Eschweiler - Mindestlohn für Taxifahrer: 85 Prozent mehr

Mindestlohn für Taxifahrer: 85 Prozent mehr

Von: Sonja Essers
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Seit dem 1. Januar gilt der Mindestlohn auch für die Taxibranche. Die Unternehmen müssen ihren Angestellten 8,50 Euro pro Stunde zahlen. Foto: stock/PEMAX
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Seit 37 Jahren ist Horst Mohnen als Taxifahrer in der Indestadt unterwegs. Foto: Sonja Essers (2)
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Der 29-jährige Hüseyin Akar führt seit September 2012 sein Taxiunternehmen in Eschweiler.

Eschweiler. Seit dem 1. Januar gilt bundesweit der Mindestlohn. Auch Taxiunternehmen müssen ihren Angestellten 8,50 Euro pro Stunde zahlen. Mit Horst Mohnen und Hüseyin Akar haben wir über das Für und Wider des Mindestlohns gesprochen.

Mohnen ist seit 37 Jahren als Taxifahrer tätig und kennt nicht nur die Indestadt, sondern auch Würselen, wo die Hauptzentrale seines Unternehmens sitzt, wie seine Westentasche. Er meint: „Für alle Unternehmer in Eschweiler wird der Mindestlohn ein riesiges Problem.“

Hüseyin Akar übernahm im September 2012 ein heruntergewirtschaftetes Taxiunternehmen an der Röthgener Straße und baute es neu auf. Er sagt: „Ich hatte nicht so viele Bedenken das Unternehmen auf ein gutes Level zu bringen. Aber in diesem Jahr habe ich viele Bedenken es auch auf einem guten Level zu halten.“

Herr Akar was halten Sie von dem Mindestlohn, der seit dem 1. Januar auch für die Taxibranche gilt?

Akar: Ich muss sagen, dass mir das Thema keine Ruhe lässt. Meine Nächte sind sehr kurz geworden, weil ich mir viele Gedanken mache.

Inwiefern?

Akar: Wir zahlen den Fahrern bis zu 85 Prozent mehr Lohn und das muss sich auch auf unsere Preise auswirken, aber da hat sich bisher noch nichts getan.

Welche Meinung vertreten Sie, Herr Mohnen?

Mohnen: Ich finde, dass der Mindestlohn eine tolle Sache ist, auch wenn es uns Unternehmern sehr weh tut, weil die Erhöhung der Fahrpreise noch nicht da ist. Es ist ein Antrag an die Städteregion gegangen, aber der muss erst genehmigt werden.

Akar: Das kann März oder April werden, bis etwas entschieden ist. Wir zahlen dann drei oder vier Monate mehr Lohn, die Fahrten werden aber nicht so vergütet, wie wir es gerne hätten.

Was würde passieren, falls die Preiserhöhung nicht eintritt?

Mohnen: Dann werden viele Unternehmen nicht mehr lange durchhalten können. In größeren Städten, wie Aachen, ist das anders.

Inwiefern?

Mohnen: In Eschweiler, Würselen und Alsdorf gibt es fast nur Mehrwagenunternehmen. In Aachen haben viele Taxiunternehmen nur einen Wagen. Die Fahrer kümmern sich dann auch noch um die Zentrale. Ich sage mal so: Die beuten dann nur sich selbst aus (lacht). Diese Unternehmen sind nicht so sehr an einer Preiserhöhung interessiert wie wir.

Um wie viel Prozent sollen die Fahrtkosten denn ansteigen?

Mohnen: Wir fordern, dass die Tariferhöhungen zwischen 22 und 23 Prozent liegen. Wenn das nicht eintrifft, bekommen die Unternehmen Probleme, und ich befürchte, dass es viele Unternehmen geben wird, die den Mindestlohn deshalb nicht zahlen werden.

Auch in der Indestadt?

Mohnen: Die Eschweiler Unternehmen sind sich einig, dass sie den Mindestlohn zahlen und werden sich auch strikt daran halten. Aber der kann nur bezahlt werden, wenn man genug arbeitet, das bedeutet, wenn genug Aufträge reinkommen. Bei uns steht das Telefon nicht still. Aber bei jedem zweiten Anruf hat man Kunden am Apparat, die nur wissen möchten, was die Fahrten kosten. Das ist schlimm geworden und auch nervig. Aber das ist leider diese Geiz-ist-geil-Mentalität, die es heute gibt.

Akar: Das liegt auch daran, dass viele Taxiunternehmen sich nach den Dumpingpreisen richten mussten, die durch Mietwagenunternehmen vorgegeben wurden. Ich habe Angst davor, dass Mietwagenunternehmen wie Pilze aus dem Boden wachsen und wir um unsere Kunden fürchten müssen. Wenn jemand ein oder zwei Euro billiger ist, dann ist es leider so, dass die Kundschaft zu ihm geht.

Herr Akar, Sie haben sowohl Taxen als auch Mietwagen in Ihrem Unternehmen. Wo liegt der Unterschied?

Akar: Mietwagen dürfen nicht an Taxihaltestellen stehen. Sie werden bestellt und fahren danach wieder in die Zentrale zurück.

Herr Mohnen, Sie sind seit 37 Jahren als Taxifahrer unterwegs. Was hat sich im Laufe der Jahre verändert?

Mohnen: Ich fahre seit 37 Jahren mit allen Höhen und Tiefen. Es ändert sich ständig alles Mögliche. Bei diesem Beruf ist es wichtig, dass man ihn mit viel Leidenschaft auslebt. Man braucht Durchhaltevermögen.

Vor allem, wenn man nachts unterwegs ist, oder?

Mohnen: Wir haben kein großes Nachtgeschäft mehr. Das ist bei Kollegen anders und kann zum Problem werden. Auf der einen Seite wollen sie die Kunden bedienen, auf der anderen Seite müssen sie ihren Fahrern auch den Nachtzuschlag zahlen, der 20 Prozent beträgt. Und so viel ist in der Woche nicht mehr los. Die Stadt ist tot und die Kneipen leer. Deshalb habe ich bei meinen Kollegen angeregt, dass man sich die Nachtfahrten aufteilt. Dass nicht jedes Unternehmen in der Woche nachts fährt, sondern die Betriebe sich abwechseln.

Sind Sie nachts noch unterwegs, Herr Akar?

Akar: Ja, das mache ich aber meist selbst. Nach ein Uhr in der Nacht kommen in der Woche auch keine Züge mehr am Bahnhof an und in der Stadt ist nicht viel los.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2015 im Hinblick auf den Mindestlohn?

Mohnen: Ich finde, dass der häufiger erhöht werden könnte. Schließlich möchten wir nicht von der Hand in den Mund leben, was bei vielen Taxifahrern der Fall ist.

Akar: Mal abwarten, was das Jahr bringt. Ich hatte nicht so viele Bedenken, das Unternehmen auf ein gutes Level zu bringen. Aber in diesem Jahr habe ich viele Bedenken es auf einem guten Level zu halten.

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