Nachfrage nach Wohnraum in Eschweiler steigt weiter

Von: Rudolf Müller
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Moderne Wohnungen in angenehmer Umgebung: Lange verdichtete sich das Baugeschehen auf Ein- und Zweifamilienhäuser. Das ändert sich derzeit: Am Ringofen zum Beispiel errichten private Investoren derzeit mehrere attraktive Wohnkomplexe. Foto: Rudolf Müller
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Eschweilers hässlichste Baulücke verschandelt das Bild der Dürener Straße. Hier, so teilt Bürgermeister Rudi Bertram mit, gebe es seit einigen Monaten Gespräche unter mehreren Eigentümern, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Attraktive Grundstückspreise zwischen 120 und 215 Euro je Quadratmeter, eine gute Infrastruktur mit einem breiten Angebot an Kindergärten und Schulen, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten sowie kulturelle Angebote samt guten Anbindungen an das regionale und überregionale Straßennetz – das sind Eigenschaften, mit denen Eschweiler punkten kann.

Ergebnis: Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ist Eschweiler die einzige Stadt im früheren Regierungsbezirk Aachen, die bis Mitte/Ende der 20er Jahre weiter wachsen wird. Ein Trend, der schon seit Jahren anhält: Am 1. August hatte Eschweiler 58.366 Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz in der Indestadt – 2010 waren es noch 56.597. Ein Zuwachs um 1769. Zieht man Zahl der hier lebenden Flüchtlinge ab, bleibt immer noch ein Plus von über 1300. Und auch das Herausrechnen der mit Nebenwohnsitz hier gemeldeten Bürger ändert das Bild nicht: 2010 hatten 55.443 Menschen hier ihren Hauptwohnsitz, am 1. August dieses Jahres waren es 57.282.

Die Stadt hat auf das rege Interesse von Menschen, ihren Lebensmittelpunkt in die Indestadt zu verlegen, reagiert. Und tut dies weiter. „Zwischen 2010 und 2016 wurden 21 Bebauungsplanverfahren mit einem Potenzial von circa 1000 Wohneinheiten abgeschlossen, bei denen die Erschließung gesichert ist“, listet der Technische Beigeordnete Hermann Gödde auf. „Zehn Bebauungspläne wurden rechtskräftig, bei denen die Erschließung – noch – nicht gesichert ist. Hierbei handelt es sich größtenteils um Flächen privater Eigentümer mit einem Potenzial von weiteren circa 50 Wohneinheiten. Weitere zwölf Bebauungspläne mit circa 450 Wohneinheiten sind zurzeit im Verfahren.“

Am stärksten wachsende Stadtteile: Kinzweiler/Hehlrath und Dürwiß. Der Wachstumstrend spiegelt sich auch in der Zahl der Baugenehmigungen wider. Zwischen 2010 und 2016 erteilte die Stadt Baugenehmigungen für insgesamt 1732 Wohneinheiten. Davon entstanden 1066 Wohneinheiten in Neubauten und 666 weitere durch An-, Um- und Ausbauten. Macht im Schnitt 247 Wohneinheiten pro Jahr.

Es sind überwiegend private Investoren, die hier Wohnraum schaffen, und die kommen meist aus der Stadt selbst, wie Hermann Gödde erläutert. „Aber auch überregionale Investoren sehen zunehmend das große Potenzial in Eschweiler,“ Beispiele: Seniorenresidenz Weisweiler, Marktforum Langwahn und Rathaus-Quartier.

Das schnelle Wachstum hat allerdings auch Nachteile: Wohnbauflächen werden knapp in Eschweiler. Die Stadt hat deshalb in Kooperation mit Immobilienexperten das „Handlungskonzept Wohnen“ auf den Weg gebracht, das Grundlage für die Herausforderungen der kommenden Jahre sein soll. Darin geht es vor allem um drei Schwerpunkte: Aktivierung von Baulücken, Innenentwicklung und Schaffung neuer Wohngebiete an den Ortsrändern. Wie gefragt letztere sind, zeigt das Beispiel Ackerstraße: Hier entstand und entsteht ein eigenes Ortsviertel mit 57 Wohnhäusern. Die Grundstücke waren innerhalb weniger Wochen vergeben – mehr als 120 Interessenten hatten sich auf die Liste setzen lassen.

Die Stadt wachsen lassen – und das bei möglichst geringem Flächenverbrauch. Das ist eine Forderung, die seit langem alle politischen Kreise verfolgen und eines der Ziele des Handlungskonzepts. „Mit gutem Beispiel kommen wir dieser Forderung nach. Innenentwicklung steht ganz oben“, betont Hermann Gödde. Beispiele hierfür sind die „Neuen Höfe“ in Dürwiß, aber auch die Überplanungen von Indestadion und Sportplatz Patternhof.

