Mit der internationalen Förderklasse zum Abitur

Von: Sonja Essers
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Michel, Nudem und Robert (1. Reihe von links) fühlen sich am Städtischen Gymnasium wohl. Schulleiter Winfried Grunewald (hinten Mitte) und die Lehrerinnen Miriam Erbstößer (hinten links) und Cornelia Frings freuen sich, dass das Projekt so gut angenommen wird. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. „Ich heiße Nudem und bin 14 Jahre alt. Ich komme aus der Türkei und wohne in Eschweiler“, sagt das Mädchen mit dem pinken Pullover und dem dunkelblauen Kopftuch. „Sehr gut“, lobt Lehrerin Miriam Erbstößer die 14-Jährige. Dass Nudem so gut Deutsch spricht, ist nicht selbstverständlich, schließlich leben sie und ihre Familie erst seit Januar in der Bundesrepublik.

Damit ihr Deutsch noch besser wird, besucht Nudem derzeit mit drei weiteren Schülern die internationale Förderklasse am Städtischen Gymnasium.

Zwar ist das Projekt in der Indestadt nicht neu, jedoch ist das „Städti“ das erste Eschweiler Gymnasium, das eine solche Klasse eingerichtet hat. Wie es dazu kam? „Die Stadt hat mehr Bedarf angemeldet. Also haben wir uns dazu bereit erklärt, eine Klasse einzurichten“, sagt Schulleiter Winfried Grunewald. Außerdem sorgten sinkende Schülerzahlen dafür, dass Räume und Lehrkräfte frei waren. Nachdem der Entschluss von der Lehrer-, Schulpflegschafts- und Schulkonferenz, die einstimmig dafür stimmten, abgesegnet wurde, konnte es vor drei Wochen losgehen.

Seitdem nehmen Nudem, der 13-jährige Robert, der zwölfjährige Michel und der 17-jährige Raman am Unterricht teil. Im Gegensatz zu ihren Mitschülern haben sie individuelle Stundenpläne. Während des Kunst-, Musik-, Sport- und Mathematikunterrichts bleiben sie in ihren Klassen. Deutsch und Englisch lernen sie in der kleinen Gruppe und verbringen in dieser zwischen zwei und vier Unterrichtsstunden am Tag.

Unterrichtet werden die Schüler von Miriam Erbstößer und Cornelia Frings, die den Förderunterricht neben ihren anderen Unterrichtsstunden anbieten. Der Unterricht findet zum größten Teil auf Deutsch statt. Falls das jedoch mal nicht klappt, kommen Englisch, Französisch oder Spanisch zum Einsatz. Rund alle zwei Wochen werden die Stundenpläne der Jugendlichen überarbeitet. Schließlich sollen sie so oft wie möglich am Unterricht in ihren Regelklassen teilnehmen. Momentan besuchen Michel, Robert und Nudem die sechste Klasse. Raman geht in die zehnte Klasse. Sollten die Noten stimmen, haben sie die Möglichkeit, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen.

Große Fortschritte gemacht

Das ist das Ziel von Nudem. Bereits in ihrer Heimat hatte die Schülerin sehr gute Noten. In der Indestadt möchte sie ihr Abitur machen. Ihre Lehrerinnen trauen ihr dies zu. Schließlich hat die 14-Jährige in den vergangenen Wochen so große Fortschritte gemacht, dass sie bald am Deutschunterricht ihrer Klasse teilnehmen wird.

Wer in der internationalen Förderklasse aufgenommen wird, bestimmt Winfried Grunewald. Schüler und Eltern oder Betreuer besuchen den Schulleiter und melden das Kind an der Schule an. Er hat bisher nur positive Erfahrungen gemacht. „Die Eltern waren froh, dass ihre Kinder zu uns kommen durften und dass sie nach ihren Ansprüchen geschult werden.“ Wie wichtig der schulische Rahmen für die Jugendlichen ist, weiß Erbstößer. „Der Unterricht gibt ihnen Sicherheit und ist ein prägendes Element“, sagt die Lehrerin.

Diese Meinung teilen Nudem, Michel, Robert und Raman. Aus der Türkei, Rumänien und Frankreich sind die Jugendlichen, teils mit Eltern, teils ohne Begleitung nach Deutschland gekommen. Einige von ihnen leben in Eschweiler, andere in Aachen und Stolberg. Obwohl der Großteil von ihnen erst seit Januar in Deutschland lebt, verstehen sie die fremde Sprache sehr gut.

Erbstößer und Frings sind mit den Fortschritten ihrer Schützlinge zufrieden. „Eigentlich ist das nichts anderes, als normaler Fremdsprachenunterricht. Wenn Kinder anfangen, Englisch oder Französisch zu lernen, starten sie auch bei Null“, so Erbstößer. Die wichtigste Entwicklung geschehe allerdings außerhalb des Schulgebäudes, ist sich Erbstößer sicher. „Die Kinder sind in das Leben vor Ort eingebettet. Fernsehen, Radio und Einkaufen sorgen dafür, dass sie die Sprache hören und sprechen. Das Wichtigste passiert draußen.“

Neuer Schüler nach den Ferien

Winfried Grunewald rechnet damit, dass bis zu den Sommerferien noch mehr Jugendliche in die internationale Förderklasse kommen werden. Ein neuer Schüler wird bereits nach den Osterferien dazustoßen.

Grunewald und seine beiden Kolleginnen freuen sich besonders über die breite Unterstützung des Projekts. „Es gibt viele Lehrer und Schüler, die zusätzlich etwas gemacht haben oder machen möchten“, so Erbstößer und Grunewald fügt lächelnd hinzu: „Es funktioniert einfach.“

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