Musik mit Löffeln? Thorsten Zappey kann‘s!

Von: Paul Santosi
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Ungewöhnlich, aber dennoch mitreißend: Musik machen mit Löffeln, hier demonstriert von Thorsten Zappey. Foto: Paul Santosi
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Ob Holz oder Metall – Löffel eignen sich bestens zum Musizieren. Foto: Paul Santosi

Eschweiler. Schauen Sie doch bei Gelegenheit mal in ihren Besteckkasten. Da liegt unbemerkt zwischen Knoblauchpresse und Flaschenöffner eines der vermutlich schrägsten Musikinstrumente überhaupt: der Löffel. Unfug? Keineswegs.

Den Holz- oder Metalllöffel als Instrument gibt es mit langjähriger Tradition in der russischen Volksmusik, in Irland, den USA, in der Türkei und natürlich auch in der alpenländischen Folklore. Thorsten Zappey, Gastronom und Inhaber der Eschweiler Kultkneipe „Kleiner Gürzenich“ in der Schnellengasse, ist erklärter Anhänger dieser in unseren linksrheinischen Breiten eher raren Freizeitbeschäftigung und begeisterter Löffler.

Den ersten Kontakt mit dem Perkussions-Teil machte Zappey vor drei Jahren bei einem Besuch in der österreichischen Enklave Jungholz im Allgäu. Im Alpenhof „Reuterwanne“ stieß er auf den Akkordeonspieler, Alleinunterhalter und Musikproduzenten Andi Bühler, der ihn charmant zu einem ersten Löffel-Selbstversuch nötigte. Bühlers eindeutige Aufforderung „Torschtn! Üben, üben, üben!“ nahm er sich in der Folge sehr wohl zu Herzen.

Kurze Zeit später gelang es Thorsten Zappey bereits mit seinen ersten Basis-Löffler-Kenntnissen eine ganze Horde hüftsteifer schwäbischer Touristen innerhalb von Minuten heraus aus der Lethargie und rauf zum Tanzen auf die Tische zu bringen. Einen einstigen Europameister in dieser Disziplin hat Zappey danach auch schon persönlich getroffen, steht dem eher geschwindigkeitsorientierten Leistungs-Löffeln allerdings sehr skeptisch gegenüber. Für den exotischen Gast aus dem Rheinland war zu diesem Zeitpunkt vollkommen klar: a) das macht Laune und b) das muss verfeinert werden.

Wenn er mehrmals im Jahr den Weg nach Jungholz findet, dann ist er dort bereits anerkannt und akzeptiert, begleitet lokale Größen auf Almhütten bei der Volksmusik. Dazu gehört unter anderem Karl Gehring, ein unangepasstes Original, Almwirt, Käse- und Musikhersteller in einer Person. Gehrings Band „El Carlos“ mischt Volksmusik mit Punk und Gehring selbst sieht in manchen seiner Youtube-Videos aus wie eine wilder geschminkte Alpen-Version von Johnny Depp in „Fluch der Karibik“. „Auch in diesem Umfeld“, so Thorsten Zappey schmunzelnd „läuft der Löffel schon ganz gut!“

„Kein Allgäu Trio“

Der 42-jährige Gastronom, der selbst gerne begeistert Crossover-Alpenfolk-Combos wie „La Brass Banda“ hört, besitzt mittlerweile ein ganzes Arsenal an Löffeln aus verschiedenen Materialien. „Holz hat einfach den satteren Sound und ist besser geeignet für traditionelle Volksmusik“, verrät er. Es gibt sowohl Einzel-Holz-Exemplare als auch miteinander verbundene Paare. „Manchmal müssen es aber auch die einfachen Metalllöffel sein. Eigentlich das ideale Instrument in unserer mobilen Welt, leicht zu transportieren und stets einsatzbereit.“ Vor allem in seiner zweiten Heimat in Jungholz, wo er regelmäßig als Gast bei Karl Gehrings „Kein Trio Allgäu“ in der Alpe Stubental auf die Löffel haut.

„Die Jungs haben mittlerweile Vertrauen in mich und ich darf mich des Öfteren so richtig schön austoben.“ Damit aber noch nicht genug. Das nächste Projekt, gemeinsam mit einem quirligen Instrumentenbauer ebenfalls aus Eschweiler, ist schon ausgeheckt. Mittels hochmoderner Trigger-Technik soll ein eigens modifiziertes Löffel-Paar demnächst auch elektrisch verstärkt zum Einsatz kommen. „Kann ich mir mit einem kleinen Verstärker und einem nachgeschalteten Wahwah-Pedal sehr gut vorstellen“, verrät Thorsten Zappey. „Mit einer solchen Installation lassen sich die Grenzen zwischen traditioneller Volksmusik und eher experimentellen Klängen im Nu überwinden“.

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