Mundartabend: Plattdütsch sprääche freut Alt und Jong

Von: Isabelle Hennes
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Leo Braun freut es, wenn sich
Leo Braun freut es, wenn sich junge Menschen für den Mundartabend des Geschichtsvereins Eschweiler interessieren.

Eschweiler. Leo Braun, Initiator der Mundartabende in Eschweiler, steht lächelnd an der Tür zur Aula der Realschule Patternhof. Jeder, der in die Aula herein will, muss an ihm vorbei. Und jeder, der an ihm vorbei will, bekommt eine ganz persönliche Begrüßung mit Handschlag.

Braun muss viele Hände schütteln: 300 Karten sind allein im Vorverkauf weggegangen. Als zwei jüngere Menschen Braun ihre Karten vorzeigen, schaut er hoch und beginnt ein Gespräch mit ihnen. Denn Braun weiß: Die Mundartabende des Geschichtsvereins sind zwar sehr beliebt, meist werden sie aber nur von älteren Semestern besucht. Dass er zwei jüngere begrüßen darf, freut ihn umso mehr.

Es gab mal eine Zeit, du wurde Eischwieler Platt überall in Eschweiler gesprochen, egal, ob Jung oder Alt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Fremde in die Stadt und konnten mit dem Eischwiele Platt nicht so recht etwas anfangen. Also wurde sich fortan auf Hochdeutsch unterhalten und das Platt wurde verdrängt. Viele Generationen wuchsen fortan auf, ohne das Eischwiele Platt sprechen zu können. Zu ihnen zählt auch Laura Wings. Die 19-Jährige lebt in einer Familie, in der noch Platt gesprochen wird.

„Ich verstehe das zwar, aber selber sprechen kann ich es nicht”, sagt sie. Trotzdem war sie fasziniert von der Sprache und kam so auf die Idee, eine Facharbeit über das Thema zu schreiben. Sie überlegte, mit wem sie über das Thema sprechen könnte und formulierte Fragen für Interviews. „Laura tauchte plötzlich bei mir auf und löcherte mich mit 35 Fragen”, sagt Braun und schmunzelt. Die beantwortete er natürlich gerne. Und so lautete das Motto des Mundartabends „Platt sprääche freut Alt und Jong”.

Alle zwei Jahre

Alle zwei Jahre findet der Mundartabend statt. Vor rund 30 Jahren gab es die erste Veranstaltung im Alten Rathaus. „Wir hatten damals mit 60 Gästen gerechnet, aber es kamen 125”, sagt Braun. Weil der Geschichtsverein 1976 einen Arbeitskreis gegründet hat, der an der Erscheinung eines Monatswörterbuchs gearbeitet hat, konnte die Veranstaltung nicht jedes Jahr stattfinden. „Dafür nahm die Arbeit am Wörterbuch zu viel Zeit in Anspruch”, sagt Braun.

Trotzdem war die Nachfrage so groß, dass die Veranstaltung wiederholt werden musste. Zuerst einmal, dann zweimal und dreimal. Mittlerweile müssen Braun und seine Mittstreiter bis ins Jahr 2014 vorausplanen, um die Termine festzulegen. „Der Geschichtsverein hat ein Motto, und das lautet: Du meng Eischwiele Motesproch bes risch an Klang on Färef, mie schöije keen Mööh oh Plooch dat de erhalde bliifs on disch ver voärefs”, sagt Braun. Soll heißen: Der Geschichtsverein setzt sich dafür ein, dass das Eschweiler Platt erhalten bleibt.

Und das kommt an: Braun und seine Kollegen werden zu Seniorentreffen und in Altenheime eingeladen. René Hahn, seit März Vorsitzender des Geschichtsvereins, freut sich, dass der Mundartabend so gut besucht ist. Auch er weiß, dass jüngere Menschen nicht so viel Interesse an der Heimatsprache zeigen. Aber er hat auch Positives zu berichten: Die Zahl der Mitglieder des Geschichtsvereins nimmt stetig zu.

Gäste aus Erkelenz

Heute zählen zu den Gästen nicht nur interessierte Eschweiler, sondern auch Gäste aus Düren, Jülich und Erkelenz. Sie alle wurden nach der Begrüßung durch Hahn von Braun dazu aufgefordert, enz rischtisch afzeschalte. Keiner sollte darüber nachdenken, welches Gelenk gerade schmerzt, ob er genug Geld auf dem Konto hat oder was sich gerade in der internationalen Politik abspielt.

Anschließend ging bei Toni Peters „Wengtour” eine Flasche Moselsekt auf Reisen, die über kuriose Umwege dann doch wieder bei ihm Zuhause ankommt. Zu lachen gab es spätestens etwas, als August Engels die Bühne betrat. Eigens für den Mundartabend hatte er sich seinen gelben Künstlerpullover aus dem Kleiderschrank herausgesucht und stellte aufn der Bühne fest, dass er noch dieselben Flecken hat wie bei seinem vergangenen Auftritt.

Engels gab „E beßje mie Plattdütsch” auf die Melodie von „Ein bisschen Frieden” zum Besten - wobei er während des Singens immer wieder den Text vergaß und damit zur Unterhaltung des Publikums beitrug. Das Besondere am Donnerstagabend waren die Kinder der katholischen Grundschule aus Dürwiß. Sie sangen das Lied von der Appeltaat und bewiesen damit, dass auch jüngere Menschen in Eschweiler mit etwas Übung Platt sprechen können. Braun und das Publikum waren begeistert.
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