nicht teurer, dafür aber wertvoller.“ heißt ein Zitat auf Martina Kempffs Homepage und so verwundert es nicht, dass Kempff geduldig und mit Liebe ein Buch nach dem anderen signiert und eine Widmung hineinschreibt. Foto: Katja Bach

Eschweiler. Man vernimmt erwartungsvolles Gemurmel in der Stadtbücherei Eschweiler. Schon zu früher Stunde finden sich Leseinteressierte ein und warten darauf, dass Martina Kempff mit ihrer Lesung beginnt. Die Autorin ist sehr bekannt und hat zum Karlsjahr einen historischen Roman geschrieben, der von Karls Beziehungen in die arabische Welt berichtet.

Eine schöne Idee zum ausklingenden Karlsjahr noch einmal daraus zu lesen, findet die Leiterin der Stadtbücherei Eschweiler, Michaele Schmülling – Kosel, und lud die Autorin im Rahmen der bundesweiten Bibliothekswoche ein. Martina Kempff widmet sich aber nicht nur der Vergangenheit und deren Geschichten, sondern schreibt auch Eifelkrimis, die mit einer gewissen Portion Humor daher kommen.

Bevor sie am Sonntagmorgen mit ihrer Lesung beginnt, stellt sich die Autorin zunächst selbst vor. „Für mich ist es gerade noch mitten in der Nacht“, beginnt sie und weist auf die Uhrzeit hin. „Denn ich schreibe nachts und schlafe deshalb morgens länger. Auch heute Nacht habe ich geschrieben und darf Ihnen mitteilen, dass ich den sechsten Band meiner Krimireihe vor wenigen Stunden vollendet habe“, sagt sie mit einem breiten Lächeln und erntet Begeisterung: Im Eschweiler Publikum sitzen viele treue Leser.

Bevor Kempff aber auf ihre Kriminalromane zu sprechen kommt, geht es um die Geschichte Kaiser Karls. Seine Person und vor allem der Aachener Dom haben es der gebürtigen Stuttgarterin angetan. Gemeinsam mit ihrem Mann sei sie oft in diesem Bauwerk gewesen, bis ihnen beiden etwas aufgefallen sei: Der Zentralbau erinnerte sie weder an das Mittelalter noch an die gotische Bauweise – ihnen mutete der Bau orientalisch an. Das war der Beginn einer monatelangen Recherche und eines Romans, der einen ganz neuen Blickwinkel auf Karl den Großen wirft. Und so beginnt die Lesung nicht in Aachen, sondern im Bagdad des Jahres 794.

Dort wird ein Händler, der bereits in Aachen Handel betrieben hat, zum Kalifen gerufen und soll berichten, wer dieser Kaiser Karl sei. Die Geschichte entwickelt sich weiter, bis Karl und der Kalif Freunde werden und sich gegenseitig Geschenke machen: nicht zuletzt den sagenumwobenen weißen Elefanten, der aus der fernen arabischen Welt nach Aachen gebracht wird. Auch der Kuppelbau des Doms soll ein Geschenk des Kalifen sein, der für den Bau einen seiner Baumeister in die Domstadt schickt.

Wie genau sich alles zugetragen hat und was es mit der eigentlichen Hauptfigur, der sogenannten „Zeichnerin“, nach der auch das Buch benannt wurde, auf sich hat, verrät Martina Kempff an diesem Morgen nicht. Denn den Zuhörern, die das Werk noch nicht gelesen haben, soll nicht zu viel verraten werden.

Nach einer kurzen Pause, in der Kempff erste Bücher signiert und mit Begeisterung Fragen beantwortet, wird es dann mörderisch spannend. Viele der Eschweiler sind genau aus diesem Grund hergekommen: Sie wollen aus dem Mund der Autorin die Geschichte der pummeligen Berlinerin Katja hören, die es in die tiefste Eifel verschlägt und der dort der ein oder andere Mord vor die Füße fällt.

„Ich bin total begeistert von ihrer Art, über die Menschen zu schreiben“, sagt Gisela Richter. „Das hat so etwas liebevolles zu den Menschen mit all ihren Eigenschaften und Problemen.“ Und tatsächlich ist es nicht die Kriminalgeschichte, die Kempff in den Mittelpunkt rücken will, sondern der Eifler. „Ich möchte etwas über die Eifel, die Menschen dort und deren Bräuche transportieren“, bestätigt die Schriftstellerin. Um das zu erreichen, benutze sie den seichten Krimi, Humor und Charme.

Um in die Zusammenhänge ihrer Krimis einzuführen, hat Martina Kempff eine Karte vorbereitet. Auf der kann sie gut zeigen, wo sich ihre Krimis abspielen, denn der Ort Kehr, an dem all die wunderbaren Morde passieren, existiert wirklich. Hier hat Martina Kempff sogar sieben Jahre selbst gelebt. Auf die Frage, wie die Menschen reagierten, als sie den Ort zum Mordschauplatz machte, sagt sie lachend: „Ich habe sieben Jahre dort gelebt und habe fünf Menschen kennengelernt. Von denen hatte damit noch niemand ein Problem.“ In Kehr ist eben jeder für sich.

Realität trifft auf Fiktion

Wer schon einmal einen Ausflug nach Kehr gemacht hat, wundert sich: Obwohl der Ort existiert, existieren noch lange nicht alle Schauplätze, die es in Kempffs Krimis zu sehen gibt. „Wer in Kehr war, weiß, dass dort nichts ist. Und wo nichts ist, kann alles sein“, sagt Kempff und beginnt zu lesen.

In „Bekehrung“ ist es tiefer Winter und trotz verschneiter Straßen hat sich in Katjas Restaurant eine einzige Frau eingefunden. Eine feine Dame, mit tadellosem Make-up und einem Lächeln, das Katja befremdlich vorkommt. Zu Recht, denn nur wenige Minuten später hat die Frau den Mann, mit dem sie scheinbar verabredet war, erschossen – lächelnd. Dann ist sie ganz schnell weg und zurück bleibt Katja, die als einzige gesehen hat, wie der Mann gestorben ist. Noch spannender wird es, als die beiden Frauen vom belgischen Polizeibeamten Langer erfahren, dass der Fremde ein vermisster Pfarrer ist.

Getreu dem Motto, man soll enden, wenn es am spannendsten ist, beendet Martina Kempff an dieser Stelle ihre Lesung. Für den ein oder anderen kam das etwas unerwartet und hat sicherlich den Wunsch geweckt, gleich weiterzulesen. Kein Problem, denn Librodrom-Geschäftsführerin Hannelore Wolters hatte sich bereit erklärt, einige Exemplare mit in die Bibliothek zu bringen.

Für Martina Kempff war der Vormittag wunderbar: „Die Atmosphäre war toll, vor allem, weil das Eschweiler Publikum sehr zugeneigt ist. Das freut mich und macht mich locker“, erklärt die Autorin. Und dann verrät sie noch ein Geheimnis: „Wer alle meine Krimis liest, wird feststellen, dass in jedem auch Kaiser Karl auftaucht. Das ist so ein Spiel, das ich spiele.“ Eine Bestätigung dafür, dass es ihr die Geschichte und vor allem Kaiser Karl angetan haben.

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