Mit reichlich Bass und Bäumen durch die lange Mainacht

Von: Patrick Nowicki
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Fiebern der Mainacht entgegen: (von links) Jan-Niklas Peters, Christian Johnen und Martin Ködderitzsch. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Normalerweise liegen Agata, Cilena und Linda auf dem Hänger des Langendorfer Hofes in Kinzweiler. In der Mainacht ist jedoch kein Platz für die Kartoffelsorten, dann tanzen dort Jan-Niklas (Peters), Christian (Johnen) und Martin (Ködderitzsch). Seit acht Jahren rollt ihr Mai-Express durch die Region und mit jedem Jahr wurde die Gruppe größer und ihre Musikanlage imposanter.

Was noch erfreulicher ist: „Wir haben bisher noch nie mit der Polizei Ärger gehabt“, betont Christian Johnen. Party ist angesagt, aber alles in Grenzen. Nicht immer verläuft die Nacht auf dem Weg zum Haus der Angebetenen völlig reibungslos. „Vor einigen Jahren hat man uns mit rohen Eiern beworfen“, erinnert sich Martin Ködderitzsch. Doch diese Marotte habe inzwischen zum Glück abgenommen. „Das hat auch nichts mit dem Brauchtum zu tun“, sagt er. Ködderitzsch ist der „Vorsitzende“ der Gruppe, der in diesem Jahr 22 Jungs aus Eschweiler angehören. Gemeinsam fahren sie mit dem eigens hergerichteten 18-Tonner durch die Region, um die Maiherzen und Bäume an die Frau zu bringen.

Natürlich sind die Dimensionen auch dort andere: In einem separaten Anhänger werden die Bäume transportiert, die bis zu 18 Meter hoch sind. Geschmückt wird gemeinsam und Tage vorher. In der Mainacht selbst soll gefeiert werden. Neben Martin Ködderitzsch legen Dirk Förster und Marco Steinmann als DJs auf. So ein bisschen mutet der Wagen nach seinem Umbau wie der Bestandteil der „Love Parade“ an. Allerdings wird der musikalische Bogen weiter gespannt. „Es läuft alles, von Schlager bis Techno“, fasst Christian Johnen zusammen.

Der Wagen gleicht in der Nacht nicht mehr einem Kartoffelanhänger. Die Brüstung schützt die Mitfahrer davor, abzustürzen. Bei jedem Halt wird dem Fahrer per Knopfdruck signalisiert, ob alle aus- oder eingestiegen sind. „Sicherheit ist wichtig“, betont Jan-Niklas Peters. Und eine gute Musik- und Lichtanlage. Die jungen Männer schmunzeln, wenn dieses Thema angesprochen wird. Neben reichlich Watt Leistung muss auch das Ambiente stimmen. Also gehören LED-Strahler und Nebelmaschine einfach dazu.

Die Stadtverwaltung und die Polizei werden in der Mainacht ein aufmerksames Auge auf das Geschehen haben: „Die Kollegen des Ordnungsamtes sind wie in jedem Jahr im Rahmen des Streifendienstes unterwegs und stehen kontinuierlich im engen Kontakt zur Polizei“, berichtet Stadtsprecher René Costantini. Allerdings stellt er auch einen positiven Trend fest: „Erfreulicherweise bleiben bereits seit einigen Jahren größere Schäden und Verschmutzungen innerhalb des Stadtgebietes aus.“ Dennoch gebe es immer wieder Zeitgenossen, die durch Eierwerfen oder sonstige Verschmutzungen und Beschädigungen auf sich aufmerksam machen müssen. Dagegen will die Stadt vorgehen.

Dass es etwas lauter wird, wenn der Mai-Express naht, lässt sich nicht vermeiden. „Wir wollen es allerdings nicht übertreiben“, verspricht Christian Johnen. Richtig aufgedreht wird die Anlage ohnehin nur dort, wo bereits der „Bär tobt“. Im vergangenen Jahr dauerte der Halt in der Aachener Pontstraße einige Minuten. „Die Menschen kamen aus den Kneipen und Diskotheken raus, um mit uns zu feiern“, erinnern sich die drei jungen Männer. Für solche Momente arbeiten sie fast im ganzen Jahr.

Bis alle Maibäume und -herzen hängen, werden Stunden vergehen. Auch das kennen die 22 Männer, manch einer ist inzwischen sogar schon verheiratet: „Vor 9 Uhr sind wir meistens nicht fertig“, sagt Christian Johnen. Hauptsache, die Angebetene ist nach dieser langen Nacht zufrieden. Dass mancher zwei Maibäume setzt, soll ein Gerücht sein...

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