Eschweiler - Mofa-Training: Eine Brille täuscht den ersten Vollrausch vor

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Mofa-Training: Eine Brille täuscht den ersten Vollrausch vor

Von: kaba
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Mit einer Promillebrille machen die Jugendlichen im Praxisteil Erfahrungen damit, wie sehr Alkohol die Wahrnehmung verändern kann. Selbst einfache Dinge, wie zum Beispiel das Schreiben einer SMS, können im Rausch zu unüberwindbaren Aufgaben werden. Foto: Katja Bach

Eschweiler. Es hat sich schon lange herumgesprochen und die Schüler wissen ganz genau, dass sie zweimal im Jahr die Möglichkeit haben, in der Schule den Mofa-Führerschein zu machen.

Seit über sechs Jahren bietet die Mobile Jugendarbeit in Kooperation mit den Schulen und der Fahrschule Seeger ein Mofa-Training an. Im Frühjahr und im Herbst können die Jugendlichen dann mit der Theorie beginnen und an einem ausgewählten Samstag auch noch in die Praxis blicken, die für den Mofa-Führerschein normalerweise nicht vorgesehen ist.

„Der Vorteil von diesem Konzept ist, dass wir an diesem Praxissamstag mit den Jugendlichen auch Themen wie Tuning, Alkohol, Drogen und Sozialverhalten ansprechen können“, erklärt Schulsozialarbeiterin Carolin Emonds. So gibt es zunächst einen Vortrag zum Thema Tuning, anschließend wird in kleineren Gruppen die Promillebrille getestet und ein Sozialtraining absolviert. „Wir können so noch mal auf Gefahren aufmerksam machen und im Sozialtraining darauf hinweisen, dass man auch auf sein Umfeld Rücksicht nehmen muss“, sagt Nine Kelic von der Mobilen Jugendarbeit. Vielen sei gar nicht bewusst, wie eine Gruppe grölender Mofa-Fahrer auf die Anwohner wirkt.

Um dahingehend zu sensibilisieren werden Rollenspiele gespielt, bei denen die Jugendlichen sich in die Lage der Anwohner versetzen. Und das kommt an: „Wir wissen jetzt, dass wir auf der Straße nicht so laut sein sollen, weil das die Anwohner stört“, sagt Daniela Lindenlauf.

Auch die Promillebrille verfehlt ihre Wirkung nicht: „Ich glaube, ich trinke nie Alkohol“, sagt Younes Chabira. Ob das so bleibt, ist fraglich. Aber solange ihn seine Erfahrungen dieses Vormittags daran erinnern, nach Alkoholkonsum nicht am Straßenverkehr teilzunehmen, ist bereits viel gewonnen. „Viele Kids sind überrascht oder sogar erschrocken darüber, wie sich die Wahrnehmung unter Alkoholeinfluss verändert und dass sogar SMS schreiben oder das Schlüsselloch finden zu unüberwindbaren Aufgaben werden können“, sagt Carolin Emonds.

Auch das Fahrtraining zeigt, dass es Sinn macht, erst einmal zu üben, statt sofort auf der Straße zu fahren. Viele Schüler sind zunächst unsicher und gewinnen erst mit der Zeit Sicherheit im Umgang mit dem Zweirad. Auch Younes war am Anfang skeptisch. „Aber dann war es aufregend“, sagt der 14-Jährige. „Ich hatte am Anfang auch ein wenig Angst“, gesteht Dunja Andrè. „Aber jetzt macht es richtig Spaß. Vor allem, weil die Lehrer viel Geduld haben und darauf achten, dass alle mitkommen.“ Ein Lob an Harald Seeger und seinen Fahrlehrer Markus Pluntke sowie den Zweiradfahrer Michael Kiefer, die jede Frage beantworten und das Fahrtraining gewissenhaft begleiten.

Im Praxisteil geht es darum zu lernen, das Mofa zu kontrollieren, Slalom zu fahren und die Gefahrenbremsung zu beherrschen. Dann muss nur noch die theoretische Prüfung bestanden werden. Die Jugendlichen können jeden Tag in der Fahrschule üben gehen, um sich auf die Prüfung, die der TÜV durchführt, vorzubereiten.

Die Gründe dafür, am Mofa-Training teilzunehmen, gehen bei den Betreuern und den Schülern etwas auseinander. Von den Jugendlichen kommt am häufigsten die Antwort, dass sie endlich unabhängig von Bus und Geschwistern sein wollen, die sie irgendwo hinfahren. Carolin Emonds glaubt zudem, dass auch die preisliche Ermäßigung im Vergleich zur regulären Fahrschule eine Rolle spielt.

Die Lehrerinnen Heike Keimes und Nine Kelic von der Mobilen Jugendarbeit sehen die Vorteile vor allem darin, dass man noch einmal auf Gefahren hinweisen kann und dass die Jugendlichen Ansprechpartner haben und vielleicht die Scheu verlieren, später den richtigen Führerschein zu machen, weil sie zum Beispiel den Fahrlehrer schon kennen.

Aber auch die Tatsache, dass die Schüler sich untereinander kennenlernen und merken, dass es egal ist, von welcher Schule sie kommen, sehen die Pädagogen als Vorteil. „Unsere Schüler hatten am Anfang etwas Sorge“, berichtet Schulsozialarbeiterin Emonds. „Aber es gab keinerlei Probleme oder blöde Sprüche“, stellt sie erfreut fest. Das ist wichtig, weil das Angebot grundsätzlich an alle Schüler gerichtet ist und niemand ausgeschlossen werden soll.

Erstaunt waren die Verantwortlichen darüber, dass ihre Kids überhaupt nicht draufgängerisch waren. „Alle waren interessiert und eher zurückhaltend, zumal einigen schon bekannt war, dass man zum Beispiel auf nassem Untergrund aufpassen muss“, erinnert sich die Sozialpädagogin. „Und sollte demnächst doch einmal jemand vergessen, was er an diesem Praxistag gelernt hat, kann man ihn einfach daran erinnern, dass wir hier ein paar Regeln besprochen haben“, erklärt Heike Keimes.

Für die Jugendlichen war das Training auf jeden Fall eine tolle Erfahrung und sicher wird sich weiter herumsprechen, dass dieses Projekt optimal ist, um den Mofa-Führerschein zu machen. Dann heißt es vielleicht schon im nächsten Frühjahr wieder: „Wann geht es endlich los?“

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