Sozialer Wohnungsbau

„Wir brauchen Wohnungen für alle gesellschaftlichen Schichten, querbeet“, sagt Bürgermeister Rudi Bertram. Dies sei auch als Wirtschaftsfaktor von Bedeutung: „Von ansiedlungswilligen Unternehmern hören wir immer die Frage: Gibt es hier ein adäquates Wohnungsangebot für unsere Mitarbeiter?“

In Sachen sozialer Wohnungsbau, so betont Hermann Gödde, sei Eschweiler gut aufgestellt: „Da hat Eschweiler einen guten Sockel. Denn anders als viele andere Kommunen deutschlandweit haben wir vor Jahren den Bestand nicht veräußert, sondern immens darin investiert.“ Dennoch seien weitere Bauten nötig. So sei ein Projekt an der Dürener Straße in Weisweiler in Planung. Und der Bau mehrerer großer Mehrfamilienhäuser zum Beispiel am Ringofen belege, dass sich sozialer Wohnungsbau auch für private Investoren durchaus rechne.

Ein besonderes Augenmerk hat die Stadt auch auf die zahlreichen Baulücken gelegt. 325 davon hat die Stadt ausgemacht. Und die summieren sich auf stolze 182.959 Quadratmeter. Baulücken, die innerhalb bebauter Ortsteile im Geltungsbereich eines rechtskräftigen Bebauungsplans liegen, aus genau einem Flurstück bestehen, nicht geteilt oder vereint werden müssen, erschlossen sind und direkt bebaut werden könnten. Betonung auf „könnten“. „Uns ist klar, dass viele Eigentümer diese Flächen lieber als Garten nutzen oder für ihre Kinder freihalten“, sagt Hermann Gödde. „Nur ein geringer Teil davon könnte aktuell zur Bebauung anstehen.“

Welche Flächen da infrage kommen, will die Stadt jetzt klären: durch ein in Kürze herausgehendes Schreiben an alle betreffenden Eigentümer mit der Bitte, mitzuteilen, was sie mit ihren Arealen vorhaben. Allerdings: „Man darf Verdichtung auch nicht übertreiben“, sagt Gödde. „Grün ist in der Stadt ein wichtiges Thema, gerade auch im Zusammenhang mit der Klimaveränderung. Wir brauchen zum Beispiel Flächen, auf denen Regen versickern kann. Wir müssen also genau hinschauen, wo eine Verdichtung sinnvoll ist und wo nicht.“

Regionalplan in der Diskussion

Immerhin: Eschweiler nutzt seine Potenziale, um einerseits der Nachfrage gerecht zu werden, andererseits nicht zu sehr in die Natur an den Ortsrändern einzugreifen. Ganz ohne Ausweisung neuer Baugebiete im Grünen aber wird es nicht gehen, sind sich Bürgermeister Rudi Bertram und sein Beigeordneter einig. Sie wollen mit klaren Vorstellungen über Entwicklungsflächen in die bevorstehenden Gespräche mit der Bezirksregierung Köln zur Neuaufstellung des Regionalplans gehen, der den Rahmen für die städtebauliche Weiterentwicklung Eschweilers in den kommenden Jahren vorgibt.

„Die Vorbereitungen laufen, auch in Zusammenarbeit mit der Städteregion, den städteregionsangehörigen Kommunen, der Innovationsregion Rheinisches Revier und dem Kreis Düren“, so Gödde. Dabei geht es nicht nur um mögliche Wohnbauflächen, sondern auch um grenzübergreifende Gewerbeflächenkonzepte wie auch um das angestrebte Industriedrehkreuz Weisweiler. Dies alles nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der absehbaren Schließung des RWE-Kraftwerks Weisweiler und dem damit verbundenen Fortfall von Arbeitsplätzen.

Vor wenigen Wochen erst wurde bei der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (AGIT) ein Gewerbeflächenkonzept für die Städteregionskommunen in Auftrag gegeben. „Der laufende Strukturwandel und der Wegfall von Arbeitsplätzen und Flächen werden wichtige Argumente und Grundlagen für die Gespräche sein“, betont Gödde. Er hofft, dass die Bezirksregierung der Indestadt zugute halten wird, in besonderer Weise vom Strukturwandel betroffen zu sein – „und dass man uns deshalb einen Bonus einräumt“.

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