Mitreißendes Konzert, imposantes Farbenspiel

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Das Spiel mit den Elementen der Musik und des Lichts beherrschte „farfarello“ bei ihrem Konzert im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion Aachen in der Dreieinigkeitskirche. Fotos: Müller, Rüttgers
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Auch von außen bot die von Jörg Rost illuminierte Dreieinigkeitskirche ein beeindruckendes Bild.
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Percussionist Prof. José Cortijo, Barcelona, gab dem Konzert den akustischen Feinschliff.
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Mit 6 Jahren sah er im TV ein Konzert von Karajan und entdeckte die Geige für sich: Mani Neumann.
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Meister des rhythmischen Klangteppichs: Ulli Brand beeindruckte auch mit Soli. Foto: ttgers

Eschweiler. Donnergrollen aus dem nächtlichen Himmel über der illuminierten Dreieinigkeitskirche: Als wäre es Teil der atmosphärischen Inszenierung gewesen, setzten Feuerwerksböller am späten Samstagabend ein Ausrufezeichen hinter das wilde Klanggewitter von „Mephisto“, das Mani Neumann mit seiner Formation „farfarello“ soeben durch die Hallen des passenderweise ganz in rot und blau getauchten Gotteshauses losbrechen ließ.

Das Kulturfestival der Städteregion Aachen bescherte der Indestadt ein in allen Belangen außergewöhnliches Konzerterlebnis, in dem „farfarello“ ihre konzertante Rock-Folklore zelebrierten, die im Zusammenspiel mit den Effekten von Lichtkünstler Jörg Rost noch intensiver als akustisch ohnehin wirkte. 30 Jahre und über 4000 Auftritte haben ihre Spuren bei Mani Neumann an der Geige und Ulli Brand an der Gitarre hinterlassen: Auf den Ton genau verstehen sich die beiden Virtuosen, wobei Ulli Brand meistens den impulsiven Klangteppich mit taktgenauen Echoeffekten webt, auf dem der Geiger wie ein Derwisch abhebt und den etliche Minuten langen Stücken von „farfarello“ seinen unverwechselbaren Klang, das Spiel mit den Elementen, gibt.

„Wir befassen uns seit 30 Jahren mit dem Thema ,Glück‘!“, kein Wunder, dass das aktuellste der insgesamt 19 Studioalben genau diesen Titel trägt, schließlich benannten Mani Neumann und Ulli Brand ihre Band 1982 nach einem koboldartigen Wesen aus dem Balkan, das der Sage nach sich zur Aufgabe gemacht hat, den Menschen Glück zu bescheren.

„Kämpferherz“ und „Feuer und Flamme“ waren zwei von drei gespielten Titeln aus dem neuesten Schaffenswerk, die typisch für die Songarchitektur von „farfarello“ sind. Nach ruhigem, fast balladeskem Beginn entwickeln die Stücke dank Ulli Brands dominierender Rhythmusgitarre und Mani Neumanns wildem Tanz auf der Geige eine enorme Dynamik. Da gehört es fast zum guten Ton von „farfarello“, dass Geigensaiten reißen und der Bogen seine „Haare verliert“, wenn Neumann wie ein Derwisch über die Bühne tanzt und sich ganz seiner virtuosen Musik hingibt.

Dabei verleugnet der Träger des rumänischen „MTV Lifetime Awards“, der im Alter von sechs Jahren die Geige für sich entdeckte, nie seine Wurzeln in der Klassik, zu hören im rockigen Gewand in „Felix“, das dem Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy gewidmet ist.

Doch Coverversions der Klassik und des Zigeunerjazz, das Bild des „Teufelsgeigers“, der über die Tische springt, genügen schon lange nicht mehr, um die Musik von Mani Neumann und „farfarello“ zu charakterisieren, konzertante Rockmusik, auch mit Heavy-Metal-Einflüssen, passt da schon eher zu der Band, die völlig abseits von Radio und Musikindustrie eine beeindruckende Fanschar hinter sich weiß.

Ein wichtiges, atmosphärisches Element steuert die Percussion zum „farfarello“-Sound bei, am Samstag in der Dreieinigkeitskirche eindrucksvoll von Professor José Cortijo aus Barcelona in Szene gesetzt. Wie ein Hoherpriester unter dem rot angeleuchteten Kreuz saß der Percussionist im Altarraum und bediente sich der gesamten Bandbreite seiner Geräuschefabrik.

Es donnert, es blitzt, es stampft, raschelt und knistert, bevor der musikalische Vulkan ausbricht, so dass der Zuhörer unweigerlich mitgerissen wird, wenn „Saravah“ einen in südländische Gefilde entführt oder die „Brandung“ durch die Reihen der Dreieinigkeitskirche schäumt.

Dass dieses intensive Musikerlebnis auch in allen Reihen gleichermaßen genossen werden konnte, war Soundtechniker Klaus-Jürgen Eisner zu verdanken, der für „farfarellos“ Kirchenkonzerte speziell konstruierte Boxen, die den Klang nicht nach vorne oder zur Seite, sondern nach oben wiedergeben, mitgebracht hatte. Die etwa 100 installierten Scheinwerfer, bedient von Lichtkünstler Jörg Rost, ließen das Backstein-Kirchenschiff in kräftigen Farben erleuchten und sorgten für ein ganzheitliches Konzerterlebnis: „farfarello im Licht“, wird mit seinem Spiel der Elemente einen nachhaltigen Eindruck bei seinem Publikum am Samstag hinterlassen haben mit einer Musik, die in keine Schublade zu stecken ist, und einem Gefühl, das nur schwer in Worte zu fassen ist.

Die „Kulturstadt Eschweiler“, in der Bürgermeister Rudi Bertram die Musiker und die Organisatorin des Konzerts, Dr.  Nina Mika-Helfmeier, Kulturbeauftragte der Städteregion, begrüßt hatte, kann sich auf weitere musikalische Highlights mit ganz anderer Musik freuen: Am Freitagabend beginnt auf dem Marktplatz das Eschweiler Music Festival – auch das wie stets bei freiem Eintritt. 

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