Nach dem Festival ist vor dem Festival

Von: Rudolf Müller
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Eschweiler Music Festival 2017: Proppenvoll war der Marktplatz beim Konzert dreier Kölschrock-Bands am Sonntagnachmittag. 4999 Besucher – die zulässige Höchstzahl feierten mit Cat Ballou, den Bläck Föös und Kasalla. Foto: Rüttgers/Müller
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Veranstalter Max Krieger zog eine erste Bilanz des EMF – des ersten Festivals auf dem Markt, das Eintritt kostete. Foto: Rüttgers/Müller

Eschweiler. Die E-Mails stapeln sich in Max Kriegers Smartphone. Da bedanken sich Besucher für den „wunderschönen Opernabend“, da bedankt sich Kasalla für den Auftritt auf der Marktbühne, bei dem „alles bestens“ gewesen sei, und da sagen die Blues Brothers ein herzliches Dankeschön für die „beispielhafte Organisation und Kommunikation“.

Das erste Eschweiler Music Festival, bei dem die Besucher auf dem Marktplatz Eintritt zahlen mussten, weil ein so aufwendiges wie hochkarätig besetztes Festival nur mit Sponsorengeldern bei weitem nicht zu stemmen ist, liegt hinter uns. Die Besucher hatten ihren Spaß, die Wirte ihren Umsatz.

Und wie zufrieden ist Max Krieger? Der veranstaltet das Festival seit 26 Jahren als Privatmann, auf eigenes Risiko, und nicht, wie viele annehmen, im Auftrag der Stadt gegen Bezahlung. So stapeln sich bei Krieger nicht nur die Mails, sondern auch Rechnungen: Gagen, Gema, Künstlersozialkasse, Hotels, Flüge, Technik, Catering und und und... 32 Prozent der Gagen werden als Ausländersteuer fällig.

Finanziell, so zieht er Bilanz, „sehe ich das als Werbeveranstaltung und Investition in das EMF im nächsten Jahr“. Denn ein Festival, zu dem Eintritt bezahlt werden müsste, lasse sich nun mal nicht von heute auf morgen durchsetzen. „Aber ich bin sicher, das man spätestens in zwei Jahren feststellen wird, dass dies der richtige Weg war, um das EMF auch über die nächsten zehn Jahre zu sichern und qualitativ aufzuwerten.“ Ideen dazu hat Max Krieger bereits.

Die Besucher, die diesmal kamen, taten dies gezielt der Musik wegen. Und nicht, um sich an Bierwagen bei freiem Eintritt einen schönen Abend mit Musik im Hintergrund zu machen.

Wird es auch im kommenden Jahr ein viertägiges Festival mit einem Klassik-Abend geben? „Das muss jetzt genau geprüft werden. Es ist zwar sehr schwierig zu finanzieren, aber ich glaube, auf den Klassik-Abend zu verzichten, täte vielen Eschweilern weh. Schon jetzt hatten wir zu Nabucco deutlich mehr Besucher als zur Operngala im Vorjahr.“

Ein kurzes Statement Kriegers

Nabucco: „Der Abend hat nicht nur die Besucher überzeugt, sondern auch die Künstler. Der Platz vor der Kirche, so haben mir die Akteure versichert, sei der beste und schönste Platz ihrer gesamten Tournee gewesen.“

Blues Brothers Band: „Ich bin dankbar, dass ich die Band nach der Absage von Santiano kurzfristig engagieren konnte und dass sie beim Publikum sehr gut angekommen ist. Die Leute, die da waren, waren echte Fans!“

Hermes House Band und Lou Bega: „Ich war erleichtert, als ich sah, in welch toller Stimmung die eigens für die Hermes House Band und Lou Bega teils von weither angereisten Fans mitgingen. Sicher hätte der Marktplatz, der ja durch die Umgestaltung auch eine um fast 40 Prozent größere Kapazität hat als vorher, etwas voller sein können. Aber manchmal ist ein bisschen weniger eben mehr!“

Cat Ballou, Bläck Fööss und Kasalla: „Der Nachmittag war in kürzester Zeit ausverkauft. Das war eine riesige, harmonische Familienfeier – einfach schön für jeden, der da mitgefeiert hat. Dabei hatten wir zunächst große Bedenken, ob die Bands nach dem grauenhaften Unfall auf der A4, die dann über viele Stunden voll gesperrt war, überhaupt rechtzeitig würden anreisen können.“

Jugend rockt: „Verbesserungswürdig. Ich überlege, diese Veranstaltung wieder auf den Sonntag zu legen, zeitlich nah an den Headliner. Dan hätten die Nachwuchsbands deutlich mehr Publikum. Die Bands jedenfalls waren begeistert, auf der großen Bühne professionell präsentiert zu werden – mit Top-Technik und bestem Sound.“

Kneipenrallye: „Spitze wie immer. Wobei der Samstagabend noch besser war als der Freitagabend. Und Befürchtungen, dass die Rallye unter Zuschauerschwund leiden würde, weil die Leute nach den Bezahlkonzerten nach Hause fahren würden, haben sich nicht bewahrheitet. Zahlreiche Gäste waren in den Kneipen, die vorher nicht auf dem Marktplatz waren. Es war fast überall packevoll.“

Gastronomie: „Schön, dass ein gemeinsames Konzept und Erscheinungsbild die Attraktivität des Marktplatzes deutlich steigert. Allerdings ist zu überlegen, ob ich weiterhin allein das gesamte Risiko trage, während die Gastronomie vom EMF erheblich profitiert.“

Sicherheit: „Das EMF zeichnet sich gegenüber anderen Festivals auch durch das Niveau seiner Besucher aus. In 26 Jahren hat immer alles geklappt, Auch diesmal hat es keine Pöbeleien, keine Schlägereien, keinen Vandalismus gegeben. Das ist nicht selbstverständlich.“

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