„More Maids“ verwandeln Talbahnhof in irischen Pub

Von: vr
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Was vor 23 Jahren in einem Ludwigshafener Folkclub als spontaner Showact begann, ist längst zum festen Bestandteil der Irish Folk-Szene in Deutschland geworden: Die „More Maids“ Marion Fluck, Barbara Coerdt und Barbara Hintermeier (von links) verwandelten den Eschweiler Kulturbahnhof für zwei Stunden in einen irischen Pub. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Der schüchterne Schäferjunge, der der badenden Maid im Evakostüm nicht mehr als ihre Anziehsachen reichen kann, die entführte Angebetete, die ihren Stolz wie ihre Unschuld auch nach einer gemeinsamen Nacht mit ihrem Entführer nicht verliert und der Musiker, der seiner zweiten Frau, seiner Geige, eine herzerwärmende Liebeserklärung bereitet – das sind die Geschichten, die die irische Volksmusik global so beliebt machen.

Das und der unglaublich mitreißende Rhythmus, den die drei Musikerinnen der „More Maids“ am Samstag durch den Talbahnhof wabern ließen.

Raue See und Fröhlichkeit

Für zwei Stunden waren Guinness, Pubs, die raue See und die Fröhlichkeit der grünen Insel für das Eschweiler Publikum zum Greifen nah. „Wenn es euch gefällt, könnt ihr gerne zwischendurch ‚Hep‘ rufen oder spontan auf den Tischen tanzen.“

Der Aufforderung Barbara Hintermeiers, ihres Zeichens Geigerin der drei Ladys von „More Maids“ kam das Publikum im ausverkauften Talbahnhof zwar nur akustisch nach, doch auch das recht verhaltene Mitklatschen tat der Spielfreude des Damentrios keinen Abbruch. „A wrong note on the right place is only half wrong, but a right note on the wrong place is completely wrong“, der traditionelle irische Lehrsatz beschreibt den Irish Folk wohl am besten, der wie kaum eine andere Musikrichtung vor allem vom Timing seiner Musiker lebt.

Rhythmus-Drillinge

In dieser Disziplin sind die „More Maids“ Barbara Coerdt, Barbara Hintermeier und Marion Fluck wahre Meisterinnen ihres Fachs. Völlig egal, ob eine der vielen launischen Ansagen etwas kürzer oder länger ausfiel oder das Programm kurzerhand umgeschrieben wurde, mit den ersten Tönen des „Pulsgebers“, meistens Barbara Coerdt an der Bouzouki, gab es kein Zurück und alle drei Musikerinnen zeigten sich als wahre Rhythmus-Drillinge.

Dem Tune der Liebe gewidmeten „The next market day“, die Moritat von „Eppie Morrie“ und die traurige Ballade „Fine flowers“, dank der wunderbar samtigen Stimmen des Frauentrios klang neben dem Rhythmus auch jede einzelne Note perfekt.

Was 1994 bei der Harlekinade des Folkclubs in Ludwigshafen mehr aus Verlegenheit begonnen hatte, ist nicht erst 23 Jahre später zur Institution in der Irish Folk-Szene Deutschlands geworden, die „More Maids“ gehören vielmehr dank ihrer Authentizität und perfekten Beherrschung ihrer traditionellen irischen Instrumente, der Bouzouki, Querflöte und Fiddle, seit Jahren zum Pflichtprogramm eines jeden Folkliebhabers.

Trotzdem gelang es den drei Musikerinnen auch am Samstagabend wieder, ein solch erfrischendes Konzert auf die Talbahnhofbühne zu zaubern, das wohl nur aus tiefer Zuneigung zur irischen Musik entstehen kann. „Ho-Ro my Johnny“ und „The cat that ate the candle“, die Storys hinter den Songs, Tunes und Slides sind „völliger Humbug“, wie Barbara Coerdt zu berichten wusste, doch das ist doch eigentlich egal, schließlich geht es beim Irish Folk um die Musik, den Rhythmus und das Gefühl lebendig zu sein.

Und wer weiß, vielleicht steckt ja doch ein Körnchen Wahrheit in der ein oder anderen Anekdote, die die „More Maids“ mit ihrem glockenklaren, dreistimmigen Gesang zu berichten hatten?

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