Music Festival: (Fast) so schön wie in Veronas Arena

Von: Rudolf Müller
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Die Besucher in den vollbesetzten Stuhlreihen auf dem Marktplatz konnten sich ins biblische Babylon zurückversetzt fühlen. Sie erlebten mit „Nabucco“ eine grandiose Opernaufführung, von der man noch lange wird reden können. Foto: Rudolf Müller
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Sein ebenso kurzer wie umjubelter Auftritt mit Cristian Lanza wurde fürs brasilianische Fernsehen aufgezeichnet: Roberval Cardoso (rechts).
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Eigens für Cardosos Bossa-Nova-Lieder verstärkte eine brasilianische Rhythmusgruppe das Orchester.
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Cristian Lanza war wie Veranstalter Max Krieger ein gefragter Gesprächspartner vor TV-Kameras.
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Feinste Kost in flüssiger wie fester Form bot die Gastronomie rund um den Marktplatz.

Eschweiler. Ein lauer Sommerabend auf dem Marktplatz, ein Gläschen Sekt unter Platanen, dazu ein Häppchen Lachs in Honig-Dill-Sauce oder ein Krabbencocktail. Feine Gaumenkitzler, die vom 1a-Verwöhnprogramm für die Ohren noch getoppt werden. Mit einer gefeierten Opernaufführung begann am Donnerstagabend das 26. Eschweiler Music Festival (EMF).

Ein Festival, bei dem nach den Anschlägen in Berlin, Nizza und Barcelona mehr denn je Wert auf die Sicherheit der Besucher gelegt wurde: Mit tonnenschweren Wasserbehältern blockierte die Feuerwehr die Zufahrten zum Konzertgelände und machte auch dem verbohrtesten kranken Hirn deutlich, dass hier so gut wie keine Chance bestand, mit einem Auto in die Menge zu fahren.

175 Jahre (und sechs Monate) ist sie her, die Premiere einer der populärsten Opern Giuseppe Verdis in der Mailänder Scala. Am Donnerstag nun erlebten klassikbegeisterte Musikliebhaber auf dem Eschweiler Marktplatz die Geschichte um den babylonischen König Nabucco (Nebukadnezar) und das Streben des jüdischen Volkes, sich aus dem Joch der babylonischen Gefangenschaft zu befreien.

Das Phänomen dieser Oper ist eng mit der Geschichte Italiens verwoben, dessen nördliche Provinz damals unter österreichischer Herrschaft stand. Als glühender Patriot unterstützte Verdi die Freiheitsbestrebungen seiner Landsleute.

Zu den bekanntesten Operngesängen überhaupt zählt der Gefangenenchor „Va pensiero...“, der unter Italiens Patrioten schnell zu einer inoffiziellen italienischen Hymne wurde. Auch dem Namen des Komponisten wurde von den Revolutionären eine eigene Bedeutung zugesprochen: Victor Emmanuel Rex d‘Italia (VERDI).

Heimspiel für Cristian Lanza

Für das Eschweiler Publikum war die Aufführung auf der riesigen Freilichtbühne ein Wiedersehen mit „alten Bekannten“. In der Hauptrolle des Nabucco stand Giulio Boschetti auf der Bühne. Der italienische Opernsänger glänzte in Deutschland bereits mit „Verdi-Gala“-Konzerten.

Als Abigaille war Silvia Rampazzo zu erleben, die im Sommer letzten Jahres vom Eschweiler Publikum bei der Opern-Gala auf der Marktbühne gefeiert worden – ebenso wie Tenor Cristian Lanza, der als Ismaele eine gesanglich schwierige Rolle bravourös darbot und in Eschweiler ein „Heimspiel“ hatte. Seine Familie lebt nach wie vor in der Indestadt, während er selbst seinen Lebensmittelpunkt nach Italien verlegt hat.

