Eschweiler/Stolberg - MSC-Motocrosser kurven ins Ungewisse

MSC-Motocrosser kurven ins Ungewisse

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Noch drehen die Motorsportler des MSC Grenzland ihre Runden im Tagebau. Ihr Gelände müssen sie jedoch in Kürze verlassen.
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Wilfried Marcelli hofft, dass sein Verein eine neue Heimat findet. Am liebsten im Tagebau.

Eschweiler/Stolberg. „Für mich steht fest, dass hier Schluss ist!“ Wilfried Marcelli blickt ein wenig wehmütig über das neun Hektar große Gelände, wenn er diese Worte spricht. Der MSC Grenzland, dessen Vorsitzender Marcelli ist, muss seine Motorsportanlage im Tagebau nicht weit von Neu-Lohn wohl zum Jahresende räumen und sucht nach Ersatz. Eine Lösung gibt es noch nicht. Bleibt das so, befürchtet der Vorsitzende gar das Aus des Clubs.

Seit dem Jahr 2000 nutzt der MSC Grenzland das Gelände, das damals noch der AWA-Abfallentsorgung gehörte. Nachdem sämtliche Genehmigungen eingeholt waren, rollten ab dem Jahr 2001 die ersten Gefährte am Ortsrand von Neu-Lohn. „Eigentlich sollten wir nur fünf Jahre bleiben“, sagt Wilfried Marcelli. Es wurden inzwischen 15 daraus. Probleme habe es nur einmal ganz zu Beginn gegeben, so der MSC-Vorsitzende. In den Anfangsjahren habe der Club eine kurze Pause auf Grund der Beschwerde eines Bürgers einlegen müssen. „Damals wurde ein Lärmgutachten angefertigt. Dabei kam heraus, dass die Autobahn lauter ist als wir“, sagt Marcelli.

Mit der AWA hatte der MSC Grenzland einen Pachtvertrag. Rund 10.000 Euro kostet der Unterhalt der Anlage im Übrigen jedes Jahr. Geld, das der Verein komplett aus Mitgliedsbeiträgen und Sponsorengeldern aufbringen muss. Jede Menge haben die Motorsportler im Tagebaugebiet investiert. So wurde unter anderem eine Bewässerungsanlage errichtet, um eine zu große Staubentwicklung bei Training und Rennen zu vermeiden. Im Jahr 2012 erhielten die Motorsportler ein Schreiben mit der Info, dass das Gelände von der AWA an RWE Power verkauft worden sei und der Verein die Anlage räumen müsse.

Der Grund: In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Kraftwerksreststoffdeponie, die stetig wächst – und zwar in Richtung des Vereinsgeländes. Seit 2012 hat der MSC keinen Pachtvertrag mehr, sondern ist im Tagebaugebiet lediglich geduldet. Nach Gesprächen durften die Motorsportler bis jetzt bleiben. Nun habe er jedoch mündlich mitgeteilt bekommen, dass endgültig Schluss sei, sagt Wilfried Marcelli.

Auf dem Gelände sind bereits vom RWE beauftragte Biologen unterwegs, um etwa den Laich seltener Krötenpopulationen umzusiedeln, die sich gerade auf der Motorsportanlage wohlfühlen. An dieser Stelle betont Wilfried Marcelli, dass man Motorsport und Natur sehr wohl in Einklang bringen könne. Unter anderem habe man auf der Anlage zu Jugendwochenenden eingeladen, bei denen der ehemalige Förster Christian Färber dem Nachwuchs die heimische Tier- und Pflanzenwelt nähergebracht habe. Marcelli erwähnt zudem, dass der MSC etliche Fahrer „eingefangen“ habe, die den Tagebau zuvor als private Rennstrecke nutzten. Diese seien nun Vereinsmitglieder und führen somit nicht mehr „wild“ durch das Gelände.

Wie geht’s jetzt weiter? Es gab bereits Gespräche mit dem Tagebaubetreiber. Allerdings mit dem ehemaligen Tagebauleiter. Nun müsse man wieder von vorne beginnen. Der im Jahr 1982 gegründete MSC möchte am liebsten in diesem Tagebau bleiben. „Unsere Mitglieder sind aus dieser Region“, sagt Marcelli. Auch Motorsportler aus Belgien, den Niederlanden und gar aus Frankreich kommen nach Eschweiler. Auf Karten haben sich die MSC’ler einige Ecken im Tagebau ausgeguckt, die für sie geeignet wären. Allerdings konnten sie ihre Ideen den RWE-Verantwortlichen noch nicht vorstellen. Der Konzern sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Zeit des Motorsportclubs in absehbarer Zeit im Tagebau ende. Wann genau, könne man jetzt noch nicht sagen. Dass der MSC nicht für immer auf diesem Gelände bleiben könne, habe schon seit einiger Zeit festgestanden. Und wie sieht es mit einer Ausweichfläche aus? „Der Tagebauleiter hat mitgeteilt, dass man sämtliche Flächen selbst brauche“, so Guido Steffen, Pressesprecher bei RWE.

Eine Zukunft im Tagebau scheint also ausgeschlossen. Es gibt aber auch Gelände, die der MSC nicht will. So wurde dem Club angeboten, in den Gressenicher Steinbrüchen zu fahren. Das Gebiet sei jedoch viel zu nah an der Bebauung, sagt Marcelli. Auch ein Gelände in der Nähe von Arnoldsweiler wurde in Aussicht gestellt. Der MSC lehnte ab, weil er eben lieber in Eschweiler beziehungsweise der unmittelbaren Umgebung bleiben möchte.

Klar ist auch: Von heute auf morgen funktioniert ein solcher Umzug selbstredend nicht. Der Vorsitzende sagt jedoch auch: „Wir können auch mal ein Jahr ohne Veranstaltungen überbrücken. Auf Dauer würde der Verein aber auseinanderfallen.“

Diese Situation kennt der Verein. Bis 1992 fuhr der MSC in Stolberg auf einem Truppenübungsplatz, musste dort jedoch weichen. „Irgendwann hatten wir nur noch 30 Mitglieder“, blickt Marcelli zurück. Seitdem der Verein in Eschweiler beheimatet ist, steigt die Mitgliederzahl kontinuierlich – auf derzeit rund 120.

Zudem finden auf der Anlage immer wieder hochkarätige Wettbewerbe statt. Der nächste am kommenden Wochenende: Dann steht der ADAC-MX-Cup auf dem Programm, bei dem am Samstag und Sonntag rund 300 bis 400 Fahrer aus ganz NRW sowie Belgien und den Niederlanden an den Start gehen.

Wilfried Marcelli und seine Mitstreiter werden alle Anstrengungen unternehmen, damit die Mitglieder auch künftig auf einer eigenen Anlage fahren können. Dafür wollen sie erneut versuchen, Gespräche mit RWE-Vertretern zu führen. Nach den derzeitigen Erkenntnissen muss jedoch wohl eine andere Lösung her.

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