Mit Junior-Ingenieuren gegen den Fachkräftemangel

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Ingenieurskunst ist nichts blo
Ingenieurskunst ist nichts bloß für Jungen, wissen die Teilnehmer der Junior-Ingenieur-Akademie der Gesamtschule Waldschule.

Eschweiler. Gespannt sitzen 19 Schülerinnen und Schüler der Waldschule - Städtische Gesamtschule Eschweiler - vor den Kästen, die ihnen die Mitarbeiter des Schülerlabors Roboscope der RWTH Aachen gegeben haben.

Nach einer kurzen Einführung geht es dann los. Die Schülerinnen und Schüler öffnen die Kästen und wagen ihre ersten Schritte in die Welt der Robotik.

Sie sind die ersten Teilnehmer der Junior-Ingenieur-Akademie der Waldschule, Städtische Gesamtschule Eschweiler, und betreten somit Neuland.

Ziel der Junior-Ingenieur-Akademie ist es, gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft Schülerinnen und Schüler einen ersten Einblick in die praktische Umsetzung von naturwissenschaftlich-technischen Themen zu geben und ihnen so die Möglichkeiten, die ihnen dieser Bereich für ihre persönliche Zukunftsplanung bietet, aufzuzeigen. „Wir haben zahlreiche Schülerinnen und Schüler mit einer starken Begabung im naturwissenschaftlichen Bereich, für sie ist das Konzept der Junior-Ingenieur-Akademie ideal”, so Capune-Kitka.

Und diese Förderung ist besonders wichtig, denn der deutschen Wirtschaft fehlen Fachkräfte. Diese Erkenntnis ist nicht neu. So fehlen nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Jahr 2014 rund 220.000 Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker. Gleichzeitig absolvieren derzeit aber nur 32 Prozent der Studenten einen Abschluss in einem MINT-Fach, also im Bereich Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik, ein Grund, dass diese Lücke bis zum Jahre 2020 auf bis zu 425.000 fehlende Fachkräfte anwachsen wird.

Um diese Entwicklung zu verändern und damit den Mangel an MINT-Fachkräften deutlich zu verringern, ist es wichtig, Schülerinnen und Schüler frühzeitig an natur-wissenschaftlich-technische Fragestellungen heranzuführen, um sie zu motivieren, ein Studienfach aus diesem Bereich auszuwählen. Und genau hier setzt das Konzept der von der Telekom-Stiftung aufgelegten Junior-Ingenieur-Akademie (JIA) an. „Als wir von den Konzept hörten, waren wir sofort begeistert”, äußert Brigitte Capune-Kitka, die die Gründung einer eigenen Akademie an der Waldschule Eschweiler initiierte.

Über 50 Prozent Mädchen

Bis zur Anerkennung der JIA an der Waldschule, Städtische Gesamtschule Eschweiler, war es aber noch ein weiter Weg, denn ursprünglich war das Konzept der Telekom-Stiftung ausschließlich auf Gymnasien zugeschnitten. Capune-Kitka erinnert sich: „Mit unserem überzeugenden Konzept und den starken Partnern an unserer Seite konnten wir jedoch schnell überzeugen.”

Als Partner konnte die Waldschule Eschweiler neben der RWTH Aachen, die sich unter anderem mit dem Schülerlabor Roboscope an der JIA beteiligt auch den Solarcampus Jülich gewinnen, so dass zukunftsorientierte Energiegewinnung einen der Schwerpunkte der Akademie bildet. Von Seiten der Wirtschaft konnte RWE als Partner ins Boot geholt werden, sodass eine ideale Verknüpfung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und wirtschaftlicher Umsetzung geschlossen werden konnte. Das Museum Zinkhütter Hof, das bereits seit 2010 eine Kooperation mit der Waldschule unterhält informiert zudem über die geschichtlichen Entwicklungen in Wissenschaft und Technik.

„Die von uns geschaffenen Rahmenbedingungen und die hohe Motivation der Schülerinnen und Schüler hat letztlich dazu geführt, dass die Junior-Ingenieur-Akademie mit Beginn des Jahres 2012 von der Telekom-Stiftung anerkannt wurde”, äußert Brigitte Capune-Kitka nicht ohne Stolz. Dabei hat die Ausbildung der Junior-Ingenieure bereits mit Beginn des Schuljahres 2011/2012 begonnen. Derzeit nehmen 19 Schülerinnen und Schüler an der Akademie teil. „Vor allem der hohe Anteil von mehr als 50 Prozent weiblicher Teilnehmer ist sehr erfreulich”, gibt Ralf Sistermann an, der als Lehrer die JIA der Waldschule betreut. „Gerade die Förderung von Mädchen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich ist ein wichtiger Schritt, den Fachkräftemangel langfristig zu bekämpfen.”

Und diese sind mit Feuereifer bei der Sache. Gerade programmieren Anne und Tabita einen Roboter, damit er eigenständig einen Weg durch das aufgestellte Labyrinth findet. „Das selbstständige Lernen macht mir unheimlich viel Spaß”, benennt Anne ihre Motivation, an der JIA teilzunehmen. „Und wir können hier Dinge, die im Unterricht nur theoretisch erklärt werden, endlich anwenden”, ergänzt ihre Teampartnerin.

„Wer die Schüler beobachtet, die mit Feuereifer an immer ausgefeilteren Steuerungen für ihre Roboter arbeiten, der sieht die Zukunft deutscher Ingenieurskunst” stellt Ralf Sistermann nicht ohne Stolz fest. Und um die muss einem dabei nicht bange sein.
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