Eschweiler - Musikgesellschaft setzt Glanzpunkte

Musikgesellschaft setzt Glanzpunkte

Von: mlo
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Zum Sommerkonzert hatten Chor- und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler unter Leitung von Horst Berretz eingeladen. Marlies Buchmann (Sopran) sang Lieder von Gustav Mahler und sorgte damit für einen weiteren Glanzpunkt. Foto: Marie-Luise Otten

Eschweiler. Ein beachtenswertes Sommerkonzert gab es am Wochenende mit dem Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft Eschweiler unter Leitung von Horst Berretz. Weitere Mitwirkende waren Marlies Buchmann (Sopran) und Johannes Flamm (Klarinette). Für die Klavierbegleitung sowohl für den Chor als auch für die Sängerin war Theo Palm in der Aula der Adam-Ries-Schule zuständig.

Das Orchester eröffnete den Abend mit dem ersten Satz „Pastorale“ aus der Symphonie Nr. 6 in F-Dur von Ludwig van Beethoven, den es beschwingt und voll heiterer Gefühle interpretierte. Diese Empfindung speiste sich aus Beethovens großer Naturliebe und all den Inspirationen, die er aus der Natur entziehen konnte. Nicht umsonst heißt der Satz „Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande“.

Der Zeitsprung in die Gegenwart gelang mit Auszügen aus dem „Bauernkalender“ für Sopran, gemischtem Chor und Kammerorchester von Professor Friedrich Radermacher (geb. 1924), der an diesem Abend unter den Konzertbesuchern weilte. Die Monate Januar bis April hatte der stellvertretende Direktor an der Musikhochschule Köln (1952-1976) nach Gedichten von Josef Weinheber musikalisch umgesetzt. So hörte man im Januar das Stapfen der drei Könige im Schnee, im Februar das gellende Schreien der Dohlen. Der Frühling kündigte sich mit der Bitte an Gott um ein gutes Jahr im März an, und der „April macht, was er will“. Das recht schwierige Werk war auch für die Darbietenden eine Herausforderung, die sie aber gut und verständlich bewältigten, so dass sie viel Applaus vom Publikum für die großartige Leistung erhielten.

Seit dem Freilichtkonzert beim Stadtjubiläum 2008 auf dem Eschweiler Markt wurde die gut angekommene Neuerung, neben klassischen Werken auch Film- und Pop-Musik aufzuführen, fortgesetzt. Zur souveränen Klavierbegleitung von Theo Palm erklangen zwei Welthits von 1931 und 1961. Mit „Dream a little dream“ und „Moonriver“ berührten die Musiker die Herzen und der ein oder andere summte leise mit. Der Frauenchor ließ sich mit „You raise me up“ vernehmen. Der Popsong des Norwegers Rolf Lovland aus dem Jahre 2001, ein Lied um Zuwendung und Liebe in traurigen Momenten, gehört zu den meist heruntergeladenen Noten weltweit. Und auch das Negro-Spiritual „Swing low“ als sechsstimmiges Chorstück dargebracht, fand seine Anhänger.

Zu den beliebtesten Kirchenliedern zählt „Amazing Grace“, das Marlies Buchmann stimmungsvoll zum Besten gab. Es beschreibt den Dank, den John Newton, Kapitän eines Sklavenschiffes 1748 nach der Rettung aus einem schweren Seesturm empfand. Bevor es in die verdiente Pause ging, zeigte das Orchester mit dem Slawischen Tanz Nr. 8 von Antonin Dvoràk, dass es auch in der böhmischen Folklore zu Hause ist. Das klangvolle Stimmungsbild war dynamisch gut, etwas mehr Lebhaftigkeit hätte ihm allerdings gut getan.

Mit Bedrich Smetana gewann die tschechische Musik einen genialen Tondichter, der zum Gründer einer tschechischen Nationalmusik avancierte. Von seinen Werken ist die Sinfonische Dichtung „Die Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ besonders populär. Es wird der Verlauf dieses Flusses beschrieben, der vom leisen Rieseln der Quellen (Flöten und Klarinetten) im Böhmerwald bis zum mächtigen Strom in die Elbe folgt. Das Orchester erhielt zu Recht Bravorufe nach dieser eindrucksvollen Darbietung. Bei dem 2. Satz aus dem „Klarinettenkonzert in A-Dur“ von Wolfgang Amadeus Mozart gab es Passagen, in denen Solo-Klarinettist Johannes Flamm sein Instrument vorführte und dem Stück zu großer Ausdruckskraft verhalf.

Marlies Buchmann setzte dann mit zwei Stücken von Gustav Mahler einen weiteren Glanzpunkt. Märchenhafte Züge wies „Wer hat dies Liedlein erdacht“ auf, das ein Liebeslied an eine lebenslustige Wirtstochter aus der Sicht von drei Gänsen erzählt. Bei der „Fischpredigt des Antonius von Padua“ ging es um den Heiligen, der keine Lust hatte, in leeren Kirchen zu predigen und die Ansprachen stattdessen den Fischen vortrug. Nur zeigte mancher Fisch starke Ähnlichkeit mit den „normalen“ Gläubigen – sie hören zu und ändern nichts.

Der Chor sorgte mit zwei a cappella vorgetragenen Madrigalen von Hans Leo Hassler für weitere gute Laune. Gut verstehen konnte man auch den Text zur Hymne „Schau auf die Welt“ von John Rutter, in der von der Schönheit der Schöpfung erzählt wurde und das Palm auf dem Piano eindrucksvoll untermalte.

Der letzte Auftritt gehörte dem Orchester und einem Paul-Simon-Medley. Preisgekrönte Hits des Duos Simon and Garfunkel wurden zu Gehör gebracht und ließen bei den Besuchern Erinnerungen wach werden. Im vergnügt musikalischen Miteinander gelang den Musikern unter der Leitung von Horst Berretz eine bemerkenswert abgerundete Interpretation. Beendet wurde der Abend mit einem gemeinsamen Lied zum Mitsingen. Mit Beethoven hatten sie angefangen, mit Beethoven wurde aufgehört. „Freude schöner Götterfunken“ sangen und spielten alle im Saal gemeinsam, und damit endete ein vergnüglicher und kurzweiliger Abend.

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