Mit Kunst Zeichen setzen: Reden ist Silber und Schweigen ist Gold?

Von: Laura Laermann
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Schweigen dürfe auf keinen Fall Gold sein, findet Gerda Zuleger. Mit ihrem bunten Werk möchte sie den Betrachter irritieren, zum Nachdenken anregen und ein Zeichen setzen. Foto: Laura Laermann
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In ihrem Atelier in Stolberg kann sich Gerda Zuleger künstlerisch frei entfalten. Das Bild zeigt die brenzlige Situation eines Flüchtlingsbootes. Foto: zeigt die brenzliche Situation eines Flüchtlingsbootes.

Eschweiler. Ein großes, farbenprächtiges Porträt zeigt eine Frau mit dunklem, grau gesträhntem Haar. Im ersten Moment könnte man auf dem Bild eine verzweifelte Frau sehen, die geknebelt wurde. Auf den zweiten Blick sieht man aber Entschlossenheit in ihrem Blick und Leidenschaft in ihren roten Wangen.

Vielleicht will sie etwas sagen, doch sie kann nicht, denn ein goldener Streifen über ihrem Mund bringt sie zum Schweigen. Doch ist Schweigen wirklich Gold? Mit dieser Frage hat sich die Künstlerin Gerda Zuleger beschäftigt und eine klare Antwort gefunden: „Nein! Ganz im Gegenteil. Es ist wichtig, dass Leute den Mund auf machen und mehr Zivilcourage zeigen.“

Genau das macht Gerda Zuleger mit ihrer Kunst. Sie zeigt ihre Gefühle, ihre Meinung in ausdrucksstarker Malerei und provokanten Installationen, mit denen sie zum Nachdenken anregen möchte. „Kunst hat eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und sollte soziales Engagement zeigen“, erklärt Zuleger.

„Als Künstler haben wir die Möglichkeit, auf ein Thema aus einem ganz neuen Blickwinkel aufmerksam zu machen.“ Mit kritischem Blick: „In den Medien werden Themen oft stumpf übermittelt. Da stellt sich mir die Frage: Womit kann ich beim Betrachter noch etwas auslösen?“ Kunst spiele dabei mit Mitteln wie Reduktion, Farbe, Zweideutigkeit, Fremde oder sogar Angst.

Auch ihre Skulptur „Mantel der Macht“ schafft zunächst Irritation. Betrachtet man das Werk genauer wird aus Verwirrung Verständnis. Ein Prozess, der Gerda Zuleger sehr wichtig ist: „Ich habe mich bewusst für die Symbolik Mantel entschieden“, erklärt die Künstlerin aus Eschweiler. „Wenn man verstanden hat, was das Werk ausdrückt und sich darauf einlässt, kann man den Mantel wieder ausziehen und sich frei machen.“

Die blutverschmierte Tasche auf dem goldenen Mantel sticht sofort ins Auge. Die Manteltasche zeigt ein Foto jüdischer Gefangener, ein weiteres Symbol für den Tod ist der Totenkopf auf der Rückseite des Mantels. Im Gegensatz dazu stehen die goldene Farbe sowie ein goldener Löffel und ein Reichsapfel im Kragen des Mantels für Herrschaft und Wohlstand.

Mit dem „Mantel der Macht“ will Gerda Zuleger ausdrücken, wie viel Leid überall auf der Welt durch Macht entsteht. „Immer geht es nur um das eine, Macht, selbst wenn andere beherrscht, unterdrückt und ausgebeutet werden“, kritisiert Zuleger. „Nicht wegsehen und ignorieren, sondern entgegentreten und zum Nachdenken über Frieden einen Beitrag leisten.“

Mit ihrem Werk wurde sie als eine von 23 Künstlern für den St.-Leopold-Friedenspreis 2016 des Stiftes Klosterneuburg nominiert. Gewonnen hatte zwar der Tiroler Künstler Gregor Sailer für sein Werk „Mirny“ aus der Serie „Closed Cities“, dennoch ist Gerda Zuleger sehr glücklich mit ihrem Werk: „Als ich nach zehn Stunden anstrengender Fahrt endlich auf dem Plateau des Stiftes in Wien ankam, überkam mich ein Gefühl der Dankbarkeit, dass die Idee meines Mantels überhaupt so weit getragen wurde und auch bei anderen Positives auslöst.“

In ihren Arbeiten beschäftigt sich Gerda Zuleger unter anderem mit Themen wie Holocaust, Krieg oder dem gefährlichen Weg der Flüchtlinge. Doch sie nutzt Kunst nicht nur, um Aussagen zu treffen, die auf Probleme hinweisen. Auch soziale Projekte bekommen auf künstlerischem Wege eine ganz neue Dimension.

Bei dem Projekt Ost-Art in Eschweiler hat die Künstlerin mit Kindern und Erwachsenen 454 Porträt zusammen erarbeitet: „Bei so einem Projekt entsteht eine große Gemeinschaft mit viel Toleranz. Unterschiedliche Religionen, Rituale oder Sprachen sind keine Hindernisse mehr.“ Aber auch jeder Einzelne blüht auf. „Kunst nimmt Schwellenängste und gibt Mut. Jeder kann sich frei entfalten, sich etwas trauen, mit viel Freude, ganz ohne gedrängt oder bewertet zu werden, etwas kreieren.“

Bei immer mehr Projekten verschiedener Bereiche werden Künstler hinzugezogen, weil sie eine ganz andere Perspektive mit einbringen können. „Es gelingt immer besser sich als Künstler einzubringen und auch die Nachfrage von Institutionen steigt“, sagt Zuleger. Bei einem zweijährigen Pilotprojekt wurden Künstler, wie Gerda Zuleger, Architekten, Planer oder Designer an zehn Schulen eingesetzt.

Zu ihren Aufgaben zählten nicht nur künstlerische Inhalte, sondern vielmehr in Zusammenarbeit mit Schule, Lehrern und Kindern kreative Lösungen in unterschiedlichen Situationen zu entwickeln. Ein anderes Beispiel ist die Stadt Eschweiler, die einen Künstler angefragt hat, der bei der Stadtgestaltung mitwirke, erklärt Gerda Zuleger. Die 65-Jährige Künstlerin konnte sich in der freien Kunst entfalten, aber auch mit ihrem sozialen Engagement in einigen Projekten viel Positives bewirken. Zukünftig möchte sie weiterhin mit ihrer Kunst Kindern in neuen Projekten Freude bringen.

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