Mit der Funkuhr im Blick sitzen alle am Tisch

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
ramadanbu
Gegessen wird im Ramadan erst nach Sonnenuntergang: Damit haben die beiden Angestellten der Stadtverwaltung, Demet Jawher (rechts) und Kazim Yilmaz, keine Probleme. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Plötzlich müssen Demet Jawher und Kazim Yilmaz schmunzeln, als sie über ihre Ramadan-Traditionen nachdenken. „So einiges läuft schon ähnlich wie bei den Christen zur Weihnachtszeit”, sagt Muslimin Jawher.

Die Sozialarbeiterin der Stadtverwaltung fastet wie viele andere Eschweiler Bürger in diesen Wochen. Am 11. August startete der Ramadan, der islamische Fastenmonat. Nun kann man von Christen nicht wirklich behaupten, dass sie in den Tagen vor Heiligabend als Kostverächter auffallen. Doch andere Traditionen sind ähnlich: Die festliche Kleidung, die Geschenke für die Kinder, die Familienbesuche zum großen Fest am 9. September.

Und doch ist vieles anders beim Ramadan. Darüber aber, bedauern Yilmaz und Jawher, wissen viele Außenstehende nur wenig. Dabei ist es für Muslime die wichtigste Zeit des Jahres.

Ramadan im Sommer bedeutet vor allem: Früh aufstehen. Bis 4.30 Uhr am Morgen haben Jawher, die mit ihrer Tochter in Würselen wohnt, und der in Eschweiler lebende Yilmaz gegessen. Dann geht die Sonne auf. Den kompletten Tag über üben sie anschließend Verzicht: Weder Essen noch Trinken ist erlaubt. Besonders hart wird es für Raucher, denn auch diesem Laster soll der gläubige Muslim während des Ramadans abschwören.

Das allabendliche Fastenbrechen wandert mit den kürzer werdenden Tagen: Zu Beginn der Fastenzeit durfte erst gegen 21.15 Uhr wieder gegessen werden, mittlerweile landen die Leckereien bereits gegen 20.45 Uhr auf dem Tisch. „Zuhause haben wir dafür extra einen Funkwecker stehen. Fünf Minuten vorher sitzen alle der Familie gemeinsam am Tisch, und wenn der Zeiger umschlägt, ist es soweit”, erklärt Yilmaz. Und eine spezielle Zeittabelle nur für Eschweiler besitzt er auch.

Doch häufig sei es dann gar nicht das große Gelage, das folgt, ergänzt Demet Jawher. „Ich bin oftmals schon nach einer Suppe satt”, sagt sie. „Nicht zu trinken bereitet mir tagsüber eher Probleme.” Was unternimmt man so, wenn die Kollegen in der Pause gemeinsam zum Mittagstisch schlendern?

„Ich bleib natürlich nicht am Schreibtisch sitzen. Für mich heißt es dann: Raus an die frische Luft. Oder ich gehe für abends einkaufen. Das ist hin und wieder auch gefährlich, wenn man mit Hunger vor den Regalen steht”, schmunzelt Jawher.

Ihr Kollege Yilmaz geht meist vom Rathaus zur nahen Moschee. Dort treffen sich die Gläubigen auch abends und vor allem am Wochenende. Nimmt man in der Zeit ab? „Schon möglich, aber der Ramadan ist kein Diätmonat”, betont Jawher.

Noch bis zum 9. September läuft der Ramadan. Abschließend wird drei Tage lang gefeiert. „Die Moschee ist dann rappelvoll”, erzählt Yilmaz. Die Leute gratulieren sich, wünschen sich ein frohes Fest. Da darf man auch als nicht-muslimischer Kollege gerne mitgratulieren. Halt ganz genau so wie Weihnachten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert