Mit 75 ist Schluss: Altersgrenze für Helfer im Krankenhaus

Von: Patrick Nowicki
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Eine haltende Hand und ein offenes Ohr: Die ehrenamtliche Patientenhilfe in der Krebsstation hat eine wichtige Aufgabe. Sie endet jedoch mit dem 75. Lebensjahr. Foto: Stock/epd

Eschweiler. Manche Menschen können sich Schöneres vorstellen als ihre Freizeit am Bett von Schwerstkranken zu verbringen. Maria Plum zählt nicht dazu. Fast 15 Jahre lang kümmerte sie sich um Patienten in der Krebsstation des St.-Antonius-Hos­pitals. Alles ohne Bezahlung. Damit ist jetzt Schluss: Man teilte der 76-Jährigen vor zwei Wochen mit, dass sie zu alt für dieses Ehrenamt sei.

So recht verstehen kann Maria Plum noch nicht, warum Schluss sein soll. Auf eine schriftliche Begründung wartet sie bis heute. Ihr Schicksal teilt sie mit zwei weiteren Damen, die viele Stunden im Dienst der Schwerstkranken opferten. Noch nie habe sie Klagen gehört. Im Gegenteil: „Die Menschen sind immer dankbar für unsere Arbeit.“ Angehörige und Patienten sind oft überfordert, wenn die Diagnose Krebs das Leben mit einem Schlag verändert. Manchmal ist es auch so, dass die Betroffenen allein sind, weil Angehörige weggezogen sind und nur noch an Wochenenden den Kranken besuchen können. Dann leisten die Ehrenamtler einen wertvollen Dienst. Allerdings sind viel zu wenig Menschen bereit, sich in solchen Bereichen sozial zu engagieren.

Der regelmäßige Kontakt mit Schwerstkranken, mit Tot, Abschied und Trauer hinterlässt Spuren. Regelmäßige Supervisionen sollen helfen, die Erlebnisse zu verarbeiten. Traudel Pistor, die Koordinatorin der ehrenamtlichen Mitarbeiter, betont stets, dass jeder seine Grenzen kennen und auch akzeptieren muss. Auch Maria Plum hat Situationen erlebt, in denen sie eine Pause brauchte und diese auch einforderte. In den Gesprächen mit den anderen Frauen der Gruppe, die einmal im Monat stattfinden, wurden Belastungen auch zum Thema. Aber bis zum heutigen Tag sieht sich Maria Plum gut gerüstet für die Arbeit mit den Schwerstkranken. „Ich bin doch der lebende Beweis dafür, dass man auch mit 76 Jahren dieses Ehrenamt ausführen kann“, sagt sie.

Am 8. April dieses Jahres wurde in einer Supervision der Ehrenamtlichen der Onkologie erstmals eine Altersgrenze besprochen. Die Gruppe schlug vor, von Fall zu Fall zu entscheiden. Eine klare Regelung gibt es bereits bei der Krankenhausseelsorge, wo die ehrenamtlichen Mitarbeiter einen Kontrakt unterzeichnen, in dem auch festgesetzt wird, dass man mit dem 75. Lebensjahr aus dem Dienst ausscheidet. „Danach haben wir allerdings nichts mehr davon gehört, bis man uns mitteilte, dass wir zu alt seien“, kritisiert Maria Plum den Umgang mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern. In dem Treffen habe sie angeboten, dass man Ältere regelmäßig von einem Arzt oder Psychologen untersuchen könne, um festzustellen, ob derjenige noch für das Amt geeignet sei. „Das hat man abgelehnt“, berichtet Maria Plum.

Der geschäftsführende Vorstand des St.-Antonius-Hospitals, Elmar Wagenbach, bedauert die Entwicklung, räumt allerdings ein, dass manche Veränderungsprozesse auch schmerzhaft sein können. „Gerade der unmittelbare Kontakt zu Patienten erfordert ein hohes Maß an Professionalität auch bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern“, sagt er. Die Patientenbetreuung sei ein wichtiger und hoch sensibler Bereich, der vieles von den Ehrenamtlern abfordere. Deswegen habe man sich in Anlehnung an einen Kuratoriumsbeschluss aus dem Jahr 2004, der vorsieht, dass man nach dem 75. Lebensjahr nicht mehr Mitglied des Gremiums sein kann, entschlossen, eine klare Grenze zu ziehen. „Dies haben wir den ehrenamtlichen Mitarbeitern auch mitgeteilt“, berichtet Wagenbach.

Die Hospitalleitung wollte Maria Plum gebührend verabschieden. „Es ist wichtig, dass wir den Dank und den Respekt für die langjährige Tätigkeit im Auge behalten“, sagt Elmar Wagenbach. Man habe ihr auch den Dank mehrfach ausgesprochen. Eine offizielle Verabschiedung hat die 76-Jährige allerdings abgelehnt. Sie sei enttäuscht über die „Art und Weise, wie einer langjährigen Mitarbeiterin Dinge mitgeteilt werden“ und beurteilt dies als „geringe Wertschätzung“.

Maria Plum hat sich inzwischen von den Mitarbeitern und Patienten im Krankenhaus nach fast 15 Jahren Ehrenamt verabschiedet. Auf eine schriftliche Begründung der Hospitalleitung wartet sie noch immer. Ihre Hände will sie allerdings nicht in den Schoß legen. Sie will sich dem Ambulanten Hospizdienst anschließen und dort ihre Erfahrungen einbringen. Eine Altersgrenze für Ehrenamtler gibt es dort nämlich nicht.

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