Gefeierter Gast aus Brasilien

Seit 23 Jahren feiert die am Donnerstag dargebotene Nabucco-Produktion Erfolge: Im September 1994 in Stuttgart uraufgeführt, war sie bislang auf mehr als 170 Bühnen zu erleben – so in der Tonhalle Zürich, dem International Congress Center in Berlin, im Theater d‘Esche in Luxemburg und in der Alten Oper in Frankfurt. 85 Künstler vor und auf der Bühne machen sie zu einem grandiosen Erlebnis: das Roncole Verdi Orchester aus Italien, der Chor der Opera Polska und zahlreiche italienische Solisten.

Die jüngste Tournee des Nabucco-Ensembles war eigentlich bereits beendet. Doch für das Open-Air-Spektakel in der besonderen Atmosphäre des Eschweiler Marktplatzes waren alle Akteure eigens noch einmal angereist und zusammengekommen. Donnerstagvormittag um 11 Uhr traf sich das Klassik-Ensemble in einer Discothek: Das „Rio“ in der Schnellengasse bot den nötigen Raum für eine Probe der 85 Künstler. Am Nachmittag folgte dann eine weitere Probe auf der Bühne am Markt.

Mit dabei: Brasiliens Fernsehgröße Roberval „Dom“ Cardoso, ausgebildeter Tenor, der in der Klassik ebenso zuhause ist wie in zeitgenössischer Musikliteratur und regelmäßig in einer eigenen TV-Show zu erleben ist. Cardoso kam über EMF-Veranstalter Max Krieger, der bekanntlich auch brasilianischer Honorarkonsul ist, mit seinem Kollegen Cristian Lanza in Kontakt und kam nun eigens für einen Kurzauftritt auf der Marktbühne nach Europa.

Ein Kurzauftritt, der für das brasilianische Fernsehen aufgezeichnet wurde und das EMF so in Kürze auch in Brasilien bekannt machen wird. Im Gegenzug wird Lanza demnächst nach Brasilien fliegen, um dort seine Sangeskünste in Cardosos Fernsehshow unter Beweis zu stellen. In Belo Horizonte, das im November Stadtjubiläum feiert.

Freitag ist Tag der Blues Brothers

Die für den Klassik-Abend eigens aus Köln herbeigeschafften Konzertstühle, die den Besuchern auf dem Marktplatz einen entspannten Musikabend ermöglichten, sind am Freitag schon wieder verschwunden. Dann gehört die Freilichtbühne den Männern der Original Blues Brothers Band um Steve Cropper und Lou Marini. Deren Flieger startet erst am Mittag im lettischen Riga und landet um 1.50 Uhr in Düsseldorf. Da bleibt gerade mal Zeit zum Einchecken ins Hotel, ehe die Band gegen 16 Uhr auf der Marktbühne zur Probe zusammenkommt.

Nach dem Konzert, zu dem die Eschweiler Jungs und Mädels von „Chain of Fools“ ab 20 Uhr das Vorprogramm liefern, geht ab 22.30 Uhr in etlichen Kneipen der Altstadt musikalisch erst richtig die Post ab.

Bei der aus dem EMF-Geschehen nicht wegzudenkenden „Kneipenrallye“ am Samstagabend am Start: „Chain of Fools“ (Restaurant Der Grieche), Peter & Kevin Andree (Chaplin), „TalÄntfrei“ (Schneckes), Carlos (Rio), DJ Tom (Mexi & Co), „Beacon Cross“ (Kleiner Gürzenich), „Charlies playing the Rolling Stones“ (Cuma/Schnoits statt wie angekündigt Pflaumenbaum), „Black Collar“ (Bistro Lind & Pascal) und „The Nix“ (Haus Lersch).

Zu den Kneipenkonzerten gilt ab 22 Uhr freier Einlass. Derweil machen sich die Blues Brothers am Samstagmittag auf den Weg in ein paar wohlverdiente freie Tage, ehe die nächste Show in Norwegen ansteht. Von Düsseldorf aus geht‘s einzeln und in Grüppchen nach New York, London, Atlanta, Madrid, Amsterdam und Kopenhagen.

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