Eschweiler - Mit der Armut wächst die Arbeit der Tafel

Mit der Armut wächst die Arbeit der Tafel

Von: Michael Cremer
Letzte Aktualisierung:
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Drei Frauen der ersten Stunde vor dem Ladenlokal an der Dürener Straße: Karin Schmaling, Anneliese Küpper und Edith Breuer (von links) sind seit den Gründertagen der Eschweiler Tafel dabei. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Viel Aufhebens um das Jubiläum wollen die Verantwortlichen der Eschweiler Tafel nicht machen. Der runde Geburtstag ist für sie vielmehr Anlass, jenen im Rahmen einer kleinen Feierstunde zu danken, die die gemeinnützige Organisation zum Teil seit den Anfängen unterstützen, sei es als Mitglied, Mitarbeiter oder Spender.

Die Vorsitzende Anneliese Küpper, ihre Stellvertreterin Karin Schmaling und Schriftführerin Edith Breuer sind wie einige weitere der heute rund 80 zahlenden Mitglieder von Beginn an dabei und erinnern sich gut an die Anfänge. Die Anregung, auch in Eschweiler eine Tafel zu gründen, kam von Dorothee Krahe aus Dürwiß. Angesichts der wachsenden Kinderarmut in Deutschland nahm sie sich die Stolberger Tafel zum Vorbild. Die Philosophie, Lebensmittel, die ansonsten weggeschmissen würden, an Bedürftige weiterzugeben, hatte die Presbyterin überzeugt.

„Dorothee Krahe hat sich damals sehr eingebracht und sehr viel Zeit geopfert”, sagt Anneliese Küpper. Nach einem Aufruf Anfang Oktober 1999 und nach Wochen der Vorbereitung fand am 17. Februar 2000 im Evangelischen Gemeindezentrum Dürwiß die Gründungsversammlung statt, auf der Dorothee Krahe zur ersten Vorsitzenden der Eschweiler Tafel gewählt wurde; zur 1. Stellvertreterin bestimmten die 36 Gründungsmitglieder Anneliese Küpper. Drei Monate vergingen, bis der Verein in einem Garagenhof an der Indestraße gegenüber dem Bushof sein erstes Ladenlokal in Betrieb nehmen konnte. Das war am 16. Mai 2000. Ein Jahr später folgte der Umzug zur Dürener Straße 58, wo die Tafel noch heute ihren Sitz hat.

Seit den Anfängen hat sich vieles geändert. Nahmen damals zwischen 30 und 50 Familien mehr oder weniger regelmäßig Hilfe in Anspruch, so betreut die Tafel heute rund 600 Eschweiler Familien. Tendenz steigend. Im Schnitt hat jede Familie vier Personen, aber die Zahl der Großfamilien mit zum Teil neun bis zwölf Mitgliedern wächst zusehends. Ihre Bedürftigkeit weisen die Familien mit einer Bescheinigung, etwa einem Leistungsbescheid vom Sozial- oder Arbeitsamt, nach. „Pro Woche kommen zwischen fünf und neun Familien dazu”, stellt Karin Schmaling fest. „Rechnen Sie mal, wo das hinführt.”

Die Dankbarkeit auf Seiten der Kunden ist groß und äußert sich manchmal in sehr erfreulichen Begegnungen. Anneliese Küpper erzählt von jener Frau, die früher Kundin war und bei einer Weihnachtsaktion ein Paket vorbeibrachte mit dem Satz: „Mein Mann hat jetzt Arbeit.” Über solche Spenden freuen sich die Mitarbeiter der Tafel natürlich ebenso wie über jene, die regelmäßig kommen, etwa von jenem Herrn, der Monat für Monat haltbare Lebensmittel wie Nudeln und Reis im Wert von 120 Euro stiftet. Genau solche Nahrungsmittel benötigt die Tafel dringend.

Auf Spenden jeder Art und auf weitere Helfer ist die Eschweiler Tafel angewiesen, denn der Andrang vor dem Haus Dürener Straße 58 wächst und neue Lieferanten sind nicht in Sicht. Die rund 60 Mitarbeiter - allesamt Ehrenamtler - reichen kaum aus, um dem Andrang gerecht zu werden; ganz oben auf der Wunschliste stehen Fahrer. Die Tafel finanziert sich aus Mitgliederbeiträgen und Spenden. „Monat für Monat müssen wir rund 2500 Euro aufbringen”, sagt Edith Breuer. „Und das ist nicht übertrieben.”
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