Mit Schrubber auf Mission im Fernsehen

Von: Patrick Nowicki
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Helga (47) ist ein richtiger W
Helga (47) ist ein richtiger Wirbelwind und laut Ehemann Dieter (46) einfach eine tolle Frau.

Eschweiler. Ihr Blick geht nach rechts oben, hoch zum Spinnweben in der Flurecke. Ein Graus für Helga T. Die 47-Jährige bricht sofort in Tränen aus. „Das muss man doch sehen, hier kann doch niemand wohnen?!” wimmert die Eschweilerin in rheinischem Dialekt.

Und Hunderttausende an den Fernsehbildschirmen in ganz Deutschland sehen diesen Gefühlsausbruch der Raumpflegerin, so sie denn die RTL II-Sendung „Frauentausch” eingeschaltet haben. Bei der 273. Sendung war die Indestädterin Helga mit von der Partie. Am Donnerstagabend, zur 300. Sendung, werden viele dieser Szenen nochmal gezeigt.

Und dies aus gutem Grund: Zwei Welten stoßen aufeinander, als die Raumpflegerin nach Bad Pyrmont reist, um eine dortige Familie das Putzen zu lehren. Denn das Motto der 47-Jährigen lautet: „Wer seinen Haushalt im Griff hat, der hat sein Leben im Griff.” Das allerdings sieht die „Tauschfamilie” natürlich völlig anders. Dort werden massiv sämtliche Klischees bedient, die man von einer jungen Familie haben kann: Franziska, 20, zwei Kinder (vier Jahre und elf Monate alt), Hausfrau. Dazu Florian, 21, arbeitssuchend. Und letzterer hat es mit der äußerst energischen Eschweilerin zu tun, möchte aber lieber den Controller der Playstation bedienen, als den Besen in die Hand zu nehmen. Kreatives Chaos trifft auf Putzwahn - das kann nicht gutgehen.

Und so fliegen eineinhalb Stunden lang im Fernseher die Fetzen, sowohl vor den Kameras in Bad Pyrmont als auch in Eschweiler. Denn Franziska, die 20-Jährige, muss schließlich im Haus der Familie T. nach dem Rechten sehen. Dort soll sie sich auch um den Lageristen Dieter, Helgas Ehemann, kümmern. Der glänzt vor der Kamera als ideale Haushaltshilfe und verkündet voller Stolz: „Ich bügel für mein Leben gerne, das entspannt und macht mir Freude.” Allerdings muss als Gegenleistung das Essen stets frisch sein und pünktlich auf dem Tisch stehen, von der Frau zubereitet und serviert. Kartoffelpüree aus der Packung - das geht gar nicht.

Rhetorische Meisterleistung

Die Häuslichkeit von „Tauschmann” Florian in Bad Pyrmont hält sich in Grenzen. Seiner Vorliebe für stundenlange Autorennspiele gewinnt er allerdings was Positives ab: „Ich habe meine Reflexion von der Playstation gelernt. Also meine ,Refleckte sind schon wichtig, es kann ja passieren, dass in der Küche eine Tasse runterfällt.” Aber selbst diese rhetorische Meisterleistung kann Helga nicht milde stimmen. Sie kontert mit Sätzen wie: „Dass du das Putzen nicht erfunden hast, habe ich gesehen.” Dem wird rabiat Abhilfe geschaffen. „Jaja”, raunt Florian, als er noch etwas verschlafen, von der Mittagssonne geblendet, auf der Couch sitzt. Es wird angepackt: „Nach Jaja folgen auch Tatsachen”, stapft die 47-Jährige aus dem Wohnzimmer und kehrt mit einem Schrubber wieder zurück. Das Unheil für den 21-Jährigen nimmt seinen Lauf...

Seit den Dreharbeiten in Eschweiler und Bad Pyrmont ist über ein Jahr vergangen. Dass sie sich vor die Kamera gewagt hat, bereut Helga T. nicht: „Man muss das mal gemacht haben”, meint sie heute. Manches würde sie allerdings auch etwas anders anpacken: „Die Situation mit den Kameras war natürlich neu für mich”, berichtet sie mit ihrem typisch rheinischen Akzent. Anfangs habe sie sich noch verstellen wollen, dann wurde ihr geraten, sich so zu geben, wie sie ist. Daran hat sie sich gehalten. Auch die vielen Fragen und Interviews waren Neuland. „Ich habe ja nicht so viel geredet, weil ich gute Laune hatte”, sagt sie. Man habe ihr jedoch stets geholfen, lobt sie das Fernsehteam.

Durch eine Wette mit Freunden entstand die Idee, sich für die RTL II-Sendung „Frauentausch” zu bewerben. Noch am Abend der Sendung schickte sie eine E-Mail, einen Tag später folgte der Anruf. Eine Woche später fand das Casting statt. Wesentlich länger dauerte es, bis die geeignete Gegenspielerin gefunden wurde. Nannte Helga T. die Sauberkeit als wichtigste Eigenschaft, so wurde eine besonders schmuddelige Kandidatin gesucht. Nach über einem halben Jahr stand fest, wohin die Reise führte. Nach Bad Pyrmont, „eine wunderschöne Stadt”.

Auf die „Tauschfamilie” angesprochen, schüttelt Helga T. aber noch heute den Kopf. Einen Staubsauger habe es nicht gegeben, Putzmittel auch nicht. Und einsichtig war der „Tauschmann” Florian auch nicht. Zumindest am Anfang der zehn Tage. „Manche Menschen haben das Überlegen eben nicht erfunden”, kommentiert Helga T.

Dem 21-Jährigen Sauberkeit zu erklären, das sei ihre Hauptaufgabe gewesen. Und die gestaltete sich weitaus schwieriger, als zunächst vermutet. „Als ich in die Wohnung kam, dachte ich zuerst, die haben die extra so für mich gemacht”, schildert sie die Szene, als sie in Tränen ausbrach. Was im Fernsehen nicht zu sehen ist: „Der Kühlschrank und der Ofen sahen schrecklich aus - das kann sich keiner vorstellen.” Vor allem die Kinder hätten ihr leid getan.

Am Ende konnte sie verkünden: Mission erfüllt. Die Wohnung war auf Vordermann gebracht, und sogar Florians hat geholfen. „Der Redakteur von RTL II meinte, dass ich die ideale Besetzung für Waschmittelwerbung bin”, berichtet Helga T. Eine Eschweilerin als neue Clementine, das wär doch was.

Inzwischen ist die 47-Jährige tatsächlich häufiger vor der Kamera zu sehen, in Nebenrollen bei RTL-Sendungen. Nur „Frauentausch” ist jetzt tabu, „das geht nur einmal”. Zur „Tauschfamilie” besteht kein Kontakt mehr. Auch am Ende der Sendung sind alle froh, dass die ursprüngliche Konstellation wieder hergestellt ist. Obwohl: Die Familie in Bad Pyrmont denkt tatsächlich über Sauberkeit nach. Zumindest vor der laufenden Kamera.
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