Multifunktions-Bürgerpark statt einer Solaranlage

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Viele Ideen und Vorschläge gab es in der öffentlichen Versammlung der Röher Ortsvereine zur Neugestaltung des Sportplatzes an der Erfstraße. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler-Röhe. Einstimmiger Beschluss: Die Röher Vereine wollen den Sportplatz des Ortes retten. Mit einer Petition, von möglichst vielen Bürgern unterzeichnet, will die Interessengemeinschaft der Röher Ortsvereine die Stadtväter bewegen, auf eine Umwandlung des Platzes in einem „Solarpark“ zu verzichten. Den Vereinen ist aber klar, dass es damit nicht getan ist.

Die seit Jahrzehnten brach liegende, kaum genutzte Fläche soll zu einem Platz für viele Aktivitäten vieler Röher Bürger werden, und das wird vor allem eine Aufgabe der Röher Bürger selber sein. Der Platz ist die einzige größere ebene Fläche in dem Stadtteil.

Die Schlagzeile „Röher Sportplatz wird zu Solarpark“ am 13. Februar in unserer Zeitung hatte die Vereine des Ortes aufgeschreckt. Mit einiger Verspätung, denn bereits ein Jahr früher war die Planung ein erstes Mal in den Ratsgremien beraten worden, es hatte auch Einwände mehrerer Organisationen sowie eines Bürgers gegeben. Darauf hin wurde die Fläche des geplanten Solarparks verkleinert. „Solarpark“ ist eine schönfärberische Bezeichnung für ein Feld voller Photovoltaik-Anlagen. Sie würden nicht von der Stadt, sondern von einem Investor errichtet und betrieben.

Dazu soll es nicht kommen, hoffen nun die Ortsvereine. 15 der 17 Vereine und Organisationen, die in der Interessengemeinschaft Röher Ortsvereine vertreten sind, nahmen an der öffentlichen Versammlung in der Gaststätte „Zum Hirsch“ am Donnerstag teil. Alle stimmten für die Petition, und die Vertreter der Parteien machten ihnen Mut: Das Vorhaben sei in der Beratungs- und Mitwirkungsphase, der Beschluss falle letztendlich im Stadtrat, und die Ratsmitglieder seien schließlich Sachwalter der Bürgerinteressen.

Dass es auch Gegenstimmen gibt, wurde in der Diskussion erwähnt. Auf einer Facebook-Seite namens „Echte Röher Bürger“ im Internet gebe es sowohl Pro- als auch Kontra-Stimmen zu dem Photovoltaik-Projekt, berichtete ein Besucher der Versammlung.

Jahrelanges Desinteresse

Der Sportplatz am Ende der Erfstraße in Röhe hat eine eher traurige Geschichte. Ein Anwohner des Areals schilderte sie der Versammlung. Entstanden ist der Sportplatz 1978. Das unebene, mit Löchern übersäte Gelände war mit Bauschutt aufgefüllt worden – Schutt vom Abriss alter Straßenzeilen, die dem Bau der vierspurigen Inde-straße im Stadtzentrum im Wege gestanden hatten. Mit dem neuen Platz, am 25. August 1978 den Sportlern des Ortes übergeben, hatte Röhe endlich einen normengerechten Fußballplatz – der Sportplatz am Ellerberg war für reguläre Fußballspiele zu klein. Auch eine Sprunggrube und eine 100-Meter-Bahn hatte der neue Platz. Der alte Platz am Ellerberg ist inzwischen mit Einfamilienhäusern bebaut.

Ein schöner, neuer Fußballplatz – allerdings löste sich der Fußballverein „Sportfreunde Röhe“ Ende der 70er Jahre auf. Ein paarmal spielte der Verein „Kicker Eschweiler“ noch an der Erfstraße. Dann verfiel der Platz, trotz aufwändiger Pflege durch die Stadt. Irgend jemand drehte die Bewässerungsanlage an, das Wasser lief wochenlang, niemand kümmerte sich darum, berichtete der Bürger. Der Platz wurde abgeschlossen, um Vandalismus zu verhindern – daraufhin wurde der Zaun zerstört. „Ein neuer Zaun kam, ein zweiter, ein dritter“. Die Ballfangnetze wurden abgebaut, „die Stumpen der Pfähle stehen heute noch“. Vom Geräteraum, einer umgenutzten Garage, verschwand das Tor. Allmählich stellte die Stadt die Pflege des Geländes ein. Und als schließlich Baufahrzeuge über den Platz fuhren: „Keiner der Anwohner hat sich beschwert, jeder hat es gesehen.“

Das wurde im Lauf der Veranstaltung klar: Wenn es gelingt, diesen Platz jetzt vor der Umwandlung in ein Photovoltaik-Feld zu retten, dann darf es ein solches Desinteresse der Bürger an „ihrem“ Platz nicht wieder geben. Hans-Dieter Büttgen, Vorsitzender der Interessengemeinschaft, der die Versammlung leitete, notierte auch die Vorschläge für eine künftige Nutzung des Sportplatzes.

Zentraler Punkt wird die Gründung eines gemeinnützigen Fördervereins sein. Das regte CDU-Vorsitzender Willi Bündgens an, Vertreter anderer Parteien wie Stephan Löhmann (SPD) und Manfred Waltermann (UWG) pflichteten bei. Und Hans-Jürgen Krieger von der FDP als Röher Bürger ohnehin.Er hatte die Ortsvereins-IG bereits im November auf die städtische Planung aufmerksam gemacht, ohne zunächst große Resonanz zu finden.

Derzeit wird der Sportplatz von Röhe einmal im Jahr für das Martinsfeuer genutzt, die restliche Zeit ist er eher ein Hundeklo – was von einer Anwohnerin am Donnerstag bestritten, von anderen hingegen bestätigt wurde.

Viele Ideen für den Platz

Künftig soll der Platz, nach den Ideen der Bürger, ein Freizeit- und Mehrzweckplatz werden. Fußballspielen soll man auch können, aber es reiche ein Bolzplatz. Der sei aber wichtig, versicherte ein Schüler, denn auf dem Kleinspielfeld an der Schule, wo Fußballspielen bis 14 Jahre erlaubt ist, werden die Kinder oft von Jugendliche weg gescheucht. Genutzt werden könne der Platz auch, wie bis 2008, für das Festzelt des Maiclubs Röhe. Der Maiclub hatte damals, mit einem neuen jungen Vorstand, erst einmal auf die Bremse getreten und seine Feiern in die Mehrzweckhalle verlegt. Jetzt will man aber wieder zurück auf den Platz und ins Zelt, versicherte Maiclub-Vorsitzender Daniel Asara, denn die Veranstaltungen seien mehr als ausgebucht, es gebe bereits Wartelisten.

Weitere Aktivitäten: Die Pfadfinder von Röhe möchten den Platz für Übungen nutzen, auch Zelten und Lagerfeuer wären erwünscht. Eine Grillstelle könnte gebaut und von Röher Bürgern im Sommer genutzt werden. Und schließlich könnte auch die Grundschule mit ihrem Sportunterricht auf den Platz zurück kehren. Schulleiter Markus Neuefeind: „Ich kann es bisher nicht verantworten, dass Kinder dort hin gehen. Der Platz ist eine Gefahrenquelle, schon durch die vielen Scherben. Aber wenn er in Ordnung gebracht würde, werde ich ihn gern nutzen.“ Auch Bundesjugendspiele wären dort möglich.

Nicht nur möglich, sondern auch billiger, als wenn man die Schüler mit dem Bus zu anderen Sportplätzen fährt. Auf diesen Kosten-Nutzen-Faktor wies Patrick Becker, Geschäftsführer der IG Röher Vereine, hin. Er warb auch dafür, den Zusammenhalt des Ortes durch gemeinsamen Einsatz für den möglichen künftigen Freizeitplatz zu stärken. Bei der Gestaltung des Schulhofs etwa hätten Röher Bürger, vor allem Eltern, gezeigt, was gemeinsam möglich sei. Der neue Platz könne ein Beispiel werden, „dass Röhe auch für Taten steht“.

Die nächsten Taten werden sein, dass die Interessengemeinschaft Unterschriften für die Erhaltung und Umwandlung des Platzes sammelt. 335 gibt es bereits, sie sind zusammen gekommen innerhalb einer Woche auf Listen, die in Röher Geschäften ausgelegt waen. Aber am liebsten würde Vorsitzender Büttgen von Haus zu Haus gehen und jede Familie fragen: Wollt ihr den Sportplatz erhalten?

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