Eschweiler - Mit blauem Auge an Katastrophe vorbei

Mit blauem Auge an Katastrophe vorbei

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Viel passt da nicht mehr zwischen Wellen und Beton: Auch der Brücke Bergrather Straße drohte die Überflutung. Foto: Rudolf Müller.
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Eine fast gespenstische Wasserlandschaft: die Inde in Höhe Rathaus am Mittwochabend gegen 21 Uhr.

Eschweiler. Was viele befürchtet hatten, trat schließlich ein: Die anhaltenden Regenfälle und die Wassermassen, die aus der Nordeifel via Stolberg durchs Indebett schossen, trieben den Indepegel deutlich über die kritische Marke.

Die liegt bei 2,40 Metern – gegen 1 Uhr Donnerstag früh kratzte der Pegel an der 2,50-Meter-Marke. Für Eschweilers Feuerwehr und den inzwischen in der Feuerwache am Florianweg zusammengetretenen Krisenstab Anlass zu höchster Wachsamkeit. Aber auch zur Freude: Trotz der unermüdlich durch die Innenstadt rasenden Wassermengen blieb die City von Überflutungen verschont. Was nicht heißt, dass die Männer und Frauen der Wehr die Hände in den Schoß legen konnten. 25 Einsätze erforderten ihr technisches Können.

Nach einigen kleineren Einsätzen im Laufe des Tages (Sperrung der überschwemmten Straße Auf dem Felde in Kinzweiler, Säuberung verstopfter Kanäle an der Autobahnauffahrt Rue de Wattrelos, Beseitigung auf die Fahrbahn gestürzter Äste am Hagelkreuz) ging es kurz vor 18 Uhr richtig los: Am Goldberg, in der Eifelstraße, in der Stadionstraße, der Heisterner Straße, am Langwahn, an der Indestraße, an der Stoltenhoffmühle, in den Benden und an der Hüttenstraße galt es, überflutete Keller vom Wasser zu befreien. Dass in mehreren Stadtteilen Keller unter Wasser standen, lag keineswegs an einer über die Ufer getretenen Inde: In den meisten Fällen war es der heftige Regen selbst, der dort eindrang, oder auch Grundwasser, das von unten durch die Fundamente drückte.

Dass die Normalbesatzung der Feuerwache und ein Löschzug ausreichten, um Herr der Lage zu bleiben, das galt am späteren Abend nicht mehr. Wehrsprecher Paul Velten-Christopher: „Die gesamte Eschweiler Wehr war auf den Beinen.“

Hund als Feuermelder

Die Brücken Neustraße und Grabenstraße wurden sicherheitshalber für den Verkehr gesperrt; ihre Ränder wurden mit Sandsäcken erhöht. Die Überflutung blieb aus. Auf einer der Brücken platzierte der Wasserverband Eifel-Rur einen Bagger, der heranschwimmende Äste, Baumstämme und ähnliches aus dem Wasser fischte und so daran hinderte, sich an der Brücke zu verhaken, was den Durchfluss der Wassermassen gestört hätte. Mit einem Lkw wurde das Treibgut sofort abtransportiert.

Um 0.53 Uhr wurde die Wehr zudem zu einem Feuereinsatz gerufen: Im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses im Oberdorf stand ein Bobbycar in Flammen. Ein unaufhörlich bellender Hund hatte Alarm geschlagen und seine Besitzer geweckt.

Eine 53-Jährige erlitt eine Rauchgasvergiftung, ihr Ehemann Verbrennungen an den Händen. Das hätte für alle acht in dem Haus gemeldeten Menschen schlimmer enden können. Der Qualm hatte den Hund alarmiert. Dessen Besitzerin weckte gemeinsam mit ihrem Ehemnann sofort alle Bewohner des Hauses. Dabei brach sie noch aufgrund des starken Rauchs im Treppenhaus zusammen. Ihr Mann brachte sie ins Freie. Dann schleppte er noch mit bloßen Händen das brennenden Kunststoffteil nach draußen. Die Feuerwehr erledigte den Rest. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei.

Während der Hochwasser-Krisenstab um 4 Uhr früh wieder in Bereitschaft entlassen werden konnte, ging die Arbeit für die Wehr weiter: Noch am Mittag wurde zum Beispiel Auf dem Driesch in Weisweiler Wasser abgepumpt.

Dass sie sich auf ihre Wehr verlasen können, das wissen die Indestädter. Und sie danken es ihr: In der Nacht zum Donnerstag versorgten Anwohner von Neustraße und Grabenstraße die Einsatzkräfte auf den Brücken mit Kaffee und Brötchen. Paul Velten-Christopher: „Das war erstklassig! Dafür unseren herzlichsten Dank!“

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