Musiker Chris Proctor beweist im Talbahnhof Humor

Von: psi
Letzte Aktualisierung:
12135787.jpg
Ruht beim Spielen in sich selbst: Gitarren-As Chris Proctor beim Auftritt im Talbahnhof. Foto: Paul Santosi

Eschweiler. Preisgekrönter Besuch im Talbahnhof am Freitagabend in der Konzertreihe „Saitensprünge“: Chris Proctor aus den USA zeigte einigen musikbegeisterten Fans, wo der moderne Hase in Sachen akustischer Gitarre lang läuft.

Der jederzeit vollkommene Ruhe ausstrahlende und sympathische Proctor gewann vor Kurzem den Titel als „US National Fingerstyle Champion“, was ihn in eine Reihe mit Gitarrengrößen wie Leo Kottke und Michael Hedges stellt.

Chris Proctor hat in seiner Jugend einige Jahre in Deutschland gelebt. Seine Kurzansprachen auf Deutsch an das Publikum waren wohlgemeint, aber manchmal auch abenteuerlich schwer verständlich. Gottseidank ist der Mann aber nicht zum Reden, sondern zum Musizieren gekommen. Mit seiner von der renommierten Firma Taylor eigens für ihn hergestellten sechssaitigen Gitarre praktiziert Proctor eine Picking-Technik mit Daumen-Plektrum. Das verschafft dem Klang seines Instrumentes zusätzlich eine tolle Ausdruckskraft im Bassbereich.

Außerdem ist Chris Proctor vermutlich der einzige Akustikgitarren-Spieler, der sich an die Verwendung eines sogenannten „E-Bow“ herantraut. Das etwa feuerzeuggroße Gerät bringt mittels eines Magnetfeldes die Stahlsaiten zum kontinuierlichen Schwingen, was für hübsche Sounds sorgt. Das zeigte er in Coversongs bekannter Hits, wie etwa „Nights in White Satin“ von den Moody Blues. Ansonsten war Chris Proctor dem schönen alten Motto treu: „Ein Mann, eine Gitarre und ansonsten kein Schnickschnack, bitte“.

Stilistisch überschreitet Chris Proctor gerne die Grenzen zwischen Folklore, Country, Pop und Klassik. Wer ein Medley mit eigenen Worten als „Sandwich aus Beatles-Songs mit etwas Donovan in der Mitte“ bezeichnet, besitzt mit Sicherheit eine gute Portion Humor.

Auch nach der Pause gelang es dem Mann aus den USA, gekonnte Brücken zwischen Songs zu schlagen, die man ansonsten eher selten in einer Reihe hört. „Sweet Home Alabama“ mit „Oblida Oblada“ und Elementen aus Bachs Brandenburgischen Konzerten miteinander zu verschmelzen, kann auf der Akustikgitarre interpretiert auch richtig gut klingen. Auch hier erntete Chris Proctor mit dem Versuch, die Titel der Originalsongs eins zu eins einzudeutschen, so manchen Schmunzler. Leider ist Chris Proctor bei seiner diesjährigen Tour durch Europa nur mit leichtem Gepäck unterwegs. Seine zwölfsaitige Gitarre hat er daher, wie er uns in der Pause verriet, daheim lassen müssen.

Kleiner Wermutstropfen auch für die Fans von „Saitensprünge“: das Konzert von Chris Proctor am Freitagabend war möglicherweise das Letzte in dieser Reihe. Produzent Lutz Becker denkt nun über alternative Konzert-Intervalle und Formen der Darbietung nach. Gemessen an den fantastischen Künstlern, die er früher bereits nach Eschweiler holen konnte, bleibt zu hoffen, dass ihm das einerseits gelingt und andererseits der Publikumszuspruch ein wenig größer wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert