Mit Blaulicht und Martinshorn ist es längst nicht getan

Von: Rudolf Müller
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Container-Ausstattung Marke Eigenbau: Perfekt auf die Bedürfnisse der Wehrleute abgestimmt ist der neue Rüstcontainer. Foto: Rudolf Müller
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Die neueste Errungenschaft der Wehr: ein Wechsellader mit Kran.

Eschweiler. Ein Eschweiler Feuerwehrfahrzeug mit Ahrweiler Kennzeichen? Das gibt‘s. Und das ist nicht etwa ein Mitbringsel von einem Betriebsausflug der Wehr in die Weinberge der Ahr, sondern ein Leihwagen. Die an der Hauptwache am Florianweg stationierte Drehleiter nämlich ist für vier Wochen in Reparatur.

Da musste also Ersatz her. Ersatz muss auch für zwei in die Jahre gekommene Löschfahrzeuge her. Fahrzeuge aus den 80er Jahren, die „technisch aufgebraucht“ sind, wie Wehrchef Axel Johnen erklärt. Dabei haben die rund 30 Jahre alten Löschfahrzeuge kaum nennenswerte Tachostände, sind gerade mal 20- oder 30.000 Kilometer gelaufen.

Samt und sonders Stadtfahrten. Demnächst werden sie versteigert – über die Zoll-Auktionsseite im Internet. „Es hat schon mal einen Sammler in der Region gegeben, der sich so ein Fahrzeug zugelegt hat, aber in der Regel bleiben die Wagen nicht in Deutschland“, sagt Johnen. Die vor einem Jahr in Weisweiler mit Getriebeschaden ausgemusterte Drehleiter ging beispielsweise nach Polen.

Von all dem technischen Gerät, mit dem die Fahrzeuge bestückt sind, ist für Eschweilers Wehr kaum noch etwas weiter nutzbar. „Nach 25 Jahren sind dafür fast gar keine Ersatzteile mehr zu bekommen“, so Johnen. Zudem sind die Geräte längst durch bessere abgelöst worden.

Eine Entwicklung, die die Wehr in den kommenden Jahr teuer zu stehen kommen wird. „Ich gehe davon aus, dass moderne Ausstattungen künftig schon nach spätestens zehn Jahren überholt sind und Reparaturen problematisch werden“, sagt Johnen, der zurzeit an der europaweiten Ausschreibung der beiden neuen Löschfahrzeuge feilt.

Die muss bis zum letzten Ausstattungsdetail akribisch genau sein. „Da kommen locker 20 DIN-A4-Seiten zusammen.“ Geschätzter Kostenpunkt der beiden Fahrzeuge: 230.000 und 300.000 Euro.

Rund 40 Fahrzeuge umfasst der Fuhrpark der Eschweiler Feuerwehr. „Wir haben einen guten Bestand“, ist Johnen zufrieden. Ein auf jeweils zehn Jahre angelegtes Konzept, das pro Jahr durchschnittlich zwei Neubeschaffungen vorsieht, sorgt für die beständige Modernisierung des Fahrzeugparks und gibt auch der Verwaltung, die für die Finanzierung aufkommen muss, Planungssicherheit.

Der derzeit gültige Konzept läuft noch bis 2020. Danach, so Johnen, werden vermutlich kürzere Laufzeiten vorgesehen – siehe oben. Die nächste größere Anschaffung steht übrigens für 2019 ins Haus: Dann ist eine neue Drehleiter fällig. Bis die auf den Hof rollt, vergehen von der Ausschreibung bis zur Auslieferung ein bis eineinhalb Jahre

Dass der Fuhrpark insgesamt mit einem Durchschnittsalter von etwa zehn Jahren relativ jung ist, liegt nicht zuletzt an der kürzeren Lebensdauer der Rettungsdienstfahrzeuge. Zurzeit verfügt die Wehr über drei Rettungs- und zwei Krankentransportwagen.

Letztere stammen aus dem vergangenen und aus diesem Jahr; ein neuer Rettungswagen wird im November in Dienst gestellt. Fahrzeuge, die erheblichen Belastungen ausgesetzt werden: „Die fahren aus dem Stand Vollgas, müssen heftig abgebremst werden, verbrauchen mehrere Sätze Bremsbeläge im Jahr und kommen auf enorme Kilometerleistungen“, so Axel Johnen. „Nach acht Jahren sind die reif, ersetzt zu werden. Dann sind die technisch ausgelutscht.“

Stolz sind die Männer von der Wehr auf ihren neuen „Wechsellader Kran“, ein mit einem Ladekran versehenen Lkw mit einem Rüstcontainer, der alles enthält, was im Einsatz – zum Beispiel bei schweren Verkehrsunfällen – zur technischen Hilfeleistung benötigt wird.

Das Innenleben des Containers haben die Wehrleute selbst entworfen und gebaut. „Fertig kostet so ein Container an die 150.000 Euro“, sagt Johnen. „Wir haben nur etwa die Hälfte ausgeben müssen.“ Rund ein Jahr haben die Wehrleute ungezählte Stunden in den Bau investiert. Der Rüstcontainer war nicht der erste, den die Wehrleuite in Eigenregie gebaut haben.

Den Anfang machte ein Einsatzleitcontainer, es folgte ein Betreuungscontainer, der als (Kaffee-) Küche und Aufenthaltsraum bei längeren Einsätzen dient. Die Möglichkeit, ein Fahrzeug mit dem jeweils benötigten Container zu versehen, statt für jeden Verwendungszweck ein eigenes Fahrzeug vorzuhalten, spart enorm Geld. „Sonderfahrzeuge wie diese stehen sich in der Regel die Reifen viereckig“, sagt Johnen.

Bei allem technischen Fortschritt, dem auch der Fuhrpark der Feuerwehr unterworfen ist: Dass die Wehr in naher Zukunft einmal mit E-Fahrzeugen ausrückt, das hält der Wehrchef für völlig unwahrscheinlich. „Klar gibt es in der Fahrzeughalle Steckdosen“, sagt Johnen.

Aber im Einsatz laufen die Motoren der Fahrzeuge vor Ort auch im Stand, um beispielsweise Löschwasserpumpen und Scheinwerfer zu betreiben. Und im Rettungsdienst könnten Fahrzeugausfälle durch Ladezeiten tödliche Folgen haben. So sehr auch die Wehr dem Umweltschutz verpflichtet ist: Über innerstädtische Umweltzonen und grüne Plaketten müssen Axel Johnen und seine Leute sich keine Gedanken machen.

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