Aachen/Eschweiler - „Mist gebaut“: Versuchter Mord aus purem Zufall?

„Mist gebaut“: Versuchter Mord aus purem Zufall?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Eschweiler. Vor dem Aachener Schwurgericht musste sich der wegen versuchten Mordes angeklagte Fabian S. (28) von der Kammer und dem Staatsanwalt nachdrücklich ins Gebet nehmen lassen. S. hatte am Morgen des 5. Dezember an einer Tankstelle in Eschweiler ein Auto geklaut und den herantretenden Besitzer auf einer Fluchtfahrt beinahe zu Tode geschleift.

Jetzt wirkte der Vorsitzende Richter Gerd Nohl auf den Angeklagten ein, doch endlich reinen Tisch zu machen. Denn so recht glaubte man dem einschlägig vorbestraften jungen Mann nicht, dass das alles ein Zufall war und er eigentlich frühmorgens „nur“ auf den Bus gewartet hatte.

Tatsächlich aber bestätigte die damals von ihm schwangere Freundin seinen Besuch im Krankenhaus. Damals hatte das ungewöhnliche Paar – sie ist erst 25 Jahre alt und hatte zu dieser Zeit bereits drei Kinder – „Stress“, wie man so schön sagt. Denn er war nach seinem Aufenthalt in einer Entzugsklinik erstmals auf freiem fuß, war allerdings zu einer anderen Frau in Übach-Palenberg gezogen.

Die damals wegen Problemen mit ihrer Schwangerschaft im Krankenhaus liegende Anja S. erklärte am Montag dem Gericht, dass sie Fabian S. „trotzdem geliebt“ habe, auch wenn er noch nachts unbedingt zu der anderen wollte. Auf dem Weg dahin verschlug es den Angeklagten dann morgens gegen vier Uhr zu der besagten Tankstelle, an der etwa gegen Halbsechs das Opfer seinen Wagen parkte, den Schlüssel stecken ließ und eine Zeitung im Tankstellenshop kaufte.

Da schlug der Angeklagte, wie er selber vor Gericht gestanden hatte, zu und stahl das Auto, um nach Übach-Palenberg zu der anderen zu düsen. Dabei klemmte er den Besitzer, der durchs offene Fenster in den Wagen gegriffen hatte, ein und schleifte ihn rund 70 Meter mit. Dann schlug das Opfer hart auf dem Asphalt auf, der 60-jährige Schlosser aus Eschweiler wurde lebensgefährlich verletzt.

Die inzwischen entbundene Anja S. - das Baby vom Angeklagten ist jetzt 13 Tage alt - bestätigte im Großen und Ganzen die Angaben des Angeklagten. Er sei nach der Tat wieder bei ihr im Krankenhaus erschienen, habe ihr nervös bis nachdenklich gestanden, dass er „Mist gebaut“ habe. Am Donnerstag werden die Plädoyers erwartet, am 18. März soll dann ein Urteil gesprochen werden.

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