Metallbauer bietet Flüchtlingen ein Praktikum

Von: Patrick Nowicki
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Funkenflug: Der 17-jährige Flüchtling Roger (Mitte) lernt beim Praktikum in der Firma von Ralph Roetgers (links) den Beruf des Metallbauers kennen. Johann Otten zeigt ihm, wie geschliffen wird. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Es riecht immer ein wenig verbrannt, hier und da blitzen Funken, aus dem Radio dröhnt Schlagermusik. In der ehemaligen Werkshalle der Röhrenwerke fühlt sich Roger (Name geändert) wohl. Dort befindet sich seit 2004 der Stahlbaubetrieb Bauer und Roetgers, dessen Geschäftsführer Ralph Roetgers auf die Idee kam, jugendlichen Flüchtlingen mit einem Praktikum eine berufliche Perspektive zu geben.

Ein Projekt, von dem offensichtlich beide Seiten profitieren, denn Roetgers schwärmt vom Einsatzwillen der jungen Menschen – auch in sozialen Netzwerken im Internet. Ein Jahr lang war Roger von Nigeria bis Deutschland unterwegs, schlief manchmal auf der Straße und kam schließlich mit dem Schlauchboot durch die Meerenge von Gibraltar nach Europa. Zuvor durchstreifte er den Niger, Algerien und Marrokko. Seine Eltern leben nicht mehr. Er berichtet, dass sie von Boko Haram ermordet wurden. Am Grenzübergang Aachen-Vetschau endete seine Odyssee, seitdem lebt er am Brandenhofer Weg, im Zentrum für soziale Arbeit in Aachen-Burtscheid und besucht die Gemeinschaftshauptschule Drimborn in Aachen.

Seit 15 Monaten ist er nun in Deutschland, spricht auch schon ganz passabel Deutsch. „Meine Hautfarbe wird immer dunkel sein, aber ich muss lernen, wie ein Deutscher zu denken, muss die Mentalität verstehen“, sagt er. Diesen Antrieb, diesen Drang stellt auch Ralph Roetgers in der Arbeit mit dem 17-Jährigen fest. „Ich habe schon einige junge Leute ausgebildet, ich glaube, dass viele hier Geborenen nicht leistungsorientiert sind“, meint er. Wer die Perspektivlosigkeit kenne, empfinde eine Ausbildung eher als Chance.

Roger ist bereits der zweite jugendliche Flüchtling in den vergangenen Monaten, der die Arbeit als Metallbauer an der Eschweiler Phönixstraße kennenlernte. Der Beruf ist anspruchsvoll und erfordert Geschick, denn die dort gefertigten Treppen, Geländer und Bauten sind in der Regel Einzelanfertigungen. Zehn Mitarbeiter sind dort beschäftigt – laut Roetgers wurden die meisten dort auch ausgebildet. In den vier Wochen des Praktikums dürfen die Jugendlichen bohren, schleifen und montieren.

Oft sind es einfache Handlangertätigkeiten. „Aber selbst damit sind viele Jugendliche überfordert“, berichtet Roetgers. Einmal habe die Aufgabe darin bestanden, eckige Rohre nach links und runde nach rechts zu legen. Der junge Mann sei plötzlich einfach gegangen.

Als Maßstab wählt der 45-Jährige seine eigene Lehre. „Die Arbeit mit Metall habe ich immer geliebt, kein Material lässt sich so vielfältig verarbeiten wie Metall“, sagt er. Deswegen wählte er nach seinem Abitur in Aachen auch eine Ausbildung. Diese Begeisterung erwartet er auch von seinen Mitarbeitern.

Deswegen hat ihn die Arbeit der beiden jugendlichen Flüchtlinge auch überzeugt, zumal es immer schwieriger werde, gute Lehrlinge fürs Handwerk zu finden. Wie es nun weitergeht? Roger hat nun noch zwei Wochen Zeit, sich zu bewähren. Sein Vorgänger, der 17-jährige Chris aus Kamerun, wird voraussichtlich seine Lehre im nächsten Sommer beginnen. Zuvor muss er jedoch den Hauptschulabschluss absolvieren. Nach einigen Monaten in einer internationalen Klasse sind sie in die Regelklasse gewechselt.

Gute Chancen

Den Abschluss will auch Roger erreichen – dann stehen die Chancen auf einen Ausbildungsvertrag gut. „Ich habe viel Freude an der Arbeit hier, das ist etwas für mich“, sagt er. Sein Vater war Bäcker, er selbst war auch in diesem Beruf in Nigeria tätig. Jetzt besteht sein Wunsch darin, Metallbauer zu werden.

Was Ralph Roetgers dazu bewogen hat, jugendlichen Flüchtlingen einen Ausbildungsplatz zu geben? „Einsatzwille und Freude an der Arbeit sind mir wichtiger als perfekte Noten“, sagt er. Er wolle einfach ein wenig helfen. Und im Internet darüber berichten, wie die Arbeit mit den Flüchtlingen ist. Denn manche Beiträge dort sind für ihn „schwer zu ertragen“.

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