Eschweiler - Nach Ladenschluss heulen die Motoren

Nach Ladenschluss heulen die Motoren

Von: Patrick Nowicki
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Vorbei ist es mit der Nachtruh
Vorbei ist es mit der Nachtruhe von Jens Dietze: Wenn die Kassen des Real-Marktes schließen, wird der Parkplatz zum Treffpunkt für junge Autofahrer. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Der Bass dröhnt unentwegt, an Schlaf ist nicht zu denken. Jens Dietze blickt auf die Uhr: 2.30 Uhr. Nicht zum ersten Mal schreckt der Familienvater auf. Regelmäßig wecken ihn quietschende Reifen, heulende Motoren und harte Bässe. Dietze wohnt mit seiner Familie an der Auerbachstraße.

Die Parkplätze der dortigen Supermärkte sind längst zum beliebten nächtlichen Treffpunkt und zur Rennstrecke verkommen. Jetzt haben die Anwohner die Nase voll.

„Ich habe ja Verständnis dafür, dass sich die jungen Leute treffen wollen”, sagt Jens Dietze. Aber dann solle man Rücksicht auf die Anwohner nehmen. Mehrfach rief man die Polizei, auch die Betreiber des Real- und Media-Marktes wurden angesprochen, schließlich liegt die Lösung des Problems auf der Hand. Wenn der Zugang zu den Parkplätzen nach Geschäftsschluss gesperrt ist, kann das Areal in der Nacht auch nicht mehr als Rennstrecke genutzt werden. Dies scheint allerdings bisher nicht möglich, zumal die Fläche zwischen Real- und Media-Markt auch für die nächtliche Warenanlieferung genutzt wird. Genau dort befinden sich jedoch die überdachten Bereiche, die zum abendlichen Treffpunkt geworden sind.

Mehrere Behörden sind inzwischen mit dem Problem befasst. Jens Dietze hat beobachtet, wie Hütchen aufgestellt wurden und eine größere Menge Menschen auf dem Parkplatz Beifall klatschten.Die Polizei war häufiger vor Ort. Von illegalen Rennen ist allerdings nichts bekannt, teilt Sprecherin Sandra Schmitz mit. Allerdings sei man mehrfach gerufen worden und habe auch schon Platzverweise erteilt. „In den Sommermonaten und in den Ferien kommt es häufiger vor, dass sich die jungen Leute einen Treffpunkt suchen. Dann wird meistens auch die Musik aufgedreht, was natürlich ärgerlich ist für die Anwohner”, so Schmitz. Bei Ruhestörung sei allerdings das Eschweiler Ordnungsamt erster Ansprechpartner.

Dass die Auerbachstraße auch für riskante Fahrmannöver und rasante Fahrten genutzt wird, schließt Sandra Schmitz nicht aus. Die Polizistin rät grundsätzlich dazu, sich die Kennzeichen von Rasern zu notieren, die einen um die Nachtruhe bringen. „Meistens können wir nicht so schnell vor Ort sein, dass wir die Fahrer noch erwischen”, bittet sie um Verständnis.

Die Anwohner selbst haben schon mit den jungen Leuten gesprochen. „Meistens war es danach etwas ruhiger, aber es sind ja jedes Mal andere”, verspürt Jens Dietze keine Lust, jede Nacht den Gang zum Parkplatz vor seiner Haustür anzutreten. Nicht nur er wird um den Schlaf gebracht, auch sein eineinhalb Jahre alter Sohn und seine schwangere Frau. „Natürlich wird man dann immer aufgebrachter”, sagt er.

Unterstützung erhält er auch von Rita Frohn: „Ich wohne seit 38 Jahren hier, aber so schlimm wie in den vergangenen Wochen war es noch nie.” Man habe sich natürlich damit abgefunden, dass es während der Bauarbeiten zu Beeinträchtigungen kam. Auch der Lkw-Verkehr sei normal - aber eben nicht die nächtlicher Raserei, verbunden mit lauten Partys.

Jens Dietze wandte sich auch an die Leitungen der beiden großen Märkte. Dort habe man ihm versichert, sich um die Angelegenheit zu kümmern. „Leider hat sich die Situation in den vergangenen Wochen sogar verschärft”, ist Dietze enttäuscht.

Stadt will vermitteln

Das Gespräch sucht nun auch die Stadt Eschweiler. „Wir werden die Grundstückseigentümer kontaktieren und hoffen auf eine gemeinsame vernünftige Lösung”, sagt Stadtsprecher Stefan Kaever. In seinen Augen müsse man sowohl die Anlieferung sichern, als auch die Interessen der Anwohner berücksichtigen. Allerdings wusste die Stadt bis Dienstag nichts von dem Unmut Nachbarn an der Auerbachstraße. Bisher seien keine Beschwerden bekannt, teilte Kaever mit. Allerdings sei es sicher in beiderseitigem Interesse, zu einer Lösung zu kommen, ist Kaever überzeugt.

Die Bewohner an der Auerbachstraße wollen in jedem Fall nicht mehr tatenlos zusehen. Dietze hat sich schriftlich an die Marktleitungen gewandt. „Wir haben kein Interesse daran, ständig nachts auf Ihrem Grundstück für Ruhe zu sorgen”, heißt es in dem Schreiben. Auch weitere rechtliche Schritte will er nicht ausschließen, sollte man keine Maßnahmen gegen den nächtlichen Lärm ergreifen.

Die Leitungen beider Märkte an der Auerbachstraße waren Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
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