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Muezzin-Ruf: Muslime feiern mit Freunden die Premiere

Von: Patrick Nowicki
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Imam Mustafa Necati BarıŞ ruft die Muslime in der Stadt öffentlich ins Gebetshaus. Das Freitagsgebet spielt im muslimischen Glauben eine bedeutende Rolle. Foto: Patrick Nowicki
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Gebete in der Eschweiler Moschee: Zahlreiche Muslime nahmen daran teil. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Für die Muslime in Eschweiler war am Freitag ein besonderer Tag. Professor Dr. Izzet Er ging sogar noch weiter und sprach von einem „historischen Ereignis“. Der Vorsitzende des Dachverbandes der türkischen Ditib-Gemeinde in Eschweiler meinte damit den Muezzinruf, der zum ersten Mal in der Innenstadt erschallte und von nun an an jedem Freitag zu hören sein wird.

Im Dezember hat der Stadtrat dem Wunsch der Gemeinde geschlossen zugestimmt. Gestern folgte also die Premiere, an der sich nicht nur prominente Muslime beteiligten, sondern Vertreter zahlreicher Organisationen in der Stadt.

Der Vorsitzende der Ditib Kuba-Moschee an der Wollenweber­straße, Bahri Ciftci, wünscht sich: „Möge der Gebetsruf ein Symbol für ein tolerantes, interkulturelles und interreligiöses gemeinsames Zusammenleben sein.“ Dass Integration kein einfacher Prozess ist, machte Bürgermeister Rudi Bertram deutlich: „Wir haben lange im Rathaus darüber diskutiert.“

Der Verwaltungschef verschwieg nicht, dass es auch kritische Stimmen gab. Für eine Gesellschaft sei es aber wichtig, alle Religionsgemeinschaften zu tolerieren. Aber: „Toleranz muss man täglich üben.“ Darum mahnte er auch, offen zu sein, dass man immer die Chance habe, sich zu informieren. „Wir sind alle dafür verantwortlich, dass es ein Miteinander gibt“, erinnerte er daran, dass Integration ein gegenseitiger Prozess ist, der nicht immer reibungslos verläuft. „Wichtig ist es aber, dass man sich zusammenrauft, wenn es mal schwierig wird.“

Offenheit präsentierte die Gemeinde in jedem Fall. Cikri Bilican führte durch das Programm und erläuterte den Nicht-Muslimen die Gepflogenheiten des Freitagsgebetes. In einem Gebetsraum ist es unüblich, Beifall zu klatschen. Auch in Schuhen darf man den Raum nicht betreten. Die jeweiligen Auszüge aus dem Koran wurden natürlich in Arabisch vorgetragen, eine Übersetzung wurde für jeden Gast auf eine Leinwand projiziert.

Zahlreiche Gäste

Welche Bedeutung die türkischstämmigen Bürger dem Gebetsruf beimessen, ließ sich am Freitag auch an der Gästeschar festmachen. Der Generalkonsul der Türkei, Mustafa Kemal Basa zählte ebenso zu den Gästen wie der Attaché der Türkei, Tayfun Keltek. Als Vertreter der Ditib-Dachorganisation sprach Professor Dr. Izzet Er, der an eine Überlieferung erinnerte, in der der Prophet Mohammed die Zusammenarbeit der Religionen selbst praktiziert habe. „Ich habe den Wunsch und die Hoffnung, dass wir auch in Eschweiler etwas Positives zum friedlichen Zusammenleben aller Menschen beitragen können“, so Dr. Er. Die ethischen Werte seien schließlich universell, also für alle gültig.

Das Gebetshaus an der Wollenweberstraße wurde vor 21 Jahren von der türkischen Gemeinde erworben. Darin befinden sich zahlreiche Räume zum Austausch und zum Treffen. „Die Moschee ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch der Begegnung und der Wissenschaft“, erläuterte Cikri Bilican. In den Räumen werden auch tagtägliche Probleme angesprochen. Jeden Freitag und an den beiden höchsten Feiertagen, dem Rhamadanfest sowie dem Opferfest, predigt der Imam. Der Wortlaut – auch das ist ein Zeichen der Offenheit – ist außen an der Moschee sowohl in Türkisch als auch in Deutsch angeschlagen.

Necati Bar übernimmt in der Eschweiler Ditib-Gemeinde das Amt des Religionsbeauftragten, des Imam, der auch seelsorgerisch tätig ist. Zunächst für fünf Jahre wird er in Eschweiler tätig sein, dann entscheidet die Gemeinde darüber, ob er länger bleibt. Beim ersten öffentlichen Muezzinruf in Eschweiler kam ihm natürlich eine besondere Rolle zu.

Im Gebetsraum befindet sich die Gebetsniesche, die nach Südosten, nach Mekka, zeigt. Der Name Alaahs und Mohammeds befinden sich in Arabisch rechts und links darüber. Daneben sind auch die beiden Kanzeln zu sehen, die linke, höhere wird jedoch nur zum Freitagsgebet genutzt. Das ganze Zimmer ist mit Teppich ausgelegt und wird von mehreren Kronleuchtern erhellt. In einem Regal an der Seite reihen sich Ausgaben des Koran, der heiligen Schrift der Muslime, aneinander.

Grenzen werden eingehalten

Der Eschweiler Integrationsbeauftragte Jürgen Rombach kennt die Gemeinde und ihre Angehörigen seit Jahren: „Der regelmäßige Austausch ist enorm wichtig“, betont er. Beim Weg zur Genehmigung des öffentlichen Muezzinrufes sind die Fraktionen im Rat mit eingebunden worden. In Zusammenarbeit mit der Ditib-Gemeinde schuf die Behörde zudem die Voraussetzungen, dass die Emissionsgrenzen, also die erlaubte Höhe der Lautstärke, nicht überschritten wird. In der Verstärkeranlage begrenzt ein elektronisches Gerät, dass anschließend von der Stadt verplombt wurde, den Geräuschpegel.

In dem jetzt wöchtlich zu hörenden Ruf wird Alaah angerufen. Zudem werden die Gläubigen zum Gebet eingeladen. Der Muezzin-Ruf umfasst insgesamt 15 Zeilen, einige Passagen werden mehrmals ausgerufen.

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