Eschweiler - Mobiler Mittagstisch versorgt täglich rund 100 Menschen

Mobiler Mittagstisch versorgt täglich rund 100 Menschen

Von: Katrin Fuhrmann
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Bei Küchenchef Manfred Hanf muss alles schnell gehen. Schließlich wollen seine Kunden, dass das Mittagsessen noch heiß ist, wenn es bei ihnen zu Hause ankommt. Foto: Katrin Fuhrmann

Eschweiler. Manfred Hanf gibt Nudeln, Soße und Fleisch auf einen Teller. In einen anderen Behälter füllt er Bohnensuppe. Vanillepudding und Kirschen kommen etwas entfernt von dem warmen Essen in ein weiteres, kleines Schälchen, das auf einem kleinen Kühlakku steht. Dann wird der Deckel der gelben Essensbox geschlossen.

Die Box wird anschließend ganz schnell in einen beheizten Transportwagen geschoben. Manfred Hanf wirkt dabei ein wenig hektisch. Keine zwei Minuten hat diese Prozedur gedauert. Doch warum diese Hektik? Ganz einfach. Manfred Hanf ist Küchenchef im Senioren- und Betreuungszentrum (SBZ) der Städteregion Aachen und für den mobilen Mittagstisch verantwortlich.

Täglich kocht er rund hundert Gerichte – und das nur für seine Kunden, die den mobilen Mittagstisch in Anspruch nehmen. „Jeder Handgriff muss sitzen. Hier muss alles ganz schnell gehen. Schließlich wollen die Kunden ihr Essen rechtzeitig und warm geliefert bekommen“, sagt Manfred Hanf, der seit 27 Jahren mit Leib und Seele Koch ist. Gemeinsam mit seinem Team bereitet er jeden Vormittag verschiedene Mahlzeiten zu– immer mit dem Blick auf die Uhr. Das Mittagessen besteht in der Regel aus einer Suppe, dem Hauptgericht und einer Nachspeise. Auch Obstbeilagen werden gerne gesehen. Täglich stehen zwei Hauptgerichte zur Auswahl, die abwechslungsreich und saisonal zusammengestellt werden.

Für individuelle Wünsche ist aber auch immer Platz. „Schließlich mag nicht jeder Pudding und auch nicht jeder isst gerne Schnitzel“, sagt Hanf und blickt dabei wieder auf die Uhr. Jede Woche bekommen die Kunden einen neuen Menüplan. Auf diesem Plan können sie auch angeben, ob sie Allergien haben oder bestimmte Lebensmittel nicht vertragen. Ebenso können sie auch frei entscheiden, ob sie jeden Tag ein warmes Essen geliefert bekommen – oder an verschiedenen Tagen aussetzen möchten. Da ist das Team von Manfred Hanf flexibel.

„Wir fahren jeden Tag die gleiche Tour. Dadurch können wir gewährleisten, dass wir immer ungefähr zur gleichen Zeit beim Kunden ankommen und er jeden Tag zur gleichen Zeit zu Mittag essen kann. Um elf Uhr hat der erste Kunde sein Essen auf dem Tisch, um 13.15 Uhr der Letzte“, sagt Hanf. Der mobile Mittagstisch ist 364 Tage im Jahr unterwegs. Nur an einem Tag nicht. Wie könnte es anders sein: am Rosenmontag.

Die 96-Jährige Ursula ist die älteste Kundin des mobilen Mittagstisches. Jeden Tag wartet sie ganz gespannt auf ihr Mittagessen. Sie hat nicht mehr die nötige Kraft und Lust für sich zu kochen. Wenn das Essen geliefert wird, bleibt auch immer Zeit für einen kleinen Plausch mit einem der Fahrer. Für viele sei die Lieferung des Essens und der Besuch des Fahrers der Höhepunkt des Tages. Viele könnten das Haus nicht mehr verlassen und kämen selten unter Leute, so Hanf. Kunden wie Ursula gibt es viele. Nicht alle sind so alt wie sie. Aber die meisten, die den mobilen Mittagstisch in Anspruch nehmen, können auf Grund des Altes oder wegen Krankheit nicht mehr kochen. Zu aufwendig seien sowohl die Besorgung der Nahrungsmittel, als auch das Kochen selbst. Viele trauen sich das Kochen auch schlichtweg nicht mehr zu. Immer wieder gäbe es jedoch auch Berufstätige, die den mobilen Mittagstisch in Anspruch nehmen, denen einfach die Zeit zum kochen fehlt.

„Natürlich kann jeder den mobilen Mittagstisch in Anspruch nehmen. Aber in erster Linie sind wir für ältere und kranke Menschen zuständig, denen das Einkaufen schwerfällt und die nicht mehr in der Lage sind, sich selbst ausreichend und gesund zu versorgen“, betont Hanf. Es käme auch vor, dass Kinder für ihre Eltern den mobilen Mittagstisch organisieren. Oftmals seien sie in Sorge, dass sich ihre Angehörigen nicht mehr regelmäßig, ausreichend und gesund ernähren. Gerade für ältere Kunden hat sich Hanf noch etwas ganz Spezielles einfallen lassen: „Wir haben allen Kunden Fotos von unseren Fahrern gegeben. Da die meisten unserer Kunden nun mal schon älter sind, öffnen sie ungern ‚Fremden‘ die Tür. Dank der Fotos wissen sie aber immer, dass wir es sind“, sagt Hanf.

Viele der Kunden würden mittlerweile auch schon am Fenster stehen und warten. Schließlich werden manche Kunden schon seit sieben Jahren beliefert. Da die Autos das Logo des SBZ tragen, erkennen die meisten schon, dass es nun etwas zu essen gibt, bevor es klingelt.

Damit die Mahlzeiten auch immer warm und frisch geliefert werden können, sind die vier Fahrzeuge, die dem SBZ zur Verfügung stehen, mit einer speziellen Heiztechnik ausgestattet. Dies ermöglicht, dass die Speisen auch bei längeren Fahrten heiß bleiben.

Aus diesem Grund darf der Motor des Autos nicht abgestellt werden, selbst wenn die Fahrer aussteigen. Denn ansonsten ist die Beheizung der Speisen nicht mehr möglich und das Essen würde abkühlen. Heiße und kalte Speisen sind in der speziellen „Thermoline Box“ durch einen Steg außerdem thermisch voneinander getrennt. „Bis jetzt gab es keinen Tag, an dem mal so richtig etwas schief gelaufen ist“, sagt Hanf stolz.

Wenn er nach getaner Arbeit ein letztes Mal durch seine Küche blickt, weiß er, dass er mit seiner Liebe zum Beruf, wieder viele Menschen glücklich machen konnte. Meistens schaut er dann noch einmal auf die Uhr – dann aber um sicher zu gehen, dass auch wirklich Feierabend ist.

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