Eschweiler - Muslime sind bei Schützen willkommen: Nur der „Chef“ schweigt

Muslime sind bei Schützen willkommen: Nur der „Chef“ schweigt

Von: Sonja Essers
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Im Gleichschritt marsch? Glaubensfragen haben die Schützen bundesweit ganz schön durcheinander gewirbelt. In Eschweiler sieht man das Ganze gelassen. Foto: Laura Beemelmanns
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In Stolberg dürfen Muslime und Andersgläubige Schützenhüte tragen. Foto: imago

Eschweiler. Darf ein Moslem Schützenkönig werden? Auch in der Indestadt beschäftigen sich die Mitglieder der Bruderschaften mit der Debatte um den muslimischen Schützenkönig Mithat Gedik und beantworten diese Frage mit einer Gegenfrage: Warum nicht?

„Gläubig sind wir doch schließlich alle auf eine gewisse Art und Weise“, meint die Brudermeisterin der St.-Blasius-Schützenbruderschaft Eschweiler-Kinzweiler, Susanne Bonn, und verweist damit auf den Leitgedanken der Schützenbruderschaften: Glaube, Sitte, Heimat. Sie meint: „Vom Bund wird es nicht erlaubt, dass Muslime Mitglieder in den Bruderschaften werden, aber ich finde, man sollte das ändern.“

Das wiederum ist jedoch nicht einfach. Schließlich ist der Leitgedanke, samt der daran geknüpften Bedingungen, bereits in der Satzung des Bezirksverbandes Eschweiler verankert. In Paragraph zwei, der den Titel „Wesen und Zweck“ trägt, steht geschrieben, dass das „Bekenntnis des Glaubens“ durch das „Eintreten für die katholischen Glaubensgrundsätze und deren Verwirklichung“ erfolge.

Susanne Bonn ist mit ihrer Meinung jedoch nicht alleine. Unterstützt wird sie von Ernst Bartels. Der Brudermeister der St.-Longinus-Schützenbruderschaft Eschweiler-Ost fordert: „Wer hier wohnt und seinen Beitrag zahlt, der soll auch Schützenkönig werden dürfen.“ Er selbst kenne einige Moslems, die in Bruderschaften aktiv seien. Welchen Bruderschaften sie angehören, verrät er jedoch nicht. Probleme gegeben habe es diesbezüglich nie, ist er sich sicher.

Bleibt die Frage, warum sich der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) mit der Aufnahme der Muslime schwer tut. Bezirksbundesmeister Dieter Woche wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht zu diesem Thema äußern. Er sagte lediglich, dass dieses Thema in Eschweiler nicht akut sei und verwies auf ein Statement des BHDS, das in der vergangenen Woche auf dessen Internetseite veröffentlicht und an alle Schützenbruderschaften weitergeleitet wurde. Darin heißt es unter anderem: „Würden Nichtchristen in unseren katholischen Bruderschaften Mitglieder werden, bedeutete dies letztendlich, das Recht auf eigene Identität und Bindung zur katholischen Kirche aufzugeben.“

Für Aussagen wie diese hat Susanne Bonn wenig Verständnis. „Man lebt hier komplett integriert, aber in einen Verein soll man nicht dürfen? Das finde ich nicht in Ordnung“, meint die Brudermeisterin der St.-Blasius-Schützenbruderschaft Eschweiler-Kinzweiler und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass man in Zukunft einen Mittelweg findet. Damit beide Seiten zufriedengestellt werden können.“

Ernst Bartels verweist auf ein weiteres Problem, mit dem sich Schützenbruderschaften heutzutage auseinandersetzen müssen. „Gerade in der heutigen Zeit, in der die Schützenbruderschaften dringend Nachwuchs benötigen, sollte man doch froh sein, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die ein solches Amt ausüben wollen.“

Aus diesem Grund wünscht Bartels sich mehr Toleranz von Seiten der Bruderschaften. „Wenn wir diese Menschen nicht integrieren, dann fühlen sie sich hier auch nicht zuhause.“ In anderen Bereichen, wie dem Fußball, sei dies schließlich auch kein Problem. „Warum sollten sie dann nicht auch zu den Schützen gehen?“

In Eschweiler-Ost gehe man mit diesem Thema sehr offen um. Auf Schützen- und Sommerfesten feiere man regelmäßig gemeinsam mit muslimischen Mitbürgern, berichtet Maria Bartels. Das sei jedoch nicht immer so gewesen.

Bereits vor 20 Jahren waren in der Jungschützengruppe der Bruderschaft vier muslimische Kinder aktiv. Da dies jedoch nicht von allen Mitgliedern gerne gesehen wurde, holte sich Maria Bartels Rat beim damaligen Pfarrer. „Er hat mir versichert, dass er dahinter stehe“, sagt die Geschäftsführerin der Bruderschaft und fügt hinzu: „Schließlich steht schon in der Bibel geschrieben: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.“ Und danach sollte man sich auch richten, meint Bartels.

Willi Heidbüchel, Brudermeister der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Eschweiler-Mitte ist sich sicher, dass dieses Thema die Verantwortlichen nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft beschäftigen wird. „Man muss darüber beraten, wie es weitergehen soll“, sagt der Brudermeister, „wenn ein Moslem Mitglied in einer Bruderschaft werden möchte, muss er natürlich auch deren Ideale anerkennen.“

Er kann sich noch an Zeiten erinnern, in denen darüber diskutiert wurde, ob Geschiedene dieses Amt ausüben dürften. Das sei nun vom Tisch. „Bei uns kann man König oder Königin werden, wenn man zu unseren Idealen steht. Da spielt es keine Rolle, ob man geschieden ist oder nicht.“

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