Mutter Scharwache zündet ein Feuerwerk

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Ein prächtiges Nagetier: „Schwarwachmüsje” René Külzer ist und bleibt ein Garant für erstklassige Büttenreden.

Eschweiler. Wenn die Dürwisser Festhalle in den Stadtfarben leuchtet, Uniformierte sowie pompös gekleidete Damen ihr Unwesen treiben und sich zudem auch noch die Fünfte Jahreszeit mit wahnsinnig großen Schritten nähert, dann ist eines völlig klar: „Herangerückt ist nun die Zeit, wo Karneval regiert.

Und wo der Prinz hier weit und breit sein närrisch Zepter führt.” Ist der närrische Funke nun schon übergesprungen? Wenn nicht, folgt zunächst ein kleines Rätsel: Im Saal, erklingt „Stipp, Stipp, Hurra” - das eine oder andere Mal. Spätestens an dieser Stelle müsste des Rätsels Lösung doch auf der Hand liegen. Es waren die Scharwächter, die in der Festhalle Dürwiß zur Gala-Sitzung eingeladen hatten.

Nachwuchsredner

Denn zum Feiern gab es auch allen Grund: Die Eschweiler Scharwache schaut auf 130 Jahre Vereinsgeschichte zurück und bot aus diesem Anlass ein Programm, das die mehr als fünf Stunden pure Unterhaltung nur so dahinschnellen ließ. Jonas Winz machte den Anfang. Der Nachwuchs-Redner und - wie soll es anders sein - „Fastelovendsjeck” betrat die Bühne als Lump mit einem heruntergekommenen Einkaufswagen. Darin beherbergte er seine promillehaltigen Schätze. Er bemerkte recht schnell, dass Leute vom Land noch wissen, wie sie ihr Vermögen durchbringen. Denn trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage seien sie in aller erster Linie zur Gala-Sitzung der Scharwache gekommen. In sehr ruhigem Ton erklärte er dann: Am schönsten schwindet das Vermögen mit Frauen, am einfachsten im Internet und am schnellsten mit griechischen Staatsanleihen. Schockiert über diese Tatsache, fiel ihm sogleich der Hut vom Kopf, doch die rettende Hand eines Scharwächters war in unmittelbarer Nähe.

Dies war auch das Startsignal für die 14 Tänzer der vereinseigenen Jugendtanzgruppe. Sie alle rockten ganz putzig im Grease-Style die Bühne und schwangen Petticoats sowie Lederhosen wie wahre Rockstars der 70er Jahre.

Und dann kam „Et Scharwachmüsje” René Külzer. Er sei nach eigenen Angaben etwas runder geworden, dennoch stehe ihm blau-gelb nach wie vor ausgezeichnet. Er kennt seine Eschweiler Pappenheimer wie kein anderer und ihm nimmt niemand die Witzchen über echte Eischwiele Bürger und den trostlosen Anblick der Innenstadt übel. Denn er ist und bleibt „ein Garant für beste Scharwach-Unterhaltung”, so Präsident Dr. Heinz Jansen und ergänzte sogleich: „Er ist unser Botschafter der Freude und des Humors - Stipp, Stipp, Hurra!”

Bevor sich der Elferrat sodann in die Pause verabschiedete, begrüßte er die befreundete Gastgesellschaft, die KG Rote-Funken-Artillerie. „Wir gehen gute gemeinsame Wege, und es ist schon einige Jahre her, dass wir eine Gastgesellschaft hier begrüßen konnten”, so Jansen weiter. „Es ist egal, welche Uniform wir tragen, die Hauptsache ist doch, dass wir überhaupt eine tragen.” Umso mehr freuten sie sich über den wahrhaft erstklassigen Auftritt der Rote-Funken-Artillerie.

Wirbelstürme auf der Bühne

An dieser Stelle war noch lange nicht Schluss. Die Ratsherren aus Unkel heizten den Gästen nach der Pause ordentlich ein. Sie fegten wie Wirbelwinde über die Bühne, nein, wie Wirbelstürme. Allesamt standen im Saal, tanzten, lachten und lauschten der „handgemachten Musik” dieser talentierten Entertainer, die sogleich die Bühne für die Stepptanz-Gruppe der Scharwache, „Chapeau Claque”, räumten.

Nachdem das Scharwachseptett, das seit Jahrzehnten auf dieser Veranstaltung auftritt und der Stadt musikalisch den Spiegel vorhält, einen zum Besten gab, kam Jürgen Becker alias Jürgen B. Hausmann. Schick in Schürze und natürlich extra aus Alsdorf angereist, stellte er gleich zu Beginn fest: „FDP - Fermiss Dich Pfoll”. Endlich hatte er sein Schwarwach-Publikum wieder, und endlich hatten sie ihn. Schließlich ist er der wahre Meister des Plattdeutsch. Der wichtigste Buchstabe im Platt sei ohnehin das „J”. „Julasch, Jürkchen oder Jute Butter” sind da nur einige simple Beispiele. Doch nicht nur das „J” macht die Region so besonders. Es sei zudem weit und breit die einzige, in der es ab und an „kein Wetter” gebe und in der Unterhaltungen wie „Is dat nicht da Dingens? Ja klar, sie is doch dabei” für jeden Einzelnen einen Sinn ergeben.

Da bleibt abschließend nur eines zu sagen: Nä, wat is dat Rheinland schön.
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