Musik macht Liebestränen deutlich spürbar

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
cantabilefo
Interpretierte Monteverdis „Sestina” voller Schwermut, aber dennoch ausdrucksstark und lebendig: der Kammerchor „Cantabile”. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Leichte Kost war es nicht, die der Kammerchor „Cantabile” unter der Leitung von Kantor Gregor Josephs während des ersten Teils seines Mitfastenkonzerts am Sonntag in der sehr gut besuchten Pfarrkirche Herz Jesu präsentierte.

Denn die „Sestina” von Claudio Monteverdi (1567-1643) ist mit „Tränen des Liebenden am Grab der Geliebten” überschrieben. Doch wer nun langweilige und monotone Madrigale erwartet hatte, wurde eines besseren belehrt. Den sieben Sängerinnen und fünf Sängern gelang es punktgenau, die große Ausdruckskraft dieses Werkes, das kompositorisch seiner Zeit voraus war, herauszuarbeiten. Langanhaltender Applaus der zahlreichen Zuhörer war der verdiente Lohn.

Der Tod einer Sängerin, die Claudio Monteverdi viele Jahre seines künstlerischen Lebens begleitet hatte, und auch das frühe Sterben seiner Frau waren der Ausgangspunkt für die „Sestina”, die im Jahr 1614 veröffentlicht wurde.

„Sie ist nicht für eine elitäre Oberschicht, sondern für ein breites bürgerliches Publikum geschrieben”, betonte Peter Adrian, eine der drei Bassstimmen bei „Cantabile” vor Beginn des Konzerts. Anschließend interpretierte der Kammerchor die sechsteilige Komposition voller Schwermut, aber dennoch lebendig und präsent.

Nicht zuletzt das Zusammenspiel zwischen den weiblichen Sopran- und Alt- sowie den männlichen Tenor- und Bassstimmen unterstrich die Ausdrucksstärke des Werks, in dessen Verlauf der Schmerz des Trauernden hörbar, spürbar und somit erlebbar wurde. Zwischen den einzelnen Abschnitten der Sestina übersetzte Eva Mertens den italienischen Text ins Deutsche. „Dieser erweist sich als deutlich spröder als die damals zukunftsweisende Komposition”, erklärte Peter Adrian.

Im zweiten Teil des Mitfastenkonzerts stand dann die Hoffnung deutlich im Vordergrund. Ettore Desderis „Vinea mea electa” sowie das „Ave Maria” von Hejtor Villa-Lobos bildeten den Auftakt, bevor mit „Es geht ein Wehen” von Johannes Brahms und der „Frühlingssehnsucht” von Engelbert Humperdinck eben letztere geweckt wurde.

Mit den Kompositionen „Ein Stündlein wohl vor Tag” und „Denk es oh Seele”, zu denen Eduard Mörike die Texte verfasste, ehrten die zwölf Sänger und Chorleiter Gregor Josephs dann mit Hugo Distler einen der wohl bedeutendsten deutschen Kirchenmusiker, der im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Temperamentvoll wurde es im letzten Abschnitt des Konzerts, in dem zunächst das Spiritual „Sometimes I feel like a motherless child” erklang, bevor die Fahrt mit „Boleras Sevillanas” von Enrique Fabres nach Spanien ging. Und auch bei der durch starken Applaus geforderten Zugabe gingen die zwölf Sänger auf Reise. Diesmal auf der „Route 66” quer durch die Vereinigten Staaten.

Den Kammerchor „Cantabile” bilden Elena Milhaus, Jule Klieser, Angela Wilhelm, Katharina Grüne (Sopran), Martina Adrian, Gaby Jansen, Elisabeth Grünheidt (Alt), Josef Kaiser, Theo Wellens (Tenor) sowie Christoph Lingemann, Franz Wolters und Peter Adrian (Bass). Vor allem zusätzliche Tenorstimmen sind gefragt. Interessierte Chorsänger können sich unter 0175 4814073 bei Peter Adrian melden. Die nächste Probe von „Cantabile” findet am Freitag, 3. April, ab 18.45 Uhr im Musiksaal des Städtischen Gymnasiums statt